Serbien
Mit 300'000 Sandsäcken bereiten sich die Belgrader auf die Rekordflut vor

Die serbische Hauptstadt Belgrad wappnet sich am Montag für einen neuen Rekordpegelstand der Save. Tausende Einsatzkräfte und Freiwillige verstärken am Montag in einem Wettlauf gegen die Zeit den Hochwasserschutz und stapelten Sandsäcke entlang.

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Einem älteren Mann wird aus einem Polizeilastwagen geholfen.
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Ein Mann radelt durch eine gottverlassene Strasse.
Leute fahren auf einem Bulldozer und Traktor in einer überfluteten Strasse.
Ein Polizei-Truck fährt in die überfluteten Gebiete.
Mit 300'000 Sandsäcken bereiten sich die Belgrader auf die Rekordflut vor
Zwei beschädigte Autos in einer überfluteten Strasse.
In Serbien sind ganze Landstriche überflutet.
Das Rote Kreuz verpackt Wasserflaschen für die erste Hilfe für die betroffenen Regionen.

Einem älteren Mann wird aus einem Polizeilastwagen geholfen.

Keystone

Mit Schaufeln befüllten Helfer Sandsäcke. Auf einer Strecke von zwölf Kilometern, auf denen die Save durch Belgrad fliesst, wurden 300'000 Sandsäcke an besonders gefährdeten Abschnitten gestapelt.

"Hier ist das Wasser zwei Meter vom Deich entfernt, und sein Pegel steigt zwei Zentimeter pro Stunde an", sagte Bürgermeister Sini ̈a Mali. Besonders besorgt blickten die Behörden auf das Kraftwerk Nikola Tesla in der Nähe der überschwemmten Stadt Obrenovac.

Aus dem Wärmekraftwerk kommt die Hälfte des in Serbien produzierten Stroms. Serbiens Energieminister Aleksandar Antić nannte den Schutz des Kraftwerks "entscheidend" für die Sicherheit der Energieversorgung im Land.

In Obrenovac waren 8000 der 20'000 Einwohner vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht worden. Zwar sank der auf bis zu zwei Meter angestiegene Pegel am Montag wieder ab, doch gingen die Evakuierungen weiter. Die Polizei riegelte die Stadt ab.

Serbiens Aussenminister Ivica Dačić lud die ausländischen Botschafter im Land sowie internationale Medien ein, sich ein Bild von den Zerstörungen in Obrenovac zu machen. "Ich bin niedergeschmettert", sagte ein Bewohner des benachbarten Dorfes Zabre ̧je, Veselin Ranković, der aus seinem Haus fliehen musste.

"Ich habe alles zurückgelassen, die Kühe, die Schweine und die Hühner", sagte der 78-Jährige: "Zum Glück sind meine Frau, meine Kinder und meine Enkel am Leben." Der serbische Tennisstar Novak Djoković kündigte an, sein Honorar in Höhe von 700'000 Euro für den Sieg beim Turnier in Rom zugunsten von Unwetteropfern zu spenden.

Behörden warnen vor Seuchen
Im Nachbarland Bosnien-Herzegowina, das zu einem Drittel unter Wasser stand, warnten die Behörden vor der Gefahr durch Landminen, die durch die Wassermassen an die Oberfläche befördert werden.

Die Zahl der Minen aus dem Bosnien-Krieg vor 20 Jahren wird auf 120'000 geschätzt. Die Zahl der Toten in Serbien, Bosnien und Kroatien stieg auf insgesamt 47. In der bosnischen Ortschaft Savac kam ein Mensch ums Leben, zwei weitere Menschen wurden vermisst.

An den Flüssen in Bosnien entspannte sich die Lage. Am Montag herrschte trockenes und sonniges Wetter in der Region, in vielen kleinen Flüssen sanken die Pegel. Auch in den völlig überschwemmten Orten Maglaj und Doboj zog sich das Wasser langsam zurück. Dort hatte der Pegel zum Teil die oberen Stockwerke der Häuser erreicht.

Bei steigenden Temperaturen könnte von Tierkadavern verunreinigtes Wasser zu Krankheiten wie Typhus oder Hepatitis führen, warnte der Leiter des Gesundheitsamts in Sarajevo im bosnischen Fernsehen. Es gehe nun darum, eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten.

Europäische Union stockt Hilfe auf
Unterdessen traf weitere internationale Hilfe für die Flutopfer in Serbien ein. Am Montagmorgen landete ein Flugzeug der UNO in Belgrad, zudem trafen Teams aus Russland, den USA und der EU sowie aus den Nachbarländern Montenegro und Mazedonien ein.

EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa erklärte, die Unterstützung gehe mittlerweile über das hinaus, was ursprünglich von Serbien und Bosnien-Herzegowina erbeten worden sei. "Es ist schnell klar geworden, dass der Bedarf so riesig ist, dass wir die Hilfe aufstocken mussten", sagte Georgiewa.

Derzeit leiste die EU vor allem akute Nothilfe, in Zukunft werde es auch um den Wiederaufbau gehen. Der Einsatz in Bosnien-Herzegowina sei "sehr komplex": Dies liege nicht nur an der Aufteilung des Landes unter verschiedenen ethnischen Gruppen, sondern auch an der Gefahr, die von den Landminen ausgehe, erklärte die Kommissarin.