Bern
Mehrverkehr hat seinen Preis

Ab Sonntag bietet der Kanton noch mehr öffentlichen Verkehr. Um dessen Mehrkosten zu decken steigern die Unternehmen auch ihre Effizienz. Doch auch diesmal wird die wachsende Nachfrage nach öV nicht befriedigt werden können.

Merken
Drucken
Teilen
fahrplan.jpg

fahrplan.jpg

Aargauer Zeitung

Samuel Thomi

450,5 Millionen für den ÖV

Der öffentliche Verkehr (öV) im Kanton Bern kostet nächstes Jahr total 450,5 Millionen Franken. Kanton und Gemeinden steuern dazu 263,5 Millionen bei. Mit dem Fahrplanwechsel wird das Angebot ab kommendem Sonntag um insgesamt 4 Prozent auf neu 64,5 Millionen Kurskilometer ausgebaut. Beim Orts- und Stadtverkehr sei die Zunahme dabei etwa doppelt so gross wie beim Regionalverkehr, so Verkehrsdirektorin Barbara Egger. Da die Abgeltung von Bund, Kanton und Gemeinden jedoch nicht gleich stark zunähmen wie die Kosten für den Angebots-Ausbau seien die öV-Anbieter zur Effizienzsteigerung angehalten.
Sorgen aus finanzieller Sicht macht sich Egger nicht in erster Linie für das nächste Jahr, sondern vorab für die Zeit danach. Wenn der Bund zugesicherte Projekte nicht mehr rechtzeitig ausfinanziere, sondern gar von Kürzungen des öV-Angebots rede, «verstehe ich die Welt nicht mehr.» Das Gedränge besonders in Bussen und Zügen der Agglos sei «mehr als offensichtlich», so Egger. «Das von allen Studien prognostizierte Mobilitäts-Wachstum wollen wir mit öffentlichem Verkehr auffangen.» Bern habe dazu seine «Hausaufgaben gemacht». Entsprechend «sehr viel Geld» sei der Kanton bereit zu zahlen – werde nun aber auch nach Alternativen Ausschau halten müssen. (sat)

Der einstimmig gefällte «Angebotsbeschluss 2010-13» des Grossen Rates vom Frühling machts möglich: Ab Sonntag baut der Kanton sein Angebot im öffentlichen Verkehr ein weiteres Mal deutlich aus. Mit dem bevorstehenden Fahrplanwechsel vom 13. Dezember stehen Ausbauten von Stadtbussystemen, Halbstundentakte bei Regionallinien mit guter Nachfrage sowie neue Spätverbindungen im Fokus. Von all dem profitieren auch die Menschen im Einzugsgebiet dieser Zeitung; so zum Beispiel mit dem Ausbau des Busangebots in Langenthal, oder dem Halbstundentakt Langenthal-Huttwil oder aber den neuen Regio-Spätverdingungen zwischen Olten und Solothurn die künftig bis Mitternacht verkehren werden.

Der Ausbau des öV-Angebots, respektive vorab die dafür teilweise nötigen teuren Infrastruktur-Ausbauten wie etwa das dritte Gleis in Zollikofen oder die Entflechtung des Wankdorfs zeigten, dass weitere Gelder «bitter nötig» seien, kommentierte Barbara Egger. Studien wiesen darauf hin, dass die Fahrgastzahlen weiter wachsen würden; erst recht mit besserem Angebot. Das zeigten auch Erfahrungswerte.

Lösung für TGV-Linie Bern-Paris

«Besorgt» zeigte sich Bau- und Verkehrsdirektorin Barbara Egger über die Tendenz, dass Bern als Hauptstadt immer mehr internationale Linien verliere. Da der Kanton an diese nichts zahlt, könne er nur indirekt Einfluss darauf nehmen wie viele direkte Personenzüge etwa nach Mailand täglich verkehren.

Öfters Solothurn-Bern

Ab Sonntag fahren auch auf dem Netz des Regionalverkehr Bern-
Solothurn (RBS) mehr Züge; in der Morgenspitze beispielsweise zwischen Solothurn und Bern und in der Abendspitze in umgekehrter Richtung neu im Viertelstundentakt. Der «Fraubrunnen-Express» morgens nach Bern hält neu auch in Zollikofen. Und im Worblental wird ein Schnellzug Worb-Bern eingeführt (er hält erst ab Bolligen an den üblichen Stationen). Ab dem 13. Dezember zählen zudem 33 Gemeinden aus dem Berner und Fribourger Seeland zusätzlich zum Libero-Tarifverbund. Es sind dies namentlich Gemeinden um Kerzers, Aarberg und Lyss. Die Tarife bleiben. (sat)

Als Erfolg verkündete Egger, Bern und Neuenburg sowie SBB und TGV-Betreiberin Lyria hätten sich auf eine Lösung für die eine gestrichene von insgesamt drei täglichen Direktverbindungen zwischen Bern und Paris geeinigt. So soll ab Sonntag als Ersatz für den TGV ein Anschlusszug bis Frasne fahren. Von dort fährt dann der TGV ins Zentrum Paris'. Weiter hätten die SBB versichert, die zwei übrigen TGV-Direktzüge Bern-Paris seien «auch in den nächsten Jahren gewährleistet», sagte Egger.

Der TGV-Anschluss Berns ist bereits auch schon zum Politikum geworden. In einer Regierungs-Antwort auf eine Interpellation aus dem Grossen Rat hält diese fest, dass die wieder in Betrieb genommene Linienflug-Verbindung ab dem Regionalflugplatz Bern-Belp keine Konkurrenz zu Hochgeschwindigkeitszügen sei. Anders siehts Andreas Hofmann (SP/Bern), der auf das «Kantonale Leitbild Flugverkehr» verweist und den Widerspruch, mit Steuern die Pistenverlängerung im «Mösli» mitfinanziert zu haben und sich nun über den Wegfall eines TGVs zu beklagen.