Hans Schlegel

Massiv höhere Strafe für Hundetrainer

Kurs "Unter Wölfen" auf dem Areal von Hans Schlegel im Mai 2006 in Gansingen. (Sebastian Derungs)

Hans Schlegel

Kurs "Unter Wölfen" auf dem Areal von Hans Schlegel im Mai 2006 in Gansingen. (Sebastian Derungs)

Das Bezirksgericht Laufenburg hatte Hundetrainer Hans Schlegel aus Gansingen zu einer bedingten Geldstrafe von 1800 Franken verurteilt. Das Obergericht hat sie auf 12 800 Franken erhöht.

Von Rosmarie Mehlin

Anfang letzten Jahres hatte Staatsanwältin Christina Zumsteg den international bekannten Hundetrainer Hans Schlegel der mehrfachen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz angeklagt. Im Mai 2008 hatte der 50-jährige Schlegel sich deswegen vor Bezirksgericht Laufenburg verantworten müssen. Mehrere Zeuginnen und Zeugen hatten zum Teil widersprüchliche Aussagen darüber gemacht, was sich anlässlich einer Halterprüfung im Mai 2006 in Schlegels Hundeschule «Wolfsprung Kennel's» auf dem Laubberg ob Gansingen abgespielt hatte.

Um den Hunden den Jagdinstinkt abzugewöhnen, waren diese während der Prüfung unter anderem hautnah mit einer angebundenen Ziege sowie Enten und Kaninchen konfrontiert worden. Zwei Hunde hatten die wehrlosen Tiere, die weder eine Flucht- noch eine Rückzugsmöglichkeit hatten, zu jagen. Dabei waren zwei Kaninchen verletzt worden. Ob eines an den Folgen der Attacke starb, war weder im Verlauf der Untersuchung noch während der Verhandlung schlüssig klar geworden.

Die Staatsanwältin aber hatte Schlegel der mutwilligen Tötung eines Tiers beschuldigt sowie der mehrfachen eventualvorsätzlichen Tierquälerei und eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 220 Franken sowie 3000 Franken Busse gefordert. Den Vorwurf der mutwilligen Tötung hatte Schlegel weit von sich gewiesen; sein Anwalt hatte auf fahrlässige Überanstrengung von Tieren und lediglich für eine Busse von 300 Franken plädiert.

Das Bezirksgericht hatte das Urteil im Mai zunächst ausgesetzt, weitere Beweismittel erhoben und im August seinen Entscheid veröffentlicht: Freispruch vom Vorwurf des mutwilligen Tötens von Tieren, schuldig der mehrfachen fahrlässigen und der mehrfachen eventualvorsätzlichen Tierquälerei. Schlegel wurde zu 60 Tagessätze à 30 Franken Geldstrafe, bedingt erlassen auf drei Jahre, und 2000 Franken Busse verurteilt.

Sowohl die Anklägerin wie auch Schlegel hatten gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Jene der Staatsanwältin wurde in der Folge vom Obergericht teilweise gutgeheissen. Der Freispruch vom Vorwurf der mutwilligen Tötung wurde von der zweiten Instanz allerdings bestätigt mit der Begründung, dass Mutwillen in der Gerichtspraxis «höchstens dann in Betracht gezogen wird, wenn jemand ein Tier aus Langeweile, Spass oder zu Opferzwecken» getötet habe, was hier nicht der Fall gewesen sei.

Schlegel habe sich hingegen vollumfänglich der eventualvorsätzlichen Tierquälerei schuldig gemacht und in keinem Moment fahrlässig gehandelt, da er «einen Angriff eines Hundes auf zwei Kaninchen und damit deren Tötung beziehungsweise deren Schmerzen in Kauf nahm».

Obwohl er bei der Konfrontation der Kaninchen mit den fremden und nicht angeleinten Hunden das ihm bekannte Risiko nicht habe kalkulieren können, habe er zu spät Schutzmassnahmen ergriffen. Anders ausgedrückt hat der Hundetrainer nicht darauf vertrauen können, dass die Kaninchen nicht angegriffen und tot gebissen würden.

Da das Zufügen von Schmerzen und Leiden nicht als fahrlässige, sondern als eventualvorsätzliche Tierquälerei zu taxieren sei, so das Obergericht zu seinem Entscheid, «war die vom Bezirksgericht Laufenburg ausgesprochene Strafe dem Verschulden des Angeklagten nicht mehr angemessen».

Entsprechend hat die zweite Instanz die mit einer Probezeit von drei Jahren bedingt erlassene Geldstrafe auf 80 Tagessätze à 160 Franken erhöht. Die verbindlich zu zahlende Busse von 2000 Franken wurde vom Obergericht bestätigt. Da weder Staatsanwältin noch Hans Schlegel dieses Urteil ans Bundesgericht weitergezogen haben, ist es nun rechtskräftig.

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