Von Werner Schneiter

Dieser Verkehrsunfall bei der «Kreuzstrasse», am Freitagabend kurz nach dem Feierabend-Stossverkehr inszeniert, geriet anlässlich der Obfelder Hauptübung für einmal zum Nebenschauplatz. Die Präsenz von Kommandanten benachbarter Feuerwehren und des Gemeinderates mitsamt zahlreicher Gäste deutet auf ein besonderes Ereignis hin: Es war die letzte Hauptübung von Kommandant Leo Kälin, der sich nach fast zwölf Jahren am Ende dieses Jahres von der Feuerwehr verabschiedet.

Leidenschaftlicher Feuerwehrmann

So geriet dann der Saal in der «Brunnmatt» zum Hauptschauplatz der Hauptübung. Nach dem veritablen Sterne-Menü folgten dann Sterne in verbaler Form. Gemeinderätin Maya Sheik Fareed, die Feuerwehrvorsteherin, zeichnete in ihren Abschiedsworten das Bild eines leidenschaftlichen Feuerwehrvertreters. «Leo Kälin und Feuerwehr - das ist unzertrennlich», sagte sie und sprach von seiner Begabung, den Feuerwehrgeist auf andere zu übertragen, von seiner Kunst der Motivation, die er auch als kantonaler Feuerwehrinstruktor anzuwenden wusste. Leo Kälin, der Feuerwehr 1982 im Alter von 24 Jahren beigetreten, habe die Karriere «in vollem Gang» gemacht und die gesamte Entwicklung der Feuerwehr miterlebt - auch im technischen Bereich. Äusseres Zeichen der Wertschätzung seiner Arbeit: Das Obfelder Tanklöschfahrzeug trägt den Namen «Leo». Und ohne diesen Menschen Leo sei die Feuerwehr «fast nicht denkbar», sagte Maya Sheik Fareed. Sie ist überzeugt, dass Leo Kälins Nachfolger, Sämi Schneebeli, eine gut ausgebildete und motivierte Feuerwehrtruppe übernehmen kann.

Die starke Verwurzelung mit der Feuerwehr strich auch Statthalter Hansruedi Maag hervor, aber er fügte dem auch bei: «Es gibt ein Leben nach der Feuerwehr». Leo Kälin habe als kantonaler Instruktor grosses Wissen vermittelt - auch über die Gemeindegrenzen hinaus. Der damalige Gemeinderat sei gut beraten gewesen, ihn zum Kommandanten zu küren. Den entsprechenden Gemeinderatsbeschluss habe er zwar nicht erhalten, aber er könne sich gut vorstellen, was darin zu lesen gewesen sei. «Mit Leo Kälin konnte eine Persönlichkeit gefunden werden, welche den anspruchsvollen Aufgaben und Verantwortungen als Kommandant der Feuerwehr Obfelden zweifelsohne gewachsen sein wird.» Maag dankte dem scheidenden Kommandanten, dass er einen langen Lebensabschnitt dem Gemeinwesen uneigennützig zur Verfügung gestellt hat. Und er lobte nicht nur die kameradschaftliche und offene Zusammenarbeit. «Leo Kälin hat stets unverblümt Missstände und Fehlentscheidungen kritisiert, aber er war auch bereit, Kritik entgegenzunehmen.»

Des Statthalters Dank galt aber auch der gesamten Mannschaft, die gute Arbeit leistet und die zupacken kann - nicht zuletzt das Verdienst von Leo Kälin.

Multimedia-Hydrant

Und was sagte der gerührte Geehrte? Einfach danke. Ein Rundumdank an alle, die ihn in den vergangenen Jahren begleitet haben. Der Statthalter, Organisator von Inspektionen: «Er war Gradmesser für unsere Arbeit; er hat gute Arbeit attestiert.» Der Gemeinderat: «Er hatte volles Vertrauen und nur einmal Kritik angebracht, weil einer meiner von Hand geschriebenen Berichte nicht lesbar war ...» Die Mannschaft: «Ich habe von meinem Vorgänger Bernhard Küpper eine hervorragende Truppe übernommen.» Und: «Ohne meine Ehefrau Käthi wäre ich nicht Kommandant geworden. Sie hat mich gross unterstützt.» Nach seinen bewegenden Worten: die Standing Ovation. Geschenke gabs natürlich auch, darunter ein spektakuläres: Gross das Erstaunen des scheidenden Kommandanten, als sein Nachfolger einen tönenden, schön bemalten Hydranten in den Saal transportierte, der Ländlermusiktöne von sich gab - eine originelle, von Sämi Schneebeli vorgenommenen «Zweckentfremdung». Statt Löschwasser spendet der Hydrant nun Videobilder und Musik ab MP3-Player. Ein Sketch und eine ganz dem scheidenden Kommandanten gewidmete Diashow rundeten den ausgedehnten Freitagbabend in der «Brunnmatt» ab.