Wald

Mit der Natur zum Ursprung zurück

An den Anfang: Mit der Bestattung wird der Körper der Natur zurückgegeben.

Mit der Natur zum Ursprung zurück

An den Anfang: Mit der Bestattung wird der Körper der Natur zurückgegeben.

Beat Rölli verbindet den Tod mit der Natur – er bietet seit Kurzem im Bätterkinder Altisberg und Schachen Waldbestattungen an.

Fabienne Wüthrich

Nicht jeder Mensch strebt nach einer Beerdigung auf dem Friedhof. Zu beengend ist die Vorstellung, Grab an Grab neben einem Unbekannten zu liegen. «Die Pflege der letzten Ruhestätte ist auch sehr aufwändig», sagt Beat Rölli. Der Derendinger darf seit kurzem im Bätterkinder Altisberg und Schachen offiziell Waldbestattungen anbieten. Er erklärt: «Für Beerdigungen ist die Natur eine gute Alternative.» Die Idee entstand laut Rölli vor drei Jahren - als der Vater seines Kollegen starb. Er hätte nicht auf den Friedhof gewollt; sie hätten ihn dann bei einem Baum begraben. «Das fand ich so gut, dass ich daraus ein Konzept entwickelte.» Die beiden Waldstücke in Altisberg und im Schachen gehörten dem Vater seiner Exfreundin; dieser habe die zwei Parzellen seiner Firma Letzte Ruhe GmbH im Nutzungsrecht überschrieben. Zusammen sind sie etwa 30 000 Quadratmeter gross.

Die Harmonie gewährleisten

«In die beiden Waldstücke wurde viel Arbeit gesteckt», sagt der 41-Jährige. So musste bei der Gemeinde und der kantonalen Waldbehörde ein Gesuch eingereicht und das Konzept vorgelegt werden. Bätterkinden habe schnell zugesagt - vom Kanton hätten sie kürzlich grünes Licht erhalten. Etwa 100 Bäume wurden laut Rölli in Zusammenarbeit mit einem Förster gepflanzt. Ein Experte sei wichtig: Er habe zum Beispiel erklärt, wieviel Abstand die Bäume bräuchten und welche Arten in Frage kämen. Nun stünden Ulmen, Eichen, Bergahorn, Trauerweiden sowie Nussbäume zur Verfügung. Gemäss dem bernischen Waldforstgesetz darf nämlich das Waldbild nicht verfälscht werden. «Es muss eine Harmonie herrschen - so waren Akazien und Palmen verboten», sagt er und lacht.

Die Bäume gepflanzt, die Genehmigungen eingeholt, können die Waldbestattungen nun erfolgen. Aber: «Das Geschäft für Schweizer Kunden läuft nur langsam an», so Rölli. «Die Leute haben immer noch Berührungsängste.» Es sei auch noch kein Marketing in der Schweiz erfolgt. Jedoch habe er etliche Preisanfragen aus Deutschland erhalten - und bereits mehrere Bestattungen vorgenommen. «Die Deutschen scheinen da weiter zu sein.»

Wie die Waldbeerdigungen ablaufen, erläutert Rölli: Entweder wollten die Menschen bei einem Baum bestattet oder im Wald verstreut werden. Letzteres koste 250 Franken. Hingegen würden die Preise bei den Bäumen steigen. Das hängt laut Rölli davon ab, ob es eine Art «Gemeinschafs- oder Familiengrab» gebe - vielleicht wähle jemand aber auch einen einzelnen Baum für sich aus. Dieser koste etwa 4000 Franken. Die Menschen dürften ihren Baum selber aussuchen. Beim Besagten werde an der Beerdigung ein Loch gegraben - möglichst nahe am Wurzelwerk. «Die Menschen wollen an ihren Ursprung zurück.» Die Asche werde vergraben, die Öffnung zugeschüttet und der Baum mit einer kleinen Platte auf Akazienholz gekennzeichnet. «Damit ihn Angehörige wieder finden.» Rölli betont: «Die Urne wird nicht vergraben - es bleibt Natürlich.»

Preiswerter und pflegeleichter

Nicht nur das Natürliche nennt Rölli als einen Vorteil bei solchen Bestattungen. Im Gegensatz zu Friedhöfen seien Bäume preiswerter und pflegeleichter. Angehörige der Verstorbenen müssten nicht dauernd das Grab besuchen - was bequemer sei. Für viele bedeute ein Baum, dass ihr Körper wieder der Natur zurückgegeben werde. Und: «Dieses Gefühl ist doch beruhigend.»

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