Olten
Mehr Oltnergeist in die Politik!

Oltner- und Solothurnergeist als Politelexier für schwierigere Zeiten: Dies die Empfehlung des Stadtsolothurners und Nationalrats Pirmin Bischof an Oltens 1.-August-Feier.

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Feuerwerk

Feuerwerk

Solothurner Zeitung

Urs Huber

Olten war nicht die einzige Station, welche CVP-Nationalrat Pirmin Bischof als 1.-August-Redner im «Nahen Osten» besuchte.

Bereits Stun- den zuvor hatte sich der Stadtsolothurner in Obergösgen an die Versammelten gewandt. Im «Nahen Osten»? Als Teil dessen würde Olten gelegentlich in den Augen Solothurns wahrgenommen, spasste Bischof in seiner Ouvertüre auf dem Klosterplatz. Wenn auch nicht immer ohne Neid, wie er gerne eingestand: «Olten: Die grösste Stadt mit dem grössten Steuerzahler, von dort kommen die beiden ersten Solothurner Bundesräte und im Städteranking liegt Olten deutlich vor Solothurn.» Dies liess erahnen: Nicht lähmender Pathos mit moraltrunkener Phrasierung erwartete die Zuhörenden, sondern eher Humoriges, Historisches und - bei aller Unterschiedlichkeit im Kanton - Verbindendes und ideell Wertschöpfendes.

Lob dem Bahnhofbuffet-Dialekt

«Mehr Oltnergeist in die Schweizer Politik!» Unter diese Prämisse hatte Bischof seine Worte gestellt. Warum? «Mehr als die Solothurner, die sich hinter hohen Mauern verschanzt haben, leben die Oltner seit jeher von der Offenheit», so Bischof. Als einziger Brückenstandort zwischen Aarau und der Fridau habe die Stadt Menschen einen sicheren Aareübergang und damit auch Kontakte geboten. Der Oltner «Bahnhofbuffet-Dialekt» zeuge im durchaus positiven Sinne davon. Im Übrigen habe schon Dichter Josef Reinhart die Oltner trefflich charakterisiert: «D Fänschter uuf! Giits Zug is Huus! Er fägt der Staub und d Motte uus!» Staub und Motten würden heute in schwieriger wirtschaftlicher Zeit oft die Bundespolitik behindern, so der Nationalrat weiter, und er wusste dabei noch von andern Zeugnissen der Offenheiten zu berichten: Die Oltner Kabarett-Tage nämlich, die er jährlich mit Genuss besuche. «Sie sind ein Zeichen der Gemütsoffenheit», so der Redner.

Was auch noch unter Oltnergeist zu verstehen sei: das hiesige Selbstbewusstsein, welches gelegentlich bis zur Aufmüpfigkeit gehe. «Ersteres täte unserer Politik manchmal gut, gerade auch im Verhältnis zu Deutschland oder den USA.» Ein selbstbewusstes, geradliniges Auftreten werde auch von Grossmächten besser respektiert als eine auseinanderstrebende Herde verschüchterter Ziegen, wenn es gewittert, sagte Bischof. Und letzteres wäre gefragt gewesen, um die groben Fehler in den Managementetagen der letzten Jahre wenigstens ansatzweise zu verhindern.

Etwas einfacher, bitte!

Gemein aber sei allen Solothurnerinnen und Solothurnern der Pragmatismus. «Sie lösen Probleme schneller, geradliniger, pragmatischer und billiger als andere. Wenn vielleicht nicht immer so präzise, perfekt wie andere Miteidgenossen», so Bischof. Der Kanton Solothurn habe schweizweit pro Kopf am zweitwenigsten Kantonsangestellte. Vorbildlich, denn: «Wenn ich die Statistiken anschaue, die KMU ausfüllen müssen, wenn ich Randsteine in der Schweiz und im Ausland vergleiche, wenn ich lese, dass Verwandte zum Kinderpflegen künftig eine Lizenz brauchen: Etwas mehr Einfachheit und Pragmatismus ist das Gebot der Stunde! In diesem Sinne wünsche ich uns allen etwas mehr Solothurner- und Oltnergeist», schloss Bischof.

Der vielköpfigen Festgemeinde hatte Stadtpräsident Ernst Zingg zuvor Lobenswertes zu berichten. So habe sich Olten im nationalen Städteranking vom 94. auf den 37. Platz hervorgearbeitet. «Wir wollen alle für uns das Beste erreichen. Wir wollen Erfolg haben, und zwar gemeinsam», so Zingg. Und auf Olten bezogen meinte er, ein motivierter Stadtrat nehme mit dem heutigen Tag die kommenden vier Jahre in Angriff. «Im Team für Oltens Zukunft - schaffen wir Oltens Zukunft». Etwa so laute die Headline für die kommende Legislatur, schloss der optimistisch gestimmte Stadtpräsident.