Zürich
Mehr Luft auf Zürichs Plätzen

Wenn 2011 das neue Parkhaus Opéra eröffnet wird, müssen 249 Parkplätze aus dem Zürcher Strassenbild verschwinden. Profitieren soll nicht nur der neue Theaterplatz, sondern auch der Münsterhof.

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Parkplätze Zürich

Parkplätze Zürich

Limmattaler Zeitung

Oliver Steimann

Wer künftig in die Stadt Zürich fahren will, um rasch eine Besorgung zu machen und am Limmatquai einen Espresso zu trinken, muss umdenken. Oberirdische Parkplätze werden rund ums Bellevue nämlich zur Mangelware. Grund dafür ist das neue Parkhaus, das bis 2011 direkt vor dem Opernhaus gebaut wird. Es enthält 249 öffentliche Parkplätze. Und weil gemäss dem 1996 beschlossenen «Zürcher Parkplatzkompromiss» die Gesamtzahl in der City stabil bleiben muss, wird das Tiefbauamt insgesamt 249 Autoabstellplätze an der Oberfläche aufheben.

Durch diese Verschiebung könne man drei wertvolle Stadträume erheblich aufwerten und Zürichs Fussgängerzone deutlich ausweiten, erklärte Ruedi Ott, Geschäftsbereichsleiter Mobilität und Planung, gestern vor den Medien. Kernstück des Projekts ist der neu gestaltete Sechseläuten-/Theater-Platz, wo 165 Parkplätze in den Untergrund verschwinden. Doch profitieren soll auch einer von Zürichs ältesten Freiräumen: Der Münsterhof.

Cafés vor dem Fraumünster

«Billiger Taschenspielertrick»

Die Pläne der Stadt Zürich für einen autofreien Münsterhof stossen auf Kritik. Lorenz Schmid, Präsident des Münsterhof-Vereins, unterstellt der Stadt die Anwendung unlauterer Methoden. Mit der Abstimmung zum Gestaltungsplan sei 2003 klar beschlossen worden, dass Parkplätze, die am linken Limmatufer aufgehoben werden, ebenda ersetzt werden. Das Tiefbauamt will zunächst 41 Parkplätze rund ums Stadthaus, die von dieser Regelung nicht betroffen sind, ins Parkhaus Opéra verschieben. Danach werden sie als Ersatz für den Münsterhof wieder in Betrieb genommen. «Ein billiger Taschenspielertrick», kommentiert Schmid. Auch sonst sei das Münsterhof-Projekt nicht ausgereift. Wenn kein neues Nutzungskonzept unter Einbezug der Anrainer erstellt werde, drohe der Hof «totes Areal» zu werden. Über ihre Detailplanung will die Stadt im Juni informieren. (ost)

Nach einer Übergangsphase wird der Platz, der heute meistens einem grossen Parkfeld gleicht, ab 2012 gänzlich autofrei. Bereichsleiter Beat Jörger möchte hier «einen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität» schaffen, beispielsweise durch Boulevardcafés. «Die Idee ist, dass der Platz seiner ursprünglichen Bedeutung wieder gerecht werden kann.» Die Attraktivität soll für Touristen, Kirchenbesucher und Kunden der Münsterhof-Läden gleichermassen gesteigert werden. Bei den Betroffenen stossen diese Pläne allerdings nicht nur auf Begeisterung (siehe Box).

Am gegenüberliegenden Limmatufer wird den Fussgängern ebenfalls mehr Raum zugestanden. Rund ums Restaurant «Terrasse», am Uto- und am Limmatquai, werden insgesamt 28 Parkplätze aufgehoben. Zusätzlich wird die Strasse um eine Spur verengt und die Tempo-30-Zone bis zum Bellevue ausgedehnt. Gemäss Jörger wird so Platz geschaffen für eine neue Baumreihe am Utoquai. Hecht- und Schiffländeplatz sollen gegen den Fluss hin ausgedehnt werden.

Baustellen bis 2013

Ergänzt wird die ganze Umgestaltung durch kleinere Teilprojekte beidseits der Limmat. An der Rämi- und der Seehofstrasse werden weitere Parkplätze gestrichen, an der St. Peterstrasse und rund ums Stadthaus einige wenige neu eingerichtet. Mit dem Bau des Opéra-Parkhauses möchte die Stadt noch diesen Sommer beginnen. Die weiteren Etappen sollen ab 2011 folgen, der Abschluss aller Arbeiten ist für 2013 vorgesehen. Baurekurse könnten die einzelnen Projekte allerdings verzögern. «Es wäre blauäugig, nicht mit Einsprachen zu rechnen», so Jörger.

Dass mit der Verlegung der Parkplätze in den Untergrund die Erschliessung der Stadt für Automobilisten grundsätzlich teurer wird, sieht Ruedi Ott nicht als Problem. «Natürlich kosten Parkplätze im Parkhaus mehr. Aus Optik der städtischen Wirtschaft ist ein Parkhaus dennoch attraktiver, da die Autos dort länger stehenbleiben können.»

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