Massensterben bei Kohlekraftwerks- Projekten

Bauplatz des künftigen Kohlkraftwerks Brunsbüttel.

Brunsbüttel

Bauplatz des künftigen Kohlkraftwerks Brunsbüttel.

In Deutschland häufen sich die Entscheide, Kohlekraftwerks-Projekte einzustellen. Die EBM, die am geplanten Kohlekraftwerk Brunsbüttel beteiligt ist, betont aber, sie habe keinen Einfluss, ob dieses gebaut werde.

Daniel Haller

«Der Bau von Kohlekraftwerken stösst in Deutschland weiter auf grossen Widerstand», fasste gestern das «Handelsblatt» aus Düsseldorf zusammen. «In der vergangenen Woche wurden gleich drei Projekte gestoppt: in Mainz, im niedersächsischen Dörpen und in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Vorhaben wie Eons Pläne in Datteln oder Trianels in Lünen, beide in Westfalen, wackeln.»

Auch die Politik scheint eine neue Richtung einzuschlagen: www.finanznachrichten.de zitiert Jochen Flasbarth, den neuen Präsidenten des Umweltbundesamtes: «In Deutschland werden nicht die Lichter ausgehen, wenn wir planmässig auf Atomkraft und auf neue Kohlekraftwerke verzichten. Unsere Energienutzung muss dazu viel effizienter und die erneuerbaren Energien stärker werden.»

Kein Ausstieg vorgesehen

Da drängt sich die Frage auf, wie es in Brunsbüttel an der Unterelbe weitergeht, wo sich die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) mit 20 Millionen Franken an einem von zwei Steinkohle-Kraftwerksblöcken zu je 900 Megawatt beteiligt. «Wir sind zwar am Kommanditkapital beteiligt, aber mit unserem Anteil am Kapital haben wir auf die Entscheide, in welche Richtung sich das Projekt entwickelt, keinen Einfluss», erklärt Jo Krebs, Leiter der Abteilung Public Relations der EBM. Ein Ausstieg aus dem Vertrag sei nicht vorgesehen.

«Kopenhagen» zeigt Wirkung

«Die Klimakonferenz in Koppenhagen könnte mit konkreteren Ergebnissen enden als ursprünglich erwartet», interpretiert Rolf Wüstenhagen, Professor am Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen, die Häufung der Kohlekraftwerks-Ausstiege. «Damit verschieben sich die Erwartungen, wie sich die Preise für CO2-Zertifikate in Zukunft entwickeln, nach oben.» Die Grenze zwischen profitabel und unrentabel verschiebt sich. Energiekonzerne, die bisher stark auf Kohle gesetzt haben, würden sich nun des damit verbundenen Risikos stärker bewusst.

Einen Einfluss habe zudem die politische Diskussion unter der neuen deutschen Bundesregierung, bestehende Atomkraftwerke länger laufen zu lassen. Diese sind bereits abgeschrieben und könnten entsprechend billigen Strom liefern. «Die langfristig beste Perspektive und das grösste Wachstumspotenzial bieten aber die erneuerbaren Energien», betont Wüstenhagen.

Windkraftwerke könnten zunehmend die Grundversorgung sicherstellen. Da Wind unregelmässig bläst, seien ergänzende Kraftwerke nötig, die man rasch rauf- und runterfahren kann: «Dafür bieten Wasser- und Gaskraftwerke die besten Voraussetzungen. Kohle- und Kernkraftwerke sind weniger flexibel.»

Notfalls Strom anderswo holen

EBM-Sprecher Krebs will die aktuellen deutschen Kohlekraft-Ausstiegs-Entscheide nicht kommentieren. Und wenn das Projektsterben weitergeht? «Falls Brunsbüttel nicht gebaut würde, müssten wir den Strom anderswo besorgen.» Für die Schweizer Investoren ist die Rätia Energie AG federführend. Rätia hält, wie die «Südostschweiz» meldet, an Brunsbüttel fest.

So wird auch die Diskussion in der Nordwestschweiz nicht abreissen: Gestern lieferte die Greenpeace-Regionalgruppe Basel der EBM für alle 26 Verwaltungsräte eine Energiesparlampe «für die, die noch im Dunkeln tappen. Es geht auch ohne Kohlekraftwerke.»

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