Rosmarie Mehlin

Die Badener Maske, das Laientheater, das jeweils zur Sommerzeit mit dem Thespiskarren als Bühne durch die Lande zieht, ist weder gebrechlich, noch grau – aber frisch ins AHV-Alter gekommen.

1946 erstmals in Aktion, ist die BaMa zwar nicht rentenberechtigt, aber was kümmert das schon eine unternehmungslustige, engagierte Seniorin? «Wir haben in den letzten Jahren allerdings zu spüren bekommen, dass Theater- und Musicalproduktionen im Sommer gewaltig boomen. Wir haben weniger Zuschauer als auch schon, und da wir traditionell statt Eintrittspreisen eine Hutkollekte nach der Vorstellung durchführen, klimpert es weniger in der Kasse», berichtet Martin Schmückle, seit zwei Jahren Präsident des Vereins Badener Maske.

Nach berühmtem Film

Als es um die Produktion 2010 ging, hatte der Verein sich für Christian Vetsch als neuen Regisseur entschieden. Der 40-jährige Zürcher studierte Mathematik, war mehrere Jahre Primarlehrer, bevor er die Scuola Dimitri absolvierte. 2003 war er eine Saison lang Clown beim Circus Monti, später als Regieassistent engagiert am Theater Basel und am Stadttheater Luzern.

Mit Vetsch zusammen haben die BaMa-Mitglieder sich auf Stück-Suche gemacht. «Als ich ‹Ladies Night› vorschlug, hat es gar so manchem zunächst den Atem verschlagen: ein Stück, das in einem Männer-Striptease gipfelt – oh nein...», schmunzelt Vetsch.

Inzwischen lacht er und mit ihm zusammen die Mitwirkenden. Es sind fünf mit und zwei ohne den «kleinen Unterschied». Seit Mitte März proben Niklas Florin, Johann Herzog, Peter Marti, Dani Merk, Martin Schmückle, Barbara Gebhart und Sonja Marti die Geschichte von den arbeitslos gewordenen Büezern, die sich zwecks Gelderwerbs die «Chippendales» zum Vorbild nehmen.

Unter dem Titel «Ladies Night» hatten die neuseeländischen Autoren Anthony McCarten und Stephen Sinclair 1987 die Komödie geschrieben, die zehn Jahre später verfilmt wurde: «The Full Monty» – zu Deutsch «Ganz oder gar nicht» – war ein grosser Erfolg und 1998 in mehreren Kategorien für den Oscar nominiert.

Sie gehen auf tutti

Letzte Woche war Premiere «off Broadway», traditionsgemäss in der Ostschweiz. Ab Freitag ist der Thespiskarren zurück in der Heimat (siehe Kästchen). In Wettingen hatte die Badener Maske auch einen idealen Probenort gefunden gehabt. Ein verstorbener Schausteller hatte an der Fohrhölzlistrasse, zwischen Tägerhardstrasse und Bahntrassee, sein Häuschen mit angebauter grosser Halle.

Das Ganze gehört nun der Gemeinde Wettingen, die beides der BaMa gegen kleines Entgelt seit diesem Frühling und bis zum Abbruch zur Verfügung gestellt hat. In der Halle findet der Thespiskarren bequem Platz und somit waren die Voraussetzungen für die Proben bestens.

«Aus Dankbarkeit Wettingen gegenüber geben wir zwei Galavorstellungen in der Halle, verbunden mit einem vorgängigen Essen bei schönem Wetter im Freien», sagt Präsident Schmückle. Und zum Dessert fünf Männer – tatsächlich so, wie Gott Adam schuf? «Ja», sagt Regisseur Vetsch und lacht, «das wird so sein. Weil es vom Stück, von der Dramaturgie her logisch ist und auf Deutsch schliesslich ‹Ganz oder gar nicht› heisst.

Und, Hand aufs Herz, Nacktheit auf der Bühne ist doch längst keine Provokation mehr.» Die Darsteller allerdings hätten es sich damit teilweise doch ordentlich schwer getan... Man, noch mehr aber frau, ist auf das Resultat mega gespannt.