Mister Heubuuch

Mister-Kandidat liebt Ländler und Tattoos

Andreas Wyss aus Schafisheim will der schönste Bauer der Schweiz werden. Am Samstag tritt er im Bündnerland an der«Mister Heubuuch»-Wahl gegen die schönsten Landwirte aus der ganzen Schweiz an.

Irena Jurinak

Seine Botschaft liess Andreas Wyss sich in grossen schwarzen Buchstaben auf den linken Oberarm tätowieren: «Respect». Der gelernte Landwirt sitzt im Wohnzimmer seines Elternhauses in Schafisheim, in blauer Arbeitshose und Hemd - die schweren Schuhe hat er vor der Haustüre ausgezogen. In einem Sessel schläft eine Katze. «Das sind die einzigen Tiere, die ich nicht mag.»

Er kommt gerade von einer Baustelle in Safenwil, wo er mit der Genossenschaft für ländliches Bauen (GLB) Aargau eine Metzgerei baut. Später muss er noch ins Magazin, Material für den nächsten Tag holen. Sein Handy klingelt, er nimmt ab: «Wyss Andi, ohne Zeit.» Der Klingelton: Rapper Stress, der mit Alt-Bundesrat Christoph Blocher sprechen will.

Er ist lieber lustig als ernst

Hip Hop findet Andreas Wyss gut, Housemusik auch. Und: Ländler. «Als Kind mochte ich volkstümliche Musik gar nicht, ich fing immer an zu weinen und wir mussten nach Hause gehen.» Er lacht. Eigentlich lacht er immer. «Dass ich viel lache, finde ich gut an mir. Allerdings kann ich manchmal, wenn es ernst ist, nicht ernst bleiben.» Auch nicht, wenn er erzählt, dass er kürzer treten muss, weil er vor lauter Stress Probleme mit dem Herz hat. Sein Arzt habe ihm gesagt, er habe ein Herz wie ein 60-Jähriger.

Nach Feierabend und an den Wochenenden hilft Andreas Wyss auf dem mittlerweile verpachteten Hof seiner Eltern in Oberhof aus, beim Erdbeeren pflücken oder Heuen. Dort am Fusse der Wasserfluh im Fricktal ist er aufgewachsen, dort hat er noch immer seinen Freundeskreis. Irgendwann will er einen eigenen Hof bewirtschaften. «Wann und wo, weiss ich noch nicht. Ich nehme das Leben, wie es kommt.»

In Cowboystiefeln, aber ohne Pferd

Für die «Mister Heubuuch»-Wahl hat ihn eine Freundin angemeldet. Zu Beginn skeptisch, fand er dann das Casting ganz lustig und beriet sogar andere Kandidaten bei der Kleiderwahl. Er selber braucht bis zu einer Stunde, wenn er sich schick macht. Duschen, rasieren, Outfit aussuchen. Sein wichtigstes Accessoire: seine schwarzen Cowboystiefel, direkt aus Amerika importiert. «Ich gehe aber nicht mit dem Pferd in den Ausgang», fügt er hinzu und lacht. Am Wochenende fährt er mit seinen Freunden an Trucker und Country Festivals beispielsweise in Interlaken.

Diesen Sommer macht er zum ersten Mal seit fünf Jahren Ferien und fährt mit Freunden nach Rimini in Italien. «Wir gehen ganz sicher nicht zelten. Wenn ich schon mal Ferien habe, will ich auch im Hotel übernachten, wo ich anständig duschen und essen kann.»

Keine Zeit für Frauen und Hobbys

Eine Freundin hat er nicht. «Ich hätte auch gar keine Zeit.» Er geniesst lieber sein Single-Leben. «Mehr verrate ich nicht», sagt er und grinst. Auch für seine Hobbys hat er im Moment nicht viel Zeit. Im Turnverein war er schon lange nicht mehr, in der Feuerwehr auch nicht.

Für ein anderes Hobby - grosse Autos - hat er zurzeit keinen Platz. Sein Traum: «Ein Dodge SRT 10, das ist der schnellste, in Serie gefertigte Pickup.» Das Emblem der Automarke, liess er sich auf die Brust tätowieren. Zwei bis drei Autos hatte er früher. Weil sein Jeep Totalschaden hat, nimmt er zurzeit Vorlieb mit einem Opel. «Aber damit macht Autofahren keinen Spass.»

Im Auto auf zwei Rädern

Vor Jahren baute er einen Subaru mit Rennsitzen und Verschalung aus, um damit auf zwei Rädern zu fahren. Die Idee hatte er für ein von der Jungwacht organisiertes «Wetten Dass?» umgesetzt. Er erzählt gerne von seinen Räubergeschichten. «Ich habe schon sieben Autos ‹getötet›. Das erste als Fünfjähriger.» Damals löste er die Handbremse eines auf der abschüssigen Einfahrt stehenden Autos, es prallte in einen Baum. «Aber eigentlich bin ich ein ganz Anständiger.»

Es gefällt ihm, dass seine vier jüngeren Brüder zu ihm aufschauen. «Ich bin allerdings nicht mehr der grosse, sondern der alte Bruder. Sie sind grösser als ich», fügt er hinzu. Die Rolle des Älteren, Vernünftigen - er raucht nicht in Gegenwart seiner Brüder - behagt ihm. «Ich fände es nicht gut, wenn sie rauchen.»

Andreas Wyss ist ein richtiger «Heubuuch», (bündnerisch für Bauer). Muskulös, braun gebrannt, bodenständig und sehr direkt. Aber er spricht auch fliessend französisch - die dreijährige Lehre zum Landwirt absolvierte er im Welschen und er sieht sich gerne in Anzug und Krawatte. «Allerdings habe ich die Krawatte meistens sehr schnell nicht mehr an», fügt er hinzu und lacht.

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