Italien

Mamma Rosa sorgt postum für Zensur

Silvio mit Mamma Rosa im Jahr 2006

Silvio mit Mamma Rosa im Jahr 2006

Die staatliche Sendeanstalt RAI boykottiert den Trailer für einen Berlusconi-kritischen Kino-Film, weil darin Silvios Mutter vorkommt.

«Silvio ist von einer Güte, von einer Grosszügigkeit... Ich glaube, alle sagen es: Er ist einmalig», schwärmt Rosa Bossi Berlusconi ganz zu Beginn des Filmtrailers. Und fügt in einer späteren Filmsequenz hinzu: «Man wird nie eine Fotografie sehen, die Silvio mit irgendwelchen Frauen zeigt.»

Das war zu viel für die Zensurverantwortlichen bei RAI: Der Spot reproduziere Bilder und Worte einer Verstorbenen zum Zweck der Satire; damit riskiere man eine Klage. Folge: Die Zuschauer des von Berlusconi kontrollierten Staatssenders werden die Filmausschnitte nicht zu sehen bekommen.

Kassenschlager erwartet

Der Trailer macht Werbung für einen neuen Film über Silvio Berlusconi, der in Italien am 25. März in die Kinos kommt und garantiert zum Klassenschlager wird: «Silvio Forever» von Roberto Faenza. Es handelt sich um eine «nicht autorisierte dokumentarische Autobiografie des Premiers», wie die Drehbuchautoren Gian Antonio Stella und Sergio Rizzo erklären.

Von Stella und Rizzo stammte schon der Bestseller «La Casta», eine schonungslose Abrechnung mit der italienischen Politikerkaste. Beide sind Autoren des «Corriere della Sera». Die Opposition bezeichnete die Zensur des Filmtrailers als «lächerlich und grotesk».

Die legendäre Mamma Rosa darf in einem satirischen Dokumentarfilm über Silvio Berlusconi natürlich nicht fehlen. Die im Februar 2008 im Alter von 97 Jahren verstorbene ehemalige «First Mamma» Italiens war zentraler Bestandteil des Selbstbildes ihres Sohns gewesen. Mamma Rosa hätte nicht einmal unter Folter etwas Negatives über ihren Erstgeborenen gesagt: «Wer nicht begreift, dass er ein guter Junge ist, der ist ein Ignorant», pflegte die kleine, weniger als 150 Zentimeter grosse Dame zu sagen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1