Badi
Meister des sauberen Badewassers

Das Wetter ladet zwar noch nicht zum Bade; aber die Badesaison hat begonnen. Um das Wasser in den Freibädern sauber zu halten, sind Chlor, Sonnenstrahlen, Salzsäure und Duschdisziplin nötig. Badmeister Roger Liechti sorgt in der Badi Gelterkinden für eine konstant hohe Wasserqualität.

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Roger Liechti, Bademeister Gelterkinden

Roger Liechti, Bademeister Gelterkinden

bz Basellandschaftliche Zeitung

Karin Oetterli Portmann

Der Gelterkinder Badmeister Roger Liechti wohnt im ehemaligen Badehaus von Rothenfluh. Gemäss Chronik wuschen sich dort im 19. Jahrhundert die Leute aus dem Dorf einmal wöchentlich, und zwar so lange im selben Wasser, bis dieses schmutzig braun war.

Ein spannender Gegensatz für einen Mann, der von Berufs wegen Herr über eine moderne Wasserreinigungsanlage ist. Wenn Roger Liechti von der Kunst der konstanten Wasserqualität erzählt, entsteht der Eindruck, es handle sich um einen schwierigen Balanceakt zwischen vielen Faktoren.

Da ist einmal das Desinfektionsmittel Chlor. Zwei Tonnen davon benötigt allein das Freibad in Gelterkinden pro Saison. Unterstützt wird das Chlor von der antibakteriellen Wirkung der UV-Strahlen. Deshalb braucht ein Freibad im Gegensatz zu einem Hallenbad auch bedeutend weniger technischen und chemischen Aufwand zur Wasseraufbereitung.

Nun hat aber die Sonne gleichzeitig einen hemmenden Einfluss auf das Chlor, genauso wie ein zu hoher pH-Wert. Dieser wiederum muss mittels Salzsäure - in der Badi Gelterkinden sind das rund 10 000 Liter pro Saison - auf einen neutralen Wert geeicht werden.

Ein weiterer Faktor ist die Wassertemperatur. Die Gäste würden zwar am liebsten bei 28 Grad ins nicht so kühle Nass springen, Liechti aber leitet schon ab einer Temperatur von 23 Grad Frischwasser zu, um die Keimvermehrung zu bremsen. Denn endlos Chlor zuzuführen, verbieten der gesunde Menschenverstand und die schweizweiten Normen, die gleichzeitig dafür sorgen, dass die Wasserqualität in allen Freibädern vom Tessin bis Basel gleich hoch ist.

Und dann ist da noch der Chlor zersetzende Harnstoff. Dieser gelangt nicht nur durch Urin ins Wasser, sondern vor allem auch durch Kosmetika wie Parfums und Sonnencremes. Wenn also der Badmeister seine Gäste zum Duschen anhält, ist das ein Versuch, die Chlorbeigaben nicht dauernd bis an die oberste Grenze ausschöpfen zu müssen.

Alle vier Stunden wird das gesamte Wasser der Badi Gelterkinden umgewälzt, indem es konstant durch Rohrsysteme in den Technikraum gelangt. Dort steht ein riesiger geschlossener Tank mit aneinandergereihten Filtern. Die Filter entziehen dem Wasser nicht nur Bakterien, sondern auch feste Stoffe wie Haut, Haare, Pflanzenmaterial oder Eheringe.

Beim Verlassen des Tanks wird das Wasser automatisch auf gewisse Parameter gemessen, die notwendige Menge Chlor fliesst ein. Zusätzlich zu den automatischen Messdaten stützt sich Roger Liechti täglich auf drei Wasserproben von Hand. Würden die technischen Geräte versagen, wäre das aus den manuellen Resultaten ersichtlich. Und mindestens ein Mal im Jahr macht das Kantonslabor eine unangemeldete Stichprobe. Die Gewährleistung der Wasserqualität ist oberstes Prinzip.

Dieses saubere Wasser und eine gute Infrastruktur kauft sich der Badegast in Gelterkinden für fünf Franken pro Eintritt. Trotzdem kommen immer weniger Leute in die Badi. «Gut möglich, dass sich das in diesem Jahr ändert», hofft Roger Liechti. Und erinnert dabei an das wirtschaftlich schwierige Jahr 1992, wo der Trend zu mehr lokaler Freizeitgestaltung schon einmal zu spüren war. Auch Auswärtige seien übrigens herzlich eingeladen, fügt Liechti noch an und verweist im Speziellen auf die neue, attraktive Rutschbahn.

Nachdem grosse Freibäder wie Liestal, Sissach und Gelterkinden schon offen sind, ziehen bald auch die kleineren Bäder im Oberbaselbiet nach: Buus am Samstag, 30. Mai; Zunzgen am Freitag, 29. Mai und Waldenburg spätestens Ende Mai (Sanierungsarbeiten am Becken sind noch im Gang).

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