Arlesheim
Marsch nach Bern

Der 11-jährige Isidor Steinemann war Anführer eines Protestmarsches von Basel nach Bern. Im Bundeshaus reichte er anfangs Juli eine Petition für eine gentechfreie Landwirtschaft ein.

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Isidor

Isidor

bz Basellandschaftliche Zeitung

Leif Simonsen

Politik ist spätestens seit Isidor Steinemann keine Angelegenheit, die Erwachsenen vorbehalten ist. Der 11-jährige Arlesheimer ist vielen seiner «Berufskollegen» sogar einen Schritt voraus: Er lässt den Worten Taten folgen. Mit einem Fussmarsch von Basel nach Bern wollte er dem Bundesrat zeigen, worüber sich auch Junge Gedanken machen: «Wir wollten damit signalisieren, dass wir weiterhin für gentechnikfreie Agrarprodukte sind», so Isidor.

Rund 30 Erwachsene und 20 Kinder konnte der junge Umweltaktivist Ende Juni für seine Idee begeistern, auf dem umweltfreundlichen Fussweg eine Gentech-Petition bei der grünen Nationalrätin Maya Graf abzugeben, die wiederum an Bundesrätin Doris Leuthard weitergereicht werden sollte. Nicht für alle Teilnehmer stand der politische Gedanke im Vordergrund, weiss Isidor. Dass einige aus Abenteuerlust mitgekommen seien, mag er aber niemandem verübeln. Schliesslich sei die Pilgerfahrt auch für ihn ein unvergessliches Erlebnis gewesen.

Eine Woche brauchte die Protestgruppe von Basel nach Bern, übernachtet wurde ausschliesslich bei Bio-Bauern. «Alle Landwirte waren sehr entgegenkommend. Wir durften überall das Zelt aufschlagen oder im Stroh übernachten. Auch die Frühstücksmilch bekamen wir zu günstigen Preisen», erzählt Isidor.

Essen auf dem Traktor

Die Idee für diesen Marsch hatte der Rudolf-Steiner-Schüler, als er im vergangenen Jahr beim Projekt «Zukunft säen» mitmachte, wo es ebenfalls um die Erhaltung einer gentechfreien Landwirtschaft geht. Ein Jahr lang hat er nun an seinem Traum gebastelt, der sich auch als organisatorische Herausforderung herausstellte. So befand Isidor die zuerst gewählte Route nach einem Probelauf mit seinem Vater als zu schwierig: Schliesslich sollten Kleinstkinder und Betagte mitlaufen können. Die zweite Route stellte sich dann als Glücksgriff heraus: Basel-Biederthal-Röschenz-Schelten-Balmberg-Oberwil bei Büren-Uettlingen-Bern erwies sich für alle Teilnehmer trotz grosser Altersunterschiede als machbar: «Der Jüngste war 3, der Älteste 78 Jahre alt», so Isidor, «und trotzdem habens alle geschafft - mit ein bisschen Muskelkater, wohlgemerkt.»

Die gesamte Tour hätte freilich auch der gewiefte Fünftklässler nicht ganz alleine organisieren können. Isidors Vater kaufte einen Traktor, auf dem das Essen transportiert wurde, und auch seine Mutter Clara half, wo sie konnte. Eine wesentliche Rolle spielte demnach auch die Tatsache, dass die gesamte Familie Steinemann die gleichen Ideale in sich trägt. Auch Isidor verweist mit einem Lachen darauf, dass er genetisch wohl vorbelas- tet ist.

Wunderschöne Erinnerungen

Eines weiss Isidor aber schon heute: Politiker will er nicht werden, auch wenn er schon mit einem Bein auf der grossen Bühne gestanden ist. Er will später mal Bio-Bauer werden. Die Argumente klingen für einen 11-jährigen erstaunlich reif. So treibt ihn bei seinem Berufswunsch nicht etwa der «Streichelzoo-Gedanke» an, sondern weitreichendere Überlegungen. In seinen Augen ist die gentechfreie Landwirtschaft zukunftsträchtig: «Das Verlangen nach natürlichem Essen wird stets grösser. In Spanien müssen beispielsweise schon Bio-Produkte aus Italien eingeführt werden, weil es Engpässe gibt», weiss Isidor.

Aber ganz auf politische Protestaktionen will er später dann doch nicht verzichten. Schliesslich waren seine ersten Erfahrungen damit nicht nur mit Arbeit, sondern auch mit wunderschönen Erinnerungen verbunden.

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