Crash
Maturand drehte Dok-Film über Crash von Würenlingen

Dominik Osswald war 17, als er zum ersten Mal vom Flugzeugabsturz hörte, der sich 36 Jahre zuvor in Würenlingen ereignet hatte. Ein Jahr später lieferte der Basler seine Maturarbeit ab: «Von Palästina bis Würenlingen» - ein 55-minütiger Dokumentarfilm.

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Dominik Osswald

Dominik Osswald

Aargauer Zeitung

Rosmarie Mehlin

Das Interesse an dem Film, zu dem der Kulturkreis Würenlingen geladen hatte, war gross. Umso mehr, als der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur anwesend war: Dominik Osswald. Ein Mann mit Baseballmütze, ausgesprochen höflich und bescheiden. Als er 14 war, habe er mit seinem älteren Bruder Marc eine Filmkamera gekauft: «Mit Hochzeitsreportage haben wir unser Sackgeld verdient.» Aus Spass habe er sich ein Jahr später am Kurzfilmwettbewerb der Medienfalle beteiligt. Das ist eine Basler Institution, die Jugendlichen Medien und Theater näherbringt. «Man bekam ein paar Worte und Requisiten zugeteilt, die im Film vorkommen mussten, und hatte dann 48 Stunden Zeit. Mein Film landete auf dem zweiten Platz.»
Als das Ende der Schulzeit am Gymnasium nahte, lag für Dominik Osswald deshalb die Maturarbeit in Form eines Dokumentarfilms nahe. «Ich habe länger nach einem Thema gesucht. Unter anderem hätte mich eine Archäologieexpedition gereizt, was sich aber zeitlich und finanziell als ein paar Nummern zu gross entpuppte.» Irgendwann habe seine Mutter den Flugzeugabsturz von Würenlingen erwähnt, und da war der Entscheid gefallen. «Zunächst hatte ich keine Ahnung, wie ich vorgehen sollte. Im Internet ist das Unglück relativ schlecht dokumentiert. Also habe ich ein paar Eckdaten geplant und dann einfach angefangen zu filmen.» Die Ernüchterung sei auf dem Fuss gefolgt. «Schon das erste Interview - das war mit Eduard Selig von der Israelitischen Gemeinde Basel - lief nicht wie geplant. Ich hatte ganz klare Vorstellungen, was die Befragten sagen sollten, aber die haben mir meist ganz andere Antworten gegeben.»

Sardinien statt Palästina

Auch die Idee, das Leben von Karl Berlinger, dem Kommandanten der Unglücksmaschine, nachzuzeichnen, klappte nicht auf Anhieb. «Seine Witwe hatte zunächst abgewehrt, sich dann aber mit den Söhnen besprochen. Vor die Kamera wollte am Ende niemand der Familie, aber sie haben mir sehr viel Material zur Verfügung gestellt.» In Würenlingen war Dominik Osswald während der Dreharbeiten mehrfach - in Palästina auch? «Nein, diese Szenen habe ich in Sardinien gedreht, wo ich meine Ferien verbrachte. Inzwischen weiss ich, dass so etwas in Dokumentarfilmerkreisen verpönt ist, aber Klimazone und Vegetation stimmen mit jener von Palästina frappant überein.»
Das Schweizer Fernsehen, aus dessen Archiv Osswald geschöpft hat, war dem Maturanden finanziell entgegengekommen. «Meine Eltern haben den Film finanziert. Die Spesen nicht eingerechnet, hat er knapp 700 Franken gekostet.» Gut ein Jahr hat er daran gearbeitet. Nach der Matur 2007 zeigte sich «Schweizer Jugend forscht» interessiert. «Sie haben Verbesserungsvorschläge gemacht, die ich umgesetzt habe.» 2008 wurde «Von Palästina nach Würenlingen» von «Schweizer Jugend forscht» mit dem Prädikat «hervorragend» ausgezeichnet.

Bergführer als Ziel

Angst vorm Fliegen hat der 21-Jährige nicht, nachdem er sich lange und intensiv mit der Coronado-Tragödie beschäftigt hat. «Wenn schon Angst, dann eher vor Terrorismus. Ich fliege selten, fahre lieber Zug, in die Berge, mache Velotouren, neuerdings besitze ich eine kleine Segeljolle und büffle fürs Hochseebrevet.» Zeit fürs Filmen hat Osswald kaum noch. Nach sechs Semestern Studium der Geowissenschaften und der Meteorologie bereitet er sich auf die Prüfungen im Sommer vor. «In rund eineinhalb Jahren könnte ich mit dem Master-Grad abschliessen. Allerdings werde ich vermutlich ein Zwischenjahr einschalten.» Besonders gerne würde er ein Praktikum im Institut für Lawinenforschung absolvieren. «Als ich vor drei Jahren an einem Skitourenlager teilnahm, war ich sinnlos begeistert!» Seither hat ihn die Leidenschaft für Bergsport nicht mehr losgelassen - im Sommer Klettern, im Winter Skitouren. «Bergführer im Nebenberuf, das ist mein Ziel. Die Ausbildung kostet 30000 Franken und dauert, berufsbegleitend, drei Jahre.»