Wodka
Mann kauft Jugendlichen Wodka - diese landen im Spital

Eine Gruppe Minderjährige engagieren einen 18-Jährigen als Botenkäufer, damit sie zu einer Flasche Wodka kommen - und landen am Ende mit einer Alkoholvergiftung im Spital.

Drucken
Teilen

Heiner Leuthardt

«Auf die Gruppe kann man sich verlassen», versichert eine der Mütter jener Halbwüchsigen, die sich im Februar einen besonderen Abend leisteten. «Sie haben bisher nicht über die Stränge gehauen und sind auch immer zum vereinbarten Zeitpunkt zu Hause eingetroffen.» Aber an jenem Abend lief alles etwas anders. Das Quintett traf sich wie immer am frühen Abend beim Reinacher Gemeindezentrum. Dort besorgten sie sich eine Flasche Fanta und Becher. Um das Süssgetränk aufzupeppen fehlte noch etwas Hartes: Wodka. «Wie wir auf die Idee gekommen sind, das wissen wir nicht. Sie kam einfach, und dann haben wir es gemacht», schildern zwei aus der Gruppe den noch ruhigen Einstieg in den Abend.

Natürlich wussten sie, dass sie als 15-Jährige den Wodka nicht kaufen können, also sprachen sie einen ihnen bekannten 18-Jährigen an, der ihnen die grosse Flasche Wodka besorgte. «Wir haben es auch schon so gemacht, nur haben wir dann eine kleine Flasche bestellt.» Dann fuhren die Fünf in die Stadt, genossen den Abend. Bei einem stillen Plätzchen in der Nähe der Schifflände mischten sie sich ihren Drink: ein Viertel Wodka, drei Viertel Fanta.

Nur noch Erinnerungsfetzen

Einer von ihnen fand es so gut, dass er sich nicht mit einem oder zwei Becher begnügte, sondern weiter machte. «Wir sagten ihm, hör auf, aber er machte weiter.» Die Kollegen griffen nicht weiter ein. «Mir schmeckte es gut und den Alkohol spürte ich im Fanta nicht.» Nach der Trinkrunde zogen sie weiter durch die Stadt. Während der Alkohol bei jenen, die mässig getrunken hatten, sie anturnte, fühlte sich der Fünfte immer wie elender. Er musste erbrechen. Die Gruppe rettete sich beim Rathaus gerade noch rechtzeitig in eine Seitengasse, wo der stark Betrunkene sich erbrach und sich betäubt hinsetzte. Er selber hat nur noch Erinnerungsfetzen. «Die Kollegen gaben mir Wasser zum Trinken, dann bin ich wieder eingeschlafen.» Ein älteres Ehepaar wird auf die Gruppe aufmerksam, erkundigt sich, was geschehen ist und alarmiert die Sanität.

Der Abend endet für den stark Betrunkenen und zwei seiner Kollegen als Begleiter in der Notfallstation des UKBB auf dem Bruderholz. Die Notmassnahmen der Sanität und die medizinische Betreuung greifen glücklicherweise rasch.

Unterdessen erfahren die Eltern vom Zwischenfall, und der Vater fährt zum Sohn. Weil er relativ rasch nach dem Konsum behandelt werden konnte, war er körperlich stabil und durfte mit dem Vater heimkehren, trotz 1,5 Promille im Blut und einer leichten Unterkühlung.

Wenigstens Kollegen betreut

Das Quintett bekam von den Eltern mindestens eine Standpauke. Immerhin aber verhielt es sich korrekt, weil sie ihren Kollegen betreuten, bis zum bitteren Ende. Der Bursche, der im Spital landete, muss für die Sanitätskosten von rund 750 Franken gerade stehen, indem er diese mit Haus- und Gartenarbeit abstottert. Ein Zweiter hat Hausarrest. Beide haben vorerst die Lust auf Alkohol verloren und raten ihren Kollegen vom Konsum ab. Die angesprochenen Eltern sind aber auch verärgert über das Verhalten des 18-Jährigen, der den Wodka kaufte. Aus juristischer Sicht hat er damit eine Tat begangen, die geahndet werden kann, wie juristische Abklärungen ergeben.
Bei einer Anzeige oder bei Komplikationen müsste er dafür gerade stehen.

Weitere Abklärungen zeigen, dass es im Jahr zahlreiche ähnlich gelagerte Fälle mit einer grossen Dunkelziffer gibt. Im UKBB registriert man im Jahr etwa 30 Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren, die übermässig Alkohol getrunken haben. Beunruhigend ist der zunehmende Konsum harter Getränke.

Verantwortung der Eltern

Dabei ist das Gesetz klar, dass Jugendliche unter 16 Jahren keinen Alkohol trinken dürfen, und solche zwischen 16 und 18 Jahren nur leichte alkoholische Getränke, wie Bier. Aktuell laufen zum Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen auf Spitalebene Abklärungen. Letztlich aber wird sowohl von ärztlicher wie juristischer Seite betont, dass die Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen müssen.

Aktuelle Nachrichten