Manipulation für eigene Zwecke?

Schockwirkung wollten offenbar der Verein Pro Sesseli und der Schweizer Heimatschutz mit der Computeranimation einer gigantischen, künftigen Mittelstation Nesselboden erzielen. Geschockt sind aber die Seilbahn Weissenstein AG und ihr Architekt Guido Kummer. Denn: Die neue Mittelstation ist sogar kleiner geplant als die bestehende.

Wolfgang Wagmann

An der Medienkonferenz rund um die Gründung der Stiftung historische Seilbahn Weissenstein (vgl. gestrige Ausgabe) behaupteten der Verein Pro Sesseli und der Schweizer Heimatschutz: Die drei geplanten Gondelstationen «werden mehr als doppelt so gross wie die heutigen Sesselbahn-Stationen.» Am Beispiel der Mittelstation Nesselboden zeigten die Gondel-Gegner in ihrem Sinn auf, wie sehr die Berglandschaft verschandelt würde. Präsentiert wurde ein Foto der heutigen Station, und eine Fotomontage mit der angeblichen Lage und Grösse der geplanten Station. Pro-Sesseli-Präsident Heinz Rudolf von Rohr wies dabei darauf hin, dass die Montage gemäss eigenen Berechnungen plangetreu sei.

Unwahrheiten in die Welt gesetzt

Was plangetreu ist, weiss der Solothurner Architekt Guido Kummer besser - er hat die Stationen geplant. «Da wurden Unwahrheiten in die Welt gesetzt», schüttelt er den Kopf angesichts des völlig falschen Bildmaterials. Auf der gezeigten Fotomontage wäre die Station Nesselboden in natura «rund 7 bis 8 Meter zu hoch dimensioniert», die beiden Röhren über der Ein- und Ausfahrt seien so gar nicht vorhanden und der Mast links sei ebenfalls überhöht worden. «Tatsächlich reicht er aus dieser Optik nicht über die Bergkuppe hinaus, und die Gondeln fahren nicht wieder aufwärts, sondern geradeaus», betont Kummer. Die neue Mittelstation sei im First 88 cm tiefer als die heutige (vgl. Plan-Querschnitt) und mit einer Grundrissfläche von nur 435 Quadratmetern statt wie bisher 470 «auch rund 10 Prozent kleiner.» Dies wird möglich, weil die Parkierung der Gondeln nicht mehr in der Mittelstation, sondern in der Talstation in Oberdorf erfolgt. Nur diese wird ungefähr doppelt so gross als die bestehende, wogegen die Bergstation lediglich einen Meter höher und bei einer geringfügig grösseren Breite, aber gleicher Länge nur ca. 15 Prozent grösser ausfällt als die jetzige. Die doppelt so grosse Talstation braucht mehr Platz nicht nur für die künftig unten parkierten Gondeln. Kummer: «Neu ist die Aussentreppe nach innen verlegt, es gibt eine WC-Anlage, und eingeplant ist auch das Museum zur alten Seilbahn.»

Die Form eines Tonnengewölbes hat Kummer bei den Stationen gewählt, um nahe am geforderten Lichtprofil der Seilbahn ein minimales Gebäudevolumen zu erhalten. «Und die Holzfassade ist den gestapelten Holzstämmen nachempfungen, die überall in der Landschaft liegen.» Der Architekt findet es jedoch «schade, dass eine neu gegründete Stiftung mit unwahren Angaben operiert - das wirft gleich ein schlechtes Licht aufs Ganze.»

Urheber halten an Darstellung fest

«Wir wären ja blöd, wenn wir manipulativ handeln würden», sagt Rudolf von Rohr auf Anfrage. Die Fotomontage sei nach besten Wissen und Gewissen aufgrund der zugänglichen Planunterlagen entstanden. Demnach stimme Grösse und Lage der Mittelstation. Sollte dies nicht der Fall sein, seien die Planunterlagen - unter anderem jene des Bahningenieurbüros und jene des Kantons - falsch. Da die neue Mittelstation nach vorne rücke, wirke sie auch viel grösser als die bestehende. Einzig die Struktur der Holzfassade habe sich nicht besser darstellen lassen. Sie sei zu grob und damit nicht so elegant wie in Wirklichkeit. Einen Schönheitsfehler, den Rudolf von Rohr bereits an der Präsentation der Fotomontage einräumte. Er betont, dass die geplanten Stationen an sich architektonisch eine gute Lösung seien. Die neuen Gondelstationen würden jedoch funktionsbedingt viel grösser als die bestehenden. Rudolf von Rohr will nun mit Kummer das Gespräch suchen.

Mitarbeit: Mz

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