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Mit dem Lift aufs Schloss Lenzburg

Lenzburg, Stadt und Schloss, das ist historisch und schon namentlich eine Einheit. Mit der kühnen Vision einer Verbindung der beiden Orte macht der Architekt Ruedi Baumann seiner Heimatstadt ein visionäres Geschenk: Durch einen Tunnel, über eine Brücke und dann mit dem Lift hoch aufs Schloss - das ist sein Traum.

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Vision Lift zum Schloss Lenzburg

Vision Lift zum Schloss Lenzburg

Heiner Halder

Wer je an einem heissen Sommertag im Festgewand den Schlossberg schwitzend erklomm: Wer hat sich nicht schon einen schonenderen Aufgang zum Lenzburger Wahrzeichen gewünscht? Das Schloss mit dem Historischen Museum Aargau, dem schweizweit wirkenden Stapferhaus, den Rittersälen und den Parkanlagen ist ein begehrtes Ausflugsziel. Der mit seinen kulturellen, bildenden, gesellschaftlichen und familiären Angeboten und Anlässen weit ins Land hinaus strahlende aargauische Leuchtturm kann über mangelnde Aufmerksamkeit und mässigen Zustrom nicht klagen. Dieser Ort der Kraft ist den mühsamen Aufstieg alleweil wert. Und doch wäre im Zeitalter grenzenloser Mobilität eine bequemere Erschliessung für Betreiber wie Besucher wünschenswert.

Rutschbahn, Lift, Kabinenbahn

Entsprechende Projekte wurden in den letzten Jahren lanciert. Die Rutschbahnen an den beiden Lenzburger Jubiläumsfesten waren zwar echte Attraktionen, doch dienen solche zwangsläufig nur als Einbahnen den Hügel hinab. Einzig bei der umfassenden Sanierung der Schlossanlagen 1978 bis 1986 ist es «last minute» noch gelungen, wenigstens einen Warenlift im Innern des Berges von halber Höhe bis in den Schlosshof hinauf zu erstellen. Notabene primär mit dem Argument des Behindertentransportes, denn für die Anlieferung von Sperrgütern dient immer noch der uralte abenteuerliche Aufzug mit dem historischen Tretrad, dessen Restaurierung zu Schauzwecken von den «Freunden der Lenzburg» finanziert werden soll. Die Idee von einem Kabinenbähnchen den Schlossberg hinauf reifte vor einigen Jahren immerhin bis zu Probebohrungen und Machbarkeitsstudien, doch sprechen Kapazitätsmängel, Erschliessungsprobleme und vor allem der Heimatschutz gegen ein solches Projekt. Ganz abgesehen von der Finanzierungsfrage. Diese ist auch bei der neuesten Version der Vision völlig offen, doch verdient auch dieser Denkanstoss zumindest wohlwollende Prüfung.

Tower, Brücke, Tunnel, Lift

Zu seinem 60.Geburtstag macht der Lenzburger Architekt Ruedi Baumann, über seinen Beruf in der Baubranche und als Repla-Präsident hinaus bekannt für kreative Ideen, aus Dankbarkeit für die ihm von Bevölkerung und Behörden stets gewährte Unterstützung, seiner Heimatstadt ein Geschenk in Form einer visionären Idee. Er meint es ernst damit, zusammen mit Fachleuten hat Baumann die Grundlagen für erste Projektstudien erarbeitet, welche er vorerst im kleineren Kreis seiner Geburtstagsparty, indes durchaus zuhanden der Öffentlichkeit, unter dem Motto «Was zusammengehört, das muss man verbinden» präsentierte.

Diese Verbindung basiert auf vier miteinander verbundenen Elementen: Turm, Brücke, Tunnel und Lift. Der rund 25 Meter hohe Tower wird auf dem ortsbürgerlichen Seifi-Parkplatz neben der Post 2 platziert, wo nebst dem Lift Tourist-Info, Besucherzentrum und Café-Shop/Lounge untergebracht werden könnten. Vom Turm spannt sich eine Hängebrücke hinüber zum Hang, wo ein 100 Meter langer Tunnel ins Innere des Schlossberges zum Aufzug führt, der 20 bis 30 Personen die letzten 65 Meter hinauf zur Schlosszinne zu einem Pavillon liftet. Auf dem Seifi-Areal hätten nebst dem Turm noch «Mantelnutzungen» wie Seminarräume, Shops und Wohnungen Platz, und selbstverständlich müsste auch ein unterirdisches Parking für die Versorgung der Autos erstellt werden. Die Kostenschätzung beläuft sich auf 8,7 Millionen.

«Wir bleiben dran»

Ruedi Baumann beruft sich bei seinem Projekt auf das Vorbild des Castel Grande in Bellinzona, das auch durch eine Tunnel-Lift-Anlage erschlossen ist. Als Vorteile für Stadt und Schloss nennt er die attraktive Verbindung beider Teile als ein gemeinsames «Tor», deren prominente Positionierung, die Verbesserung der Rahmenbedingungen für kulturelle und gesellschaftliche Anlässe sowie die Ganzjahresnutzung des Schlosses. Stadtammann Hans Huber, der als Bauminister für kreative Lösungen für eine «aufblühende Stadt» ein offenes Ohr hat, verdankte «das ganz tolle Geschenk»; ähnliche Gedanken habe sich die Stiftung Schloss Lenzburg auch schon gemacht. Und versprach: «Wir bleiben dran.»

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