Mehr Platz auf dem Friedhof

Mehr Platz auf dem Friedhof

Mehr Platz auf dem Friedhof

Der Einwohnerrat bewilligt einen Baukredit von 589 000 Franken. Die Urnenfeldanlage auf dem Friedhof Brugg kann damit erweitert und das Gemeinschaftsgrab neu gestaltet werden.

Louis Probst

«Der Stadtrat ist der Meinung, dass Brugg mit seinem Friedhof in einer glücklichen Lage ist», sagte Stadtrat Christoph Brun bei der Präsentation der Vorlage. «Die Friedhofanlage ist von hoher Qualität. Das heisst aber nicht, dass sie auch allen gefällt.» Christoph Brun erinnerte daran, dass Architekt Albert Froelich bereits 1904 mit dem Bau der Abdankungshalle die Symmetrie der Anlage vorgegeben hat – einer Anlage, die übrigens dem kantonalen Denkmalschutz unterstellt werden soll – und dass diese Symmetrie stets beibehalten worden sei.

«Hermes» gibt zu reden

«Wir haben eine Anlage, die historische Bedeutung hat», stellte auch Titus Meier (FDP) fest. «Die Vorlage als Ganzes hat aber in der FDP-Fraktion zu reden gegeben, weil sie gewisse substanzielle Mängel aufweist.» Vermisst würden insbesondere der Name der Planerin, aber auch Angaben über die Grösse, die Materialisierung und die Anordnung des Kunstwerks «Hermes» von Gillian White zum neuen Gemeinschaftsgrab. «Wie hält es die Stadt Brugg eigentlich mit der Kunst im öffentlichen Raum?», wollte Titus Meier zudem wissen. Er stellte den Antrag auf separate Abstimmung über die Kosten für das neue Gemeinschaftsgrab, die in der Vorlage mit 94000 Franken angegeben werden.

«Wir sind uns bewusst, dass durch die künstlerische Intervention beim Gemeinschaftsgrab die Symmetrie der Anlage etwas beeinträchtigt wird», räumte Stadtrat Brun ein. «Ich kann aber beruhigen. Wir stehen in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Zum Thema Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum möchte ich mich nicht äussern.»

«Sehr unglücklich», wie er sagte, zeigte sich Adrian Kerkhoven (GLP) über die Bezeichnung «Hermes» des Kunstwerks. «Das hat etwas Merkantiles», stellte er fest. Adrian Kerkhoven gab auch seinem Bedauern darüber Ausdruck, dass man beim Wettbewerb für die künstlerische Intervention nicht jungen Künstlern eine Chance gegeben habe.

Unterstützung fand die Vorlage bei der SP. «Über Kunst kann man streiten», meinte Rita Boeck. Die Vorlage sei sinnvoll und werde von der SVP unterstützt, erklärte Valentin Meier. «Es ist eine schöne Anlage – auch für Lebende», stellte Beat Ganz (CVP) fest. «Wir sind froh über den respektvollen Umgang mit der Anlage. Das ist nicht selbstverständlich.» Die EVP unterstütze die Vorlage, sagte Urs Holliger. Über künstlerische Werte könne man streiten.

Reto Wettstein (FDP) erklärte: «Ich stimme Nein. Es geht mir dabei nicht um das Kunstwerk, sondern um den Grenzwert des Frankens. Wo nützt der Franken mehr? In der Gesellschaft oder auf dem Friedhof?»

Stadtrat Christoph Brun erklärte in seiner Replik, dass sich der Stadtrat sehr wohl überlegt habe, wie viel in das Gemeinschaftsgrab investiert werden soll, und dass er den Aufwand als verantwortbar erachte.

In der Abstimmung wurde der Antrag von Titus Meier auf separate Abstimmung über die Neugestaltung des Gemeinschaftsgrabes mit 25 gegen 18 Stimmen abgelehnt. In der Schlussabstimmung wurde die Vorlage des Stadtrates mit 38 gegen 4 Stimmen angenommen.

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