Edi Gysin

«Willy, du bist wieder nicht auf dem Bild.» Diesen Satz hat Willy Schneider in den letzten 30 Jahren oft von Seiten des Gemeinderats zu hören bekommen. Immer dann, wenn an öffentlichen Veranstaltungen die Presse dabei war und fotografiert wurde, hat es Schneider vorgezogen, nicht abgebildet zu werden. Ein Vorwand liess sich immer finden, um sich zurückzuziehen, erinnert sich Schneider.

Es sei nicht Sache des Verwalters, die Gemeinde nach aussen zu repräsentieren, das sei der politischen Ebene vorbehalten. So lautet einer der Grundsätze Schneiders, und es ist nicht der einzige.

Wenn jemand unzufrieden auf die Gemeindeverwaltung kommt, so soll er zufrieden wieder hinausgehen, lautet ein anderer Satz, der Schneider wichtig ist. Das sei zwar nicht immer gelungen, aber es habe sich immer gelohnt zuzuhören, die Anliegen der Menschen ernst zu nehmen und danach Lösungen zu suchen.

Schneider kennt die Leute

Über die Gemeinde Niederdorf ist Schneider bestens im Bilde. Er kennt die Menschen. «Ich habe viele als kleine Kinder gekannt, die heute an der Gemeindeversammlung ihr Stimmrecht ausüben. So sind langjährige Beziehungen mit den Menschen im Dorf gewachsen», sagt er. Am Schalter sei fast immer noch ein kleiner Schwatz möglich gewesen.

«Wenn ich ein Problem nach einer Viertelstunde nicht selbst lösen konnte, so suchte ich Unterstützung in meinem Netzwerk von erfahrenen Kollegen in anderen Gemeinden.» In einer kleinen Gemeinde muss der Verwalter auch ein Telefon abnehmen können oder den Gang zur Post unter die Füsse nehmen, sagt er bestimmt. Es sei nicht wie in den grossen Gemeinden. Dort sei der Verwalter eigentlich CEO und wohl kaum in der Lage, eine Identitätskarte auszustellen.

Heute bestimmt der Kanton

Die Gemeindeautonomie beschränke sich heute darauf, dass die Gemeinden einfach zahlen müssen, was der Kanton entscheide. Wenn auf Gemeindeebene noch über Tanzbewilligungen oder im Hundewesen entschieden werden könne, habe das mit Autonomie nicht mehr viel zu tun, sagt Schneider.

Mit den drei Gemeindepräsidenten, mit denen er als Verwalter zusammengearbeitet habe, sei das Verhältnis immer bestens gewesen. Für eine Gemeinde sei es ein Segen, wenn diese Scharnierfunktion zwischen Politik und Verwaltung gut funktioniere. Hänge der Segen schief, gehe viel Energie in aufreibenden Auseinandersetzungen verloren.

Was in seiner Zeit auf der Niederdörfer Verwaltung mehrfach scheiterte, ist der Bezug etwas zeitgemässerer Räume für die Verwaltung und ein eigenes Büro. Die Vorlagen wurden regelmässig verworfen, sei es an der Gemeindeversammlung oder an der Urne. Von Enttäuschung mag Schneider nicht reden, Volksentscheide müssen respektiert werden.

Schachtel für 320 000 Franken

Schneider hütet eine teure Schachtel. Sie steht im Archiv und enthält Modell und Pläne für eine Schulhauserweiterung. Das Relikt stammt aus dem Jahr 1992. Im Jahr zuvor hat die Gemeindeversammlung einem Projektierungskredit von 320 000 Franken zugestimmt. Was damit gemacht wurde, steckt nun in der Schachtel. Aber es gab ein Referendum und die fast 4,5 Millionen Franken teure Erweiterung scheitert.

Eine starke Erinnerung hat Willy Schneider an seinen Anfang in Niederdorf. Nach zehnjähriger Tätigkeit als Kanzleisekretär in Reigoldswil hatte er sich für das Verwalteramt in Niederdorf beworben. 1978 musste er sich an der Gemeindeversammlung vorstellen, damals war noch eine Urnenwahl nötig.

Schneider ging davon aus, dass der Gemeindepräsident Willy Buser die Vorstellung übernehmen würde. Dieser sagte aber, dass sich die Stellenbewerber selber den Stimmberechtigten vorstellen müssten. «Diesen Moment werde ich nie vergessen. 127 Augenpaare waren auf mich gerichtet, und ich hatte noch nie zuvor vor so vielen Menschen geredet.»

Damals, vor drei Jahrzehnten, besuchten noch mehr Stimmberechtigte die Gemeindeversammlung als heute Fernsehprogramme empfangen werden können, und die Champions League war noch nicht erfunden. Der Auftritt sei ihm damals so gut gelungen, dass er in der kurz danach abgehaltenen Wahl ins Amt auf der Niederdörfer Verwaltung gewählt wurde.