Mit der Homepage gegen die Schulpflege

Schulpflege in der Kritik: Schulpfleger Schoch: «Mit uns kann man reden. Aber es gibt Fälle, die nicht im Sinne der Eltern   enden.» Zum Beispiel wenn versucht werde, Täter zu Opfern zu machen. (Flavio Fuoli)

Uitikon.jpg

Schulpflege in der Kritik: Schulpfleger Schoch: «Mit uns kann man reden. Aber es gibt Fälle, die nicht im Sinne der Eltern enden.» Zum Beispiel wenn versucht werde, Täter zu Opfern zu machen. (Flavio Fuoli)

Den Schulpräsidenten und ein Pflegemitglied will er abwählen lassen, mit gewissen Lerninhalten ist er unzufrieden. Schulpflege und Schulleiter haben wenig Verständnis für die Vorwürfe und weisen sie fundiert zurück.

Flavio Fuoli

Christian Rüttimann betreibt seit einem halben Jahr die Homepage www.augenaufschuleuitikon.ch. Er kämpft dafür, dass zwei der vier wieder kandidierenden Schulpflegemitglieder der neu auf sieben Köpfe verkleinerten Schulpflege abgewählt werden: Präsident Hans-Rudolf Schärer und Reto Schoch, Ressort Schüler und Eltern und Kommunikationsbeauftragter. «Das sind die führenden Köpfe», so der Opponent, «ich will das aufbrechen.» Noch besser wünscht er sich eine total neue Schulpflege. Er will beim Elternverein und dem Elternforum anklopfen sowie die politischen Parteien aufrufen, ob sie zurückkommen wollen auf ihren Entscheid der Nominationen.

Es gehe ihm um weitere Verbesserungen in der Schule Uitikon, für die er sich schon lange einsetze, wie er sich gegenüber der Limmattaler Zeitung erklärte. Seine Hauptmotivation sei die Summe davon, was er und seine Familie in den vergangenen Jahren erlebt hätten, eine Kette von Fehlverhalten, die Lehrer seien von der Schulpflege gedeckt worden, und auch Schulinhalte wie selbstgesteuertes Lernen möchte er nicht an der Schule angewandt wissen.

«Sind lernende Institution»

Bei der Schulpflege nimmt man die Sache relativ ruhig zur Kenntnis. Einer der «angeschuldigten», Reto Schoch: «Das ist nicht neu. Seit zwei Jahren beschäftigen wir uns mit Herrn Rüttimann. Es ist sein gutes Recht, über eine Homepage oder einen anderen Kommunikationsweg zu streiten. Es ist aber nicht die optimale Form, um zu kommunizieren.» Und Präsident Schärer grundsätzlich: «Wir unterstützen Eltern, welche Initiative zeigen und Beiträge leisten. Die Schule ist auch eine lernende Institution.»

«Das Partizipative passiert bei uns im Rahmen des vom Volksschulgesetz Vorgegebenen seit Jahren», ergänzt Schoch, «mit uns kann man reden. Aber es gibt Fälle, die nicht im Sinne der Eltern enden.» Zum Beispiel, wenn Tatbestände nicht verniedlicht werden könnten, wenn ein Akt von Aggression der Ursprung sei. Da könne man Täter nicht zu Opfern machen. Konkret geht es dabei um den Fall des Sohnes von Rüttimann im Jahr 2007, den dieser auf seiner Homepage selber publik macht. Die Schulpflege erteilte einen Verweis. Der Schulpräsident: «Christian Rüttimann legte beim Bezirksrat Rekurs dagegen ein. Dieser hat unser Verhalten aber als angemessen und richtig beurteilt und den Rekurs abgewiesen.»

Er denkt, die Schule verschlafe etwas

Schulleiter Beda Durschei hatte auch schon mit dem Betreiber der Homepage zu tun. «Ich habe ihm aufgezeigt, wo die Schule steht. Er denkt, die Schule verschlafe etwas. Wir haben die Vorgaben des Volksschulgesetzes jeweils termingerecht umgesetzt. Er denkt, gewisse Teile davon seien nicht sinnvoll. Er zieht die Schule Uitikon hier in die Verantwortung. Sie erfüllt indes die Vorgaben der Bildungsdirektion und des Volksschulamtes. Die Homepage entbehrt in dieser Hinsicht daher jeglicher Grundlage.»

Christian Rüttimann verneint klar, selber eine Kandidatur für die Schulpflege anzustreben. «Ich habe mich entschieden, meine Meinungen zu Schulthemen öffentlich zu äussern. Mein Verhältnis zur Lehrerschaft ist nicht ganz ungetrübt. Ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis erachte ich jedoch als Vorbedingung für eine erfolgreiche Arbeit in der Schulpflege.»

«Der Stimmbürger soll entscheiden», sagt Präsident Schärer. «Wir fahren weiter wie bisher. Wir sind durch den Rekurs bestätigt worden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass wir im Kollektiv über die betreffenden Massnahmen entschieden haben. Deshalb ist es seltsam, dass er auf zwei Namen kommt.»

Schärer erinnert daran, dass es nicht einfach gewesen sei, nach den fünf Rücktritten für die verkleinerte Schulpflege wieder drei neue Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Die Schulpflege sei sehr arbeitsintensiv. Der Elternverein habe drei Kandidaten portiert, aus den in der Schulpflege nicht vertretenen Parteien seien bisher keine Vorschläge bekannt. Reto Schoch ergänzt: «Wichtig ist die Kontinuität in einer Behörde, sonst geht bei lauter neuen Kandidaten sehr viel Fachkompetenz verloren.» Man arbeite in diesem Fall auf Sachebene und stelle sich einem allfälligen Wahlkampf.

Nach Christian Rüttimann soll die Auseinandersetzung «kein Bullenkampf werden». «Vielleicht mache ich mich im Dorf zum Affen, aber ich will mich dafür einsetzen.»

Die Wahlen finden übrigens am 25. April 2010 statt.

Meistgesehen

Artboard 1