«Mir Chläus sind nöd die böse Manne!»

Die Samichläuse der St. Nikolausgesellschaft Urdorf besuchen in dieser Woche wieder unzählige Kinder und ihre Eltern. Muss man Angst vor der Fitze haben?

Malini Gloor

Der oberste Samichlaus, im Verein «Oberchlaus» genannt, stellt gleich zu Beginn klar: «Mir sind nöd die böse Manne!» Wer jetzt schmunzelt, dem vergeht das Lachen bald wieder: «Es ist erstaunlich, wie viele Eltern bei der Anmeldung mehr Tadel- als Lobworte aufschreiben. Uns Samichläusen ist es wichtig, dass wir einem Kind ausgewogen entgegenkommen können, schliesslich sind wir nicht erziehungsberechtigt und wollen den Kindern auch keine Angst machen. Unser Ziel ist, Positives hervorzuheben und dem Kind einen Samichlaus-Besuch zu bescheren, der ihm in guter Erinnerung bleibt.»

Seit 1962 gibt es die St. Nikolausgesellschaft Urdorf, und auch schon so lange besuchen die Mitglieder die Urdorfer Familien. Speziell ist bei den Familienbesuchen, dass jeweils ein Engel dabei ist. Der Oberchlaus sagt dazu: «Die Engel haben bei uns Tradition. Sie tragen das Geschichtenbuch des Samichlaus und die Stalllampe, um ihm den Weg zu weisen.»

Die Engel sind 9 bis 12-jährige Mädchen aus Urdorf, die gerne mit dem Samichlaus und dem Schmutzli auf Tour gehen. Schwieriger wird es am Urdorfer Chlausmärt, Engel zu finden: «Am Chlausmärt werden die Mädchen von ihren gleichaltrigen Kollegen oft erkannt und dabei setzt es manchmal Sprüche. Nicht alle Mädchen finden das lustig, aber bis jetzt haben wir immer noch genug Freiwillige gefunden», sagt die Bürofee der Samichläuse.

Auch die Schmutzlis, die dem Samichlaus die Säcke tragen, wollen gut gewählt sein: «Erstens muss das Team harmonieren, auch optisch: Der Schmutzli sollte den Samichlaus nicht um einen halben Meter überragen, sonst gucken die Kinder schon etwas komisch. Die Schmutzlis am Chlausmärt sollten ausserdem fit sein, falls sie einmal «bösen Buben» nachrennen müssen, die den Samichläusen Schneebälle nachwerfen oder die kleinen Kinder beim Versevortragen stören», sagt der Oberchlaus. Nicht zuletzt sollte ein Schmutzli auch einen prall gefüllten Sack tragen können, schliesslich bringt sein Chef, der Samichlaus, Essbares vorbei. Auch die Fitze trägt der Schmutzli, eingesetzt wird sie aber nicht.

«Wir legen Wert darauf, dass es in den Chlaussäckli keine Geschenke im herkömmlichen Sinn hat, sondern Leckereien: Erdnüsse, Walnüsse, Mandarinen, Äpfel, Guetsli, Birnen - es gibt doch so viel Feines, das die Eltern hineinpacken können» sagt der Oberchlaus. Der Samichlaus läute sozusagen die Vorweihnachtszeit ein, bringe den Menschen mit der Stalllampe das Weihnachtslicht. Und Geschenke seien ja für die Weihnachtstage gedacht.

Wie ist das denn mit den Versen und Geschichten? «Alle Kinder sagen uns einen Vers auf, die einen einen längeren, die anderen einen kürzeren. Es gibt auch Kinder, die spielen einem ein Musikstück auf der Flöte vor oder möchten dem Samichlaus etwas erzählen.» Auf der Internetseite der St. Nikolausgesellschaft finden Eltern Verse und Geschichten, falls sie selbst nichts «auf Lager» haben. Der Samichlaus erzählt beim Besuch eine Geschichte, die sich um die Vorweihnachtszeit dreht und immer auch eine Moral hat.

«Wir haben verschiedene Geschichten dabei und wählen je nach Besuch eine Geschichte aus. Manchmal haben die Kinder aber auch selber so viel zu fragen und zu erzählen, dass die Zeit fürs Geschichtenerzählen gar nicht mehr reicht.» Rund 50 Familien besuchen die Samichläuse, Schmutzlis und Engel in Urdorf. «Ein Team besucht etwa vier Familien an einem Abend. Mehr geht nicht, da sind wir dann zu müde. »

Insbesondere dann, wenn amüsante Zwischenfälle passieren: «Nach einem Besuch stand der Bub auf dem Balkon und winkte dem Samichlaus nach. Eigentlich wollte dieser um die Ecke zu seinem Auto, doch das kann man ja nicht vor Kinderaugen machen, also liefen Samichlaus und Schmutzli weiter geradeaus Richtung Wald, bis der Knirps wieder in die warme Stube zurückkehrte. Unser Team lief danach die Strecke retour, um doch noch zum Fahrzeug zu kommen.» Auf ein Auto sind die Teams angewiesen, denn zu Fuss wären die Strecken zu lang.

«Natürlich haben wir auch unsere drei Eselchen, aber die nehmen wir nur mit, wenn wir einen Besuch im Wald haben oder auf dem Chlausmärt in Urdorf sind.» Doch auch die Eselchen mit den klingenden Namen Sturm, Bambi und Sana haben ihre Tücken: «Mit Sana ist man etwas länger unterwegs, denn sie meidet alle Dolendeckel und macht einen riesigen Bogen darum. So kommen wir halt etwas später an, aber das macht nichts.»

Die 40 Mitglieder der St. Nikolausgesellschaft Urdorf, darunter auch Frauen, die die Männer schminken und nach den Touren verpflegen und die Besuche koordinieren, üben ihr Hobby mit Herzblut aus: «Man muss Kinder gerne haben, vor ein Publikum hinstehen können und ein gewisses schauspielerisches Talent haben. Es ist wichtig, das Kind dort abzuholen, wo es im Moment ist. Irgendwie ist man nicht nur ein paar Tage im Dezember Samichlaus oder Schmutzli, sondern immer.»

So merkt sich der der Samichlaus, wenn er ein Mami in der Migros sieht, wie es das Kind unbeobachtet im Wägeli lässt: «Der Samichlaus muss schliesslich auch einkaufen, und da fallen einem solche Sachen auf. Besuche ich dann diese Familie, so lasse ich einen lustigen Spruch fallen, und die Menschen merken, dass der Samichlaus näher ist, als man denkt!»

Infos: www.sng-urdorf.ch

Meistgesehen

Artboard 1