Mafia-Clan Mazzarella soll in Basel aktiv sein

Mit der Globalisierung hat sich die italienische Mafia weltweit ausgedehnt. Auch nach Basel? Diese Frage ist umstritten

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Blaulicht_Polizeiauto

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Aargauer Zeitung

Andreas Maurer

Die italienische Mafia ist längst nicht nur in Italien ein Problem. Mittlerweile sind Mafia-Clans auf der ganzen Welt aktiv. Auch Basel soll davon betroffen sein. Hier werden dem Clan Mazzarella kriminelle Geschäfte nachgesagt. Mazzarella ist der Name einer italienischen Familie, die zur napoletanischen Mafia Camorra gehört.

Die in Basel bisher unbekannte Nachricht ist im neuen Buch von Francesco Forgione nachzulesen. Der ehemalige Präsident der italienischen Anti-Mafia-Kommission listet darin detailliert auf, wo welcher Clan weltweit aktiv ist. In der Schweiz wirtschaftet die Mafia demnach in Basel, Genf, La Chaux-de-Fonds, Lugano, Luzern und Zürich. Zu den Städten liefert das Buch Namen von Personen und Geschäften, die zur Mafia gehören. Die Ausnahme stellt Basel dar: Hier heisst es lediglich, dass Exponenten des Mazzarella-Clans präsent seien.

Italienische Mafia in Basel unbekannt

Die Basler Staatsanwaltschaft hält nichts von Forgiones Aussagen über Basel. «Wir wissen nicht, woher er diese Hinweise hat», sagt Kriminalkommissär Markus Melzl. Der Staatsanwaltschaft seien keinerlei Aktivitäten der italienischen Mafia in Basel bekannt. «Irgendwie müssten daraus ja Straftaten resultieren, zum Beispiel Schutzgelderpressungen», überlegt Melzl. Bis jetzt haben die Basler Staatsanwälte aber nie Straftaten mit Bezug zur italienischen Mafia verfolgt. Forgiones Buch findet Melzl übertrieben. «Die Aussagen über Basel werden nicht belegt», kritisiert er.

In Bezug auf das organisierte Verbrechen stellt aber auch Basel keine heile Welt dar. Zwar sind keine Aktivitäten der italienischen Mafia bekannt. Die Basler Staatsanwaltschaft kämpft aber gegen andere Clans. Ein besonderes Problem sieht Melzl im Heroinhandel. Dieser werde von Leuten aus wenigen Regionen dominiert, teilweise aus dem Balkan. Da diese Leute sehr diskret agieren, sei die Ermittlungsarbeit schwierig. Im Heroinhandel ist eine verschworene Gemeinschaft aktiv: «Diese Leute kennen sich gut. Sie vertrauen nur ihren Bekannten.» Die Staatsanwälte können mit ihren Ermittlungsmethoden kaum in diese Organisationsstrukturen vordringen. Ein Schlupfloch bleibt aber: «Um mit den Süchtigen in Kontakt zu treten, müssen diese Leute ihre organisierten Verbrecherstrukturen verlassen. Durch das Loch, aus dem sie herauskommen, dringen wir ein.»

Schutzgelderpressungen in Basel

Aufmerksam verfolgt die Basler Staatsanwaltschaft zudem alle Hinweise auf Schutzgelderpressungen. Doch auch hier sind keine Italiener aktiv. Die Fälle in Basel haben nichts mit Hollywood gemeinsam: Es tritt kein Krimineller in ein Lokal und droht damit, alles klein zu schlagen. Die Erpresser gehen subtiler vor. Die Staatsanwälte schöpfen zum Beispiel Verdacht, wenn sie auf Spenderlisten für bestimmte türkische oder tamilische Organisationen stossen. «Es ist jeweils sehr schwierig herauszufinden, ob auf die Spender Druck ausgeübt wurde», berichtet Melzl.
Francesco Forgione: Mafia Export. Baldini Castoldi Dalai editore.