Leuengraben

Mehr Natur und erst noch Schutz

Leuenfeld: Noch fliesst das Wasser im Leuengraben seinen gewohnten Weg. Geplant ist, dass es ab dieser Stelle nach links durch ein neues Bachbett geleitet wird. Im Hintergrund ist der im Bau befindliche Wohnpark zu sehen.

Leuengraben

Leuenfeld: Noch fliesst das Wasser im Leuengraben seinen gewohnten Weg. Geplant ist, dass es ab dieser Stelle nach links durch ein neues Bachbett geleitet wird. Im Hintergrund ist der im Bau befindliche Wohnpark zu sehen.

Im Leuenfeld entsteht nicht nur ein Wohnquartier, sondern auch ein natürlicher Wasserlauf: Die eingedolte Überlaufleitung des Leuengrabens in die Dünnern wird verlegt und renaturiert. Die Ufer sollen zudem mit Schutzdämmen gegen ein mögliches Dünnern-hochwasser versehen werden.

Armand Rindlisbacher

Der Leuenbach oder Leuengraben, wie er heute offiziell genannt wird, ist ein Fliessgewässer im Oensinger Leuental zwischen Lehnfluh und Rislisberg. Er entspringt etwas unterhalb der Walderalp und hat ein Einzugsgebiet von etwa 1,4 Quadratkilometer.

Er führt im Normalfall rund 40 bis 50 Liter Wasser pro Sekunde. Bei Niederschlag oder Schneeschmelze kann sich aber die Abflussmenge schnell um ein Vielfaches erhöhen, was in früheren Jahren immer wieder zu Überflutungen bis hinunter zur Badmatt geführt hat. Im Zuge der Industrialisierung des Leuenfeldes vor mehr als 40 Jahren schuf man deshalb einen Überlauf.

Dieser führt heute als eingedoltes System quer durch das seinerzeitige von-Roll-Areal in die Dünnern. Mit dem Entscheid, den bisherigen Industriebereich Leuenfeld in neue Wohnbereiche umzuwandeln, wurde auch dieses Überlaufbauwerk wieder ein Thema.

Für den Wohnpark am falschen Ort

Zum einen gelangt über den alten Bauchlauf immer noch Restwasser in die Kanalisation, das die Abwasserreinigungsanlage belastet. Bei der Planung für die Wohnüberbauung der Schmid Immobilien AG kam dieser Ableitungskanal buchstäblich in die Quere. Eine Verlegung drängte sich auf.

Das dem Gemeinderat vorgelegte Konzept wurde anschliessend weiterentwickelt, die Leitungsverlegung integriert und um die Landschaftsplanung ergänzt. Es entstand das Projekt «Renaturierung Leuengraben», das schliesslich auch im Gestaltungsplan «Wohnpark Leuenfeld» Aufnahme fand.

Der neue Leuengraben soll nun wieder als offener Bachlauf, etwa 175 Meter nördlich des heutigen Überlaufkanals, entlang der neuen Bauzonengrenze verlaufen und auf der Höhe der Eisenbahnbrücke OeBB in die Dünnern münden.

Mehrere Ziele auf einmal erreicht

Das Renaturierungsvorhaben bezweckt die Schaffung eines naturnahen Gewässerraumes auf einer Länge von 270 Metern. Nebst der Gewährleistung des Hochwasserabflusses aus dem Einzugsgebiet des Leuengrabens dient es aber auch der Sicherstellung des Hochwasserschutzes der Dünnern gegen Süden zum neuen Wohnpark Leuenfeld und - etwas vermindert - auch gegen Norden zum Landwirtschaftsgebiet Übelhard.

Gleichzeitig erfährt der alte Bachlauf südlich der Umleitung unter Beibehaltung des Ufergehölzes eine sinnvolle Umgestaltung als Lebensraum und Versickerungsgalerie für die Entwässerung der neuen Wohnbauten. Es entsteht so eine wechselfeuchte Mulde.

Durch diese Massnahme wird nach der Realisierung des Projektes kein Meteorwasser mehr in die Kanalisation abfliessen. Die bestehende Bachleitung wird auf einer Länge von 90 Metern aufgehoben und zurückgebaut und auf einer Länge von zirka 200 Metern für die Siedlungsentwässerung umgenutzt.

Der nördliche Teil des Leuengrabens, oberhalb der Ableitung, bleibt unverändert. Gemäss genehmigtem Gestaltungsplan steht für Bach und Hochwasserschutzdämme eine Breite von 17 Metern zur Verfügung, davon gelten 3 Meter als Pufferstreifen mit Düng- und Insektizidverbot.

600 000 Franken für Renaturierung

Das ganze neue Bachareal ist von der Einwohnergemeinde bereits erworben worden. Die Kosten der Renaturierung werden auf 600 000 Franken beziffert. Daran leisten Bund und Kanton Beiträge in der Grössenordnung zwischen 60 und 80 Prozent.

Die definitive Kostenbeteiligung wird mit der Genehmigung des Projektes gesprochen. Der Erschliessungs- und Gestaltungsplan liegt noch bis morgen Freitag während den ordentlichen Schalteröffnungszeiten auf der Gemeindekanzlei zu Einsichtnahme auf.

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