Sexueller Missbrauch

Missbrauchsopfer in Deutschland beschuldigen zwölf Personen

Blick in den Innenhof des Canisius-Kollegs (Archiv)

Blick in den Innenhof des Canisius-Kollegs (Archiv)

Zudringlichkeiten, Schläge auf nackte Haut, Anfassen von Genitalien: Der Skandal um sexuellen Missbrauch an Jesuiten-Kollegs und anderen Schulen in Deutschland zieht immer grössere Kreise. Inzwischen werden auch zwei Frauen beschuldigt.

Insgesamt gibt es bei den Jesuiten bis zu zwölf mutmassliche Missbrauchstäter, wie die vom Orden beauftragte Anwältin Ursula Raue in Berlin sagte. Landesweit hätten sich bislang 115 bis 120 Missbrauchsopfer gemeldet, unter ihnen seien auch frühere Schülerinnen.

Ausserdem haben sich Opfer gemeldet, die nicht an Jesuiten-Schulen waren. Darunter sei auch jemand von einer evangelischen Einrichtung.

Sie habe Berichte über Opfer, die sich das Leben genommen hätten, sagte die Anwältin. Bei anderen brächen nun verborgene Verletzungen wieder auf. "Es gibt Verfehlungen und Wunden, die heilen offenbar nicht." Manche Männer offenbarten sich zum ersten Mal.

80 Prozent der Opfer gehe es nicht um finanzielle Entschädigung, sagte Raue. "Viele sind bereits erleichtert, dass sie ihre Geschichte erzählen können." Andere setzten auf eine ernst gemeinte Entschuldigung.

Die Jesuiten reagierten mit Erschrecken und Scham auf Raues Zwischenbericht. Der Ordensprovinzial der Jesuiten, Stefan Dartmann, teilte in München mit: "Das Ausmass dieser Übergriffe, in denen sich sexuelle und sadistische Motive mischen, ist für den Orden erschreckend und beschämend."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hält sich weiter bedeckt. Er wolle sich zu dem Thema am Montag in Freiburg zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe äussern, sagte eine Sprecherin.

Die jüngsten bekannten Fälle ereigneten sich nach dem Bericht Mitte der 1980er Jahre. Raue sagte, sie gehe davon aus, dass alle Taten verjährt sind. "Den Formulierungen in den Akten kann man entnehmen, dass es in den meisten Fällen dem Orden bekannt war." Konsequenzen habe es aber nicht gegeben.

Das Berliner Canisius-Kolleg hatte im Januar die ersten Missbrauchsfälle öffentlich gemacht, dort sind inzwischen 40 bis 50 Fälle bekannt. Immer mehr Opfer meldeten sich, auch von den Jesuiten-Schulen St. Blasien im Schwarzwald und Aloisiuskolleg in Bonn.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1