von Alexandra Fitz

Die menschliche Partnersuche

von Alexandra Fitz

In einer Bar, im Supermarkt oder durch Freunde einen Partner kennen lernen? Davon haben sich die meisten längst verabschiedet. Keine Zeit, keine Lust, zu kompliziert, zu schüchtern. Gut, dass man in diesen Tagen längst nicht mehr hinter vorgehaltener Hand, flüsternd, seinem Gegenüber «beichten» muss, dass man die neue Bekanntschaft aus dem Netz kennt. Neben den altbekannten, altbackenen Partnerbörsen mischen jetzt auch frechere und skurrile Methoden des Kennenlernens mit. Und die gehen weitaus weiter als die Dating-Apps Tinder oder Lovoo, die uns mittels GPS angeben, wie weit entfernt Potenzial lauert. Doch was haben diese neuen Arten der Partnersuche mit Dreckwäsche, Hassattacken und unserem Erbgut zu tun?

1 Silent Dating

Stille Partnersuche? Eigentlich will man doch vom neuen Gegenüber so viel wie möglich wissen. Möchte hören, was er zu erzählen hat und vor allem, wie er es erzählt. Ganz nach dem Motto «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold» hat man sich bei dieser Dating-Form gar nichts zu sagen. Man schaut sich an und schweigt. Wobei neben Gesten und Grimassen (lässt sich bezweifeln, ob das sexy wirkt) zumindest geschriebene Zettel erlaubt sind.

2 Speed Hating

Eigentlich gab man hier dem Kind bloss einen neuen Namen. Der einzige Unterschied zum Speed Dating: Man spricht über ein Hassobjekt, über etwas, das einen so richtig wütend macht. Da sitzt man also für ein paar Minuten mit einem Fremden am Tisch, den es A von sich zu überzeugen gilt und B der einen selber überzeugen soll und muss sich über ein leidiges Thema in Rage reden und mit rot kochendem Kopf und schwitzendem Gesicht vor ihm sitzen? Glückstreffer, wenn man sich über dasselbe Thema nervt – denn, gemeinsamer Hass verbindet.

3 Pheromon-Partys

Vorweg – Pheromon ist ein Hormon, das man einst so beschrieb: «Substanzen, die von einem Individuum nach aussen abgegeben werden und bei einem anderen Individuum der gleichen Art spezifische Reaktionen auslösen.» Wen wir gut riechen können, den mögen wir – der Geruch spielt eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl. Aber dass Dating-Willige in einem Plastiksack ihre getragenen T-Shirts auf eine Party mitbringen und dann reihum daran schnuppern, klingt doch ziemlich unerotisch.

4 DNA Dating

Wo manche passende Hormone erschnuppern und wo manche Anbieter mit ihren ausführlichen, kostenintensiven Persönlichkeitstests versuchen, ein Matching zwischen zwei Angemeldeten zu finden, treiben es einige Online-Anbieter noch einen Schritt weiter. Mittels Gentest suchen sie nach dem passenden Gegenstück in ihrer Datenbank. Hier wird den Singles einfach das Shirt-Riechen erspart, denn auch bei dieser Methode wird gecheckt, ob die für den Körpergeruch verantwortlichen Gene zueinander passen. Genauso unerotisch wie das mit der Dreckwäsche – und unheimlich noch dazu. Und das Ergebnis? Äusserlich und charakterlich pfui, aber gentechnisch hui?

5 Weed Dating

Keine Angst, man raucht hier beim ersten Date nicht gemeinsam einen Joint. Denn unter «weed» (zu deutsch: Unkraut) werden schliesslich umgangssprachlich die geernteten Blüten der Cannabispflanze bezeichnet. Nein, hier geht es um gemeinsames Gärtnern. Beim Gemüseanbauen und Blümchenpflanzen soll man sich näherkommen. Gut, dass in den Städten das sogenannte Urban Farming gerade hip ist. Der Trend kommt aus den USA, woher auch sonst.

6 Sporty Dating

Hier werden Fitness und Dating kombiniert. Ablauf: Männer und Frauen treffen sich in einem Fitnessstudio. Spezielle Partnerübungen sollen dabei sofort die Distanzbarriere brechen – natürlich mit stetigem Partnerwechsel. Nach dem Workout stimmt man für den Wunschpartner ab. Da wären wir wieder beim roten, schwitzenden Kopf (und nun auch Körper), mit dem schliesslich nicht jeder beim ersten Date gesehen werden will. Und was ist mit den Unsportlicheren, will die auch jemand näher kennen lernen?

von Christoph Bopp

Das balzende Tier

von Christoph Bopp

Igitt, auch Tiere haben Sex. – Wie bitte? – Die folgende Geschichte habe ich nur gehört. Ich weiss nicht, ob sie wahr ist. Die Geschichte müsste – wenn sie denn wahr ist – sich in grauer Vorzeit zugetragen haben. Damals, in jenen dunklen Zeiten, da der Nachwuchs noch «aufgeklärt» werden musste. Das galt es behutsam und kindgerecht durchzuführen. Es muss sich also zugetragen haben, dass ein unschuldiges Kind unfreiwillig und durch einen unglücklichen Zufall Zeuge wurde, ja, des Geschlechtsaktes. Eine Schar von Eltern und Pädagogen machte sich sogleich daran, den Schaden für den Sprössling zu begrenzen. Und erklärte ihm wort- und bilderreich, dass solches Tun für den Erhalt der Gattung wenn auch nicht alltäglich, so doch unerlässlich sei. Man verwies auf das Beispiel: «Auch du, verdankst deine Existenz … - undsoweiter» – Worauf das Kind sich sogleich an die Eltern wandte: «Aber ihr nicht, oder?»

Diese Geschichte habe ich erzählt, weil sich gewisse Massenmedien (keine Namen!) gern spöttisch über das Fortpflanzungsverhalten von Tieren äussern. Die spinnen, die Viecher. Dabei ist doch alles Natur. Onkel Biologe beschwichtigt: «Das Balzverhalten dient im Tierreich der Partnerwahl. An seinem Ende steht der Begattungsakt. Unter anderem sollen Balzrituale sicherstellen, dass Optimales zum Erhalt der Gattung vorgekehrt wird.» – Da kann man nur sagen: Schuld ist Darwin. Er hat die Selektion durch sexuelle Zuchtwahl erfunden.

1 Hippopotamus amphibius:

Dieses mächtige Tier sieht so aus, wie es heisst. «Flusspferd» auf Deutsch, was hat man sich denn dabei gedacht? Vielleicht war es die Scham? Die Sprache aber verrät, dass das Deutsche bereits das Denken insofern präformiert hat, dass der Deutsche gern «exkrementell» flucht, während der Engländer sich aus dem Fundus des Geschlechtlichen bedient und «Fuck!» sagt statt: «Sch…» - Das bringt uns zurück zum Hippo. Hier scheinen die Weibchen eine etwas spezielle Art der Gattenprüfung vorzunehmen. Hippo masc. auf Freiersfüssen lässt deshalb seinen Schwanz rotieren – möglichst schnell. Er lässt es aber nicht beim Rotieren bewenden, sondern erleichtert sich zeitgleich, sodass hier völlig wörtlich die Körperausscheidung im Ventilator landet. Frau Flusspferd soll anhand der Ausscheidungen Gesundheitszustand und Paarungseignung feststellen können. – In welchen Kreisen verkehren die denn?

2 Latrodectus mactans:

Bei den jungen Menschen ist es der Schwarze Mann, vor dem Angst zu haben im Kinderspiel aus Gründen politischer Korrektheit nicht mehr erlaubt ist. Bei den Spinnen ist es die Schwarze Witwe, vor der sich die Männchen fürchten. (Woher kommt eigentlich der deutsche Name?) Das Weibchen ist um einiges grösser als das Männchen. Und es hat dauernd Hunger. Der schwarze Witwer auf Freiersfüssen muss deshalb aufpassen, dass er die Sache überlebt. Er klopft sachte an, wenn er zum Schäferstündchen antritt. Er zupft auf eine bestimmte Weise am Netz; Hallo, ich bin keine Fliege. Die Annäherung kann nur ganz vorsichtig erfolgen, und ohne Tätscheln der Beine läuft nichts. Auch ein Ritual nach Lehrbuch schützt nicht immer vor dem Verzehr.

3 Erinaceus europaeus:

Und wie treiben es eigentlich die Igel? Man darf beruhigt sein, es geht ohne Unfall ab. Dafür reagiert das Weibchen auf das Werben des Männchens mit viel Fauchen und Geräusch. (Es sind nicht immer die Katzen, die lärmen.)

4 Lampyridae:

Riskantes Anknipsen: Weibliche Glühwürmchen bevorzugen Männchen, die schneller und länger blinken. Fressfeinde andererseits haben leichteres Spiel, je länger das Lämpchen glüht.

5 Pan troglodytes:

Unsere nächsten Verwandten benehmen sich durchaus «menschlich» und bezahlen für Sex. Mit Fleisch vor allem oder mit Früchten.

6 Crocuta crocuta:

Tüpfelhyänenweibchen sind anatomisch von den Männchen kaum zu unterscheiden. «Die Kopulation kann nicht erzwungen werden.» So schreibt das Lehrbuch. Paarungswillige Männchen müssen sich vorsichtig nähern und sich mehrmals demütig verneigen. Und auch dann gibts manchmal eine kalte Schulter.