Regina Erb

«Von meinen ersten acht Schuljahren habe ich wenig gute Erinnerungen», sagt Renato von Rohr. «Aber in der anschliessenden Übergangsklasse ging bei mir ‹dr Chnopf uff›, und ich fühlte mich wohl.» Das gab ihm Auftrieb, er absolvierte das Wirtschaftsgymnasium, studierte am kantonalen Lehrerseminar und trat 1971 seine erste Stelle im Hirzbrunnen-Schulhaus an. Als «aagfrässene Glaibasler» wohnt er seit Kindsbeinen in diesem Stadtteil, singt als 2. Tenor im Chor der drei Ehrengesellschaften und ist Gesellschaftsbruder im Hären, welche am Vogel Gryff-Tag den Wilden Mann tanzen lässt.

«Auf Empfehlung des Kleinbasler Urgesteins Toni Bagutti bin ich zu den 3E gestossen. Die Freundschaften unter uns Gesellschaftsbrüdern und die Feste sind legendär und stets auf hohem Niveau», sagt der nunmehr pensionierte Pädagoge.

Die Tätigkeit als Rektor des zweitgrössten Schulkreises im Kanton Basel-Stadt war für ihn ein Lernen und Lehren. Er betont: «Das Kleinbasel ist wohl der lebendigste Schulkreis, stellt aber auch die grössten Herausforderungen. Reformen bahnten sich meist zuerst in diesem Stadtteil an. Obwohl ich drei Vorsteher und eine Vorsteherin des Erziehungsdepartementes als Vorgesetzte hatte, liefen die Neuerungen stets zügig an.»

Er führt die Reformen unter anderem auf die multi-kulturelle Bevölkerung im Kleinbasel zurück. «Wir reagierten zuerst auf den Zuzug von italienisch sprechenden Menschen, später kamen türkische Staatsangehörige, und während des Balkan-Krieges erlebten wir einen grossen Zustrom von Familien aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wir führten damals bis zu zehn Fremdsprachenklassen, intensivierten den Deutschunterricht für Fremdsprachige und animierten so die Eltern der Kinder aus anderen Kulturen, es ihrem Nachwuchs gleichzutun.» Wer von einem Schmelztiegel im Kleinbasel rede, sollte sich selber ein Bild von der Vielfältigkeit und der Bereicherung durch die Migranten machen, unterstreicht Renato von Rohr.

Seine Fähigkeiten als Kommunikator, Vermittler und innovationsfreudiger Zeitgenosse wurden von den meisten Lehrkräften geschätzt. Aber auch mit den Vorgesetzen und den Eltern hatte er ein gutes Einvernehmen. Allmählich reifte bei ihm jedoch die Absicht, frühzeitig den Ruhestand anzutreten. «Ich bin erst 61 Jahre alt und möchte bei guter Gesundheit noch viel erleben. Die Geschicke der Schule jedoch werde ich weiterhin aufmerksam verfolgen.»

Auf Trab hält ihn von der Pädagogenoptik her betrachtet die mittlere Tochter, welche in der Ausbildung zur Lehrerin steckt. Der Sohn strebt die Ausbildung zum Physiotherapeuten an und die ältere Tochter ist Pflegefachfrau - genau wie ihre Mutter. Und eines verbindet die fünfköpfige Familie ganz stark: Sie sind aagfrässeni Fasnächtler. Renato von Rohr verstärkt die «Wäschbrätt-Clique» als Pfeifer, verrät aber im Gespräch das bereits feststehende Sujet für die drei scheenschte Dääg im 2010 nicht.

Gegenwärtig weilt von Rohr mit seiner Ehefrau im Tessin, und wenn immer es ihm die Zeit erlaubt, verbringt er im Emmental im Stöckli ein paar ruhige Tage. Ganz zum Schluss kommt Renato von Rohr noch auf den Abschied aus dem Schuldienst zu reden. Er wurde nämlich von einer Rikscha durch das Kleinbasel gefahren und beim abschliessenden Fest von seinen Lehrkräften gefeiert. «Y glaub, y ha's rächt gmacht», meint er schelmisch lächelnd.