Marder Baselbieter Gemeinden
Marder zehren an den Nerven

Er verwüstet Gärten, bringt die Leute um den Schlaf und knabbert Autokabel an: der Marder. Als typischer Kulturfolger hat er sich mitten in den Baselbieter Gemeinden breit gemacht. (K)ein Grund zur Aufregung.

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Marder

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AZ

Birgit Günter

Regelmässig erhält der Thürner Jagdaufseher Christian Bühler Anrufe von aufgeregten Dorfbewohnern. Ihr Problem: Die Marder in den Siedlungen rauben ihnen den letzten Nerv. «Die Anrufer beklagen sich hauptsächlich über den nächtlichen Lärm, den die Marder verursachen», erzählt Bühler. Aber auch zerbissene Kabel, hinterlassene Kothaufen, durchwühlte Gärten und verschleppte Meerschweinchen sorgen bei den Menschen nicht für Freudensprünge.

Seit ein paar Jahrzehnten breiten sich die Allesfresser in den Dörfern aus. Beim Steinmarder - der bei uns hauptsächlich vorkommenden Tierart - handelt es sich um einen typischen Kulturfolger. Früher war er vor allem in steinigen Gegenden daheim - wie dies sein Name andeutet -, doch heute lebt er mit Vorliebe in den Siedlungen und wird darum oft auch Hausmarder genannt. «Wo es Menschen hat, ist es dem Marder wohl», kommentiert Bühler.

Am auffälligsten wird dies jetzt im Frühling. Denn in den Monaten März bis April ziehen die Marder ihre Jungen gross und suchen in den Häusern, auf Dachböden und in Schuppen nach geschützten Plätzen für ihre Brut. «Wenn ein Gebäude nicht ganz abgedichtet ist, geht es nicht lange, bis ein Marder dort haust», sagt Bühler. Der Jagdaufseher schätzt, dass in einem 1200-Seelen-Dorf wie Thürnen derzeit rund 15 Marderfamilien leben. Damit kommt die Oberbaselbieter Gemeinde noch verhältnismässig gut weg, denn in den städtischen Gebieten im Unterbaselbiet sowie in der Stadt Basel ist die Marderpopulation noch grösser, vermutet Bühler. Grund sind die vielen alten Häuser, die den Mardern gute Versteckmöglichkeiten bieten. Genaue Zahlen gibt es aber nicht.

Eigentlich ein scheuer Gesell

Immerhin: Im Unterschied zum Fuchs, der auf der Suche nach Futter gern auch in die gute Stube klettert, ist der Marder relativ scheu. «Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass ein Marder in den Wohnraum eingedrungen wäre», sagt Bühler. Der Marder stelle darum - ausser in Einzelfällen - kein Problem dar, sagt Ignaz Bloch, der oberste Baselbieter Jagdaufseher.

Und während die Populationen beim Fuchs und Dachs stark ansteigen, beobachtet man beim Marder keine besorgniserregende Zunahme. Denn obwohl der Marder selber ein Raubtier ist, der ein Kaninchen oder andere kleine Haustiere als Leckerbissen nicht verschmäht, ist er doch schliesslich auch ein Opfer: Er ist ein Beutetier des Fuchses. Zudem werden viele Marder überfahren; und junge Marder werden von Katzen gerissen. Fazit: Der Marder mag gelegentlich nerven - aber eine wirkliche Bedrohung ist er nicht.