Papst
Misstritte oder gezielte Provokation?

Fünf Punkte, womit der Papst nicht nur seine Anhänger brüskierte.

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Der Papst während der Ostermesse

Der Papst während der Ostermesse

Keystone

Benno Tuchschmid
Ökumene

Schon vor seiner Zeit als Papst Benedikt XVI. sorgte Kardinal Joseph Ratzinger für Unmut in der christlichen Gemeinschaft: Im Jahre 2000 schrieb er in der Erklärung «Dominus Iesus», dass die katholische Kirche als einzige Kirche eine allgemein gültige Glaubenswahrheit vertrete. Protestanten, Anglikaner und progressive Katholiken reagierten empört. Als Papst doppelte Ratzinger 2007 nach und betonte, dass evangelische Glaubensgemeinschaften «nicht Kirchen im eigentlichen Sinn genannt werden können».

Islam

«Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden» - dieses Zitat eines byzantinischen Kaisers in einer päpstlichen Rede an der Universität Regensburg löste in der islamischen Welt einen Sturm der Entrüstung aus. Auch als der Papst bedauerte, dass gewisse Passagen seiner Rede «verletzend geklungen haben könnten», hielt die Wut weiter an: Marokko zog seinen Botschafter aus dem Vatikan ab, islamistische Gruppierungen drohten gar mit Anschlägen.

Auschwitz

Die Kameras der Welt waren auf den deutschen Papst gerichtet, als er 2006 das Vernichtungslager Auschwitz besuchte. Und wieder sorgten Passagen seiner in Italienisch gehaltenen Rede für Kopfschütteln, als er die Deutschen als ein von einer «Schar von Verbrechern» missbrauchtes Volk bezeichnete. Damit entpuppte sich Benedikt XVI. als Anhänger eines Geschichtsbilds, das die Deutschen zu den Opfern des Zweiten Weltkriegs zählt. Ein Geschichtsbild, wie es im revisionistischen Lager gepflegt wird.

Pius-Bruderschaft

Es ging Benedikt um die «Einheit der Kirche», als er Anfang 2009 die Exkommunikation der erzkonservativen Pius-Bruderschaft aufhob. Doch damit nahm der Papst nicht nur eine Gruppe verlorener Schäfchen, sondern auch den britischen Bischof Richard Williamson wieder in den Schoss der Kirche auf. Dieser Williamson hatte in einem TV-Interview behauptet, die Nazis hätten keine Juden vergast. Nachdem er sich zu einer halbherzigen Entschuldigung durchgerungen hatte, legte BenediktXVI. den Fall zu den Akten.

Missbrauchsfälle

Für den bisher grössten Skandal in seinem Pontifikat sorgte Benedikt nicht durch seine Worte, sondern durch sein Schweigen. Während in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Irland und den USA Missbrauchsfälle zu Tausenden ans Tageslicht kamen und die katholische Kirche in eine tiefe Krise stürzten, schwieg Benedikt oder erwähnte die Schandtaten höchstens am Rande - so auch an den diesjährigen Osterfestlichkeiten. Ein Verhalten, das unter den Katholiken weltweit für Wut und Unverständnis sorgt.

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