Patrick Rudin

«Ich kann mir nichts persönlich zum Vorwurf machen. Ich habe immer versucht, alles ordentlich und richtig zu machen. Ich war von diesen Anlagen überzeugt», sagte der 68-Jährige heute dem Gericht. Die Anklageschrift des besonderen Untersuchungsrichteramtes für Wirtschaftsdelikte (BUR) sieht das anders: Gewerbsmässiger Betrug, Veruntreuung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei lauten die Vorwürfe.

Der in Basel wohnhafte 68-jähriger Deutsche sagte gestern vor Gericht aus, er habe keinen eigentlichen Beruf erlernt. Ebenfalls angeklagt ist seine Exfrau, eine 54-jährige gelernte Damenschneiderin. Auf der Anklagebank sitzen weiter ein 63-jähriger Treuhänder aus dem Tessin sowie ein 54-jähriger Buchhalter aus dem Elsass.

Gemeinsam wollten sie Anfang der 90er Jahre Gelder von Kunden anlegen, um das Geld zu vermehren. Teilweise warben sie mit sechs Prozent Rendite pro Woche. Doch das ging schief: «Das Geld der Geldgeber ist verloren gegangen», resümierte Gerichtspräsident Daniel Seiler gestern zum Prozessauftakt.

Die Hauptangeklagten steuerten über drei eigene Firmen insgesamt sechs andere Firmen in Offshoregebieten wie den British Virgin Islands. Millionensummen flossen sowohl hin wie auch zurück, doch der Lack bröckelte schnell ab: Heute fehlen rund sieben Millionen US-Dollar sowie zwei Millionen Euro an Kundengeldern, 113 Personen fordern Schadenersatz. Wo das Geld geblieben ist, ist nicht klar: In den USA wurden deshalb bereits mehrere Täter strafrechtlich verurteilt, der aktuelle Hauptangeklagte hatte dabei kräftig mitgeholfen und mit den US-Justizbehörden kooperiert. Geld ist allerdings nirgendwo mehr aufgetaucht.

Eine Gruppe von Ärzten aus Paris liess es nicht bei einer relativ chancenlosen Zivilforderung bewenden: Sie entführten im Januar 2001 kurzerhand den 54-jährigen Buchhalter und wollten Lösegeld erpressen.

Weil sie dabei in den telefonischen Verhandlungen mit dem 68-jährigen Deutschen allerdings ihr Bankkonto angaben, konnte dieser anhand seiner Unterlagen die Geiselnehmer als ehemalige Anlagekunden identifizieren, daraufhin machte die Polizei dem Spuk ein Ende. «Das war reine Geldgier. Die hatten ihre Anlage mitsamt den Erträgen schon Monate zuvor erhalten», behauptete der 54-Jährige gestern.

Der damals entführte Buchhalter kämpft seither mit psychischen Problemen. «Ich sollte gar nicht hier sein. Ich habe leider damals diese Produkte vorgestellt, hatte aber nie im Sinn, jemanden zu betrügen», sagte der 54-Jährige gestern dem Gericht.

Der Aufwand für den Prozess ist riesig: Gerichtspräsident Daniel Seiler hat den Fall bislang rund ein Jahr lang vorbereitet, die vier weiteren Richter sowie eine Ersatzrichterin studierten in den letzten zwei Monaten ebenfalls einen Teil der Akten. Wegen der permanenten Raumnot des Baselbieter Strafgerichtes wird der Prozess in der Gutsmatte durchgeführt, wo auch die insgesamt 700 Bundesordner an Akten griffbereit liegen. Die Plädoyers von Anklage und Verteidigung sind für Mitte September geplant, danach wird das Gericht den Fall für mehrere Wochen beraten. Mit einem Urteil ist erst Anfang November zu rechnen.

Der 68-jährige Hauptangeklagte ist bereits früher in Deutschland zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er nach eigenen Angaben Verluste vertuscht hatte. «Ich wollte aus der Untersuchungshaft raus, deshalb habe ich ein Geständnis unterzeichnet», sagte er dazu gestern.