Moskau
Mafia-Bancomaten: Kriminelle freuen sich jetzt schon auf die Fussball-WM in Russland

Die russische Unterwelt hält für internationale Fussballfans eine Überraschung bereit. Sie hat falsche Geldautomaten vorbereitet, um deren Kreditkartendaten zu kopieren

Axel Eichholz, moskau
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Die falschen Bankautomaten der russischen Mafia sehen absolut echt aus. (Symbolbild)

Die falschen Bankautomaten der russischen Mafia sehen absolut echt aus. (Symbolbild)

Pixabay

Auflagen über der Tastatur eines Geldautomaten, die vom Kunden eingegebene Daten mit dem geheimen PIN-Code statt an ein internationales Kartensystem an Betrüger weiterleiten, sind an sich nichts Neues. Nun hat die russische Unterwelt für die kommende Fussball-WM eine Überraschung vorbereitet. Ihre falschen Bankautomaten sehen absolut echt aus.

Eigentlich sind sie es auch. Für umgerechnet 1500 Euro (1740 Franken) bekommt man auf dem Schwarzmarkt ein gebrauchtes Gerät. Der Banknotenbehälter wird als überflüssig entfernt. Stattdessen wird eine Kamera eingebaut, die die Geheimzahl fotografiert. An dieser Stelle wird der Kunde wahrheitsgetreu informiert, das Gerät sei ausser Betrieb. Er solle seine Karte wieder mitnehmen. Sie wird tatsächlich nicht mehr gebraucht.

Der Mafia-Bancomat hat bereits alle nötigen Angaben, um eine Kartenkopie anzufertigen. Bares wird damit anderenorts, vorzugsweise ausserhalb Russlands, abgehoben. Der Kartenbesitzer hat dann kaum eine Chance, das gestohlene Geld zurückzubekommen. Er weiss ja nicht einmal, von wem er es fordern soll. Die Betrüger sind nicht zu fassen. Ihre Zentralen befinden sich meist in Strafanstalten, vor einem Zugriff sicher und somit faktisch unter dem Schutz des Staates.

Kundschaft sind WM-Besucher

Russen, die sich mit der einheimischen Bankeninfrastruktur auskennen, fallen nur selten auf diesen Trick herein. Sie benutzen in der Regel immer ein und dieselben Bankautomaten. Wenn irgendwo plötzlich ein neuer auftaucht, gehen sie lieber weg. Als Kundschaft hat die Mafia internationale Fussballfans angepeilt. Die falschen Geldautomaten bieten bereitwillig englischen Text an, damit sich der Besucher nicht mit kyrillischen Buchstaben abquälen muss. Die Fussball-WM wird in der Zeit vom 14. Juni bis 15. Juli in Moskau, St. Petersburg, Nischni Nowgorod, Kaliningrad (Königsberg), Kasan, Jekaterinburg, Saransk, Samara, Wolgograd, Rostow am Don und Sotschi ausgetragen. Die Mafia hat alle Hände voll zu tun. Sie scheut aber keine Arbeit.

Nicht mal am Kreml ist man sicher

Falsche Geldautomaten wurden bereits in den internationalen Moskauer Flughäfen Scheremetjewo und Domodjedowo und in grossen Supermärkten sichergestellt, darunter sogar im unterirdischen Einkaufszentrum Ochotny Rjad am Kreml. Dort wurde der Mafia-Automat erst nach zwei Monaten von der Polizei entdeckt. Seine Besitzer wurden nie bekannt. Oft werde als der angebliche Inhaber eine renommierte Bank angegeben, sagte Andrej Gaiko, der Abteilungsleiter für Datenschutz von Digital Security, der Tageszeitung «Kommersant». Das einzige Indiz, das auf den wahren Ursprung des Gerätes hinweise, sei die Tatsache, dass es niemals Geld auszahle.

Automaten bei der Bank benutzen

Die russische Zentralbank empfiehlt, nur Geldautomaten zu benutzen, die sich in staatlichen Einrichtungen, in grossen Handelszentren und Hotels befinden. Aber auch dort habe man keine 100-prozentige Sicherheitsgarantie, sagt Gaiko. Einen Ausweg sieht er allein darin, dass die WM-Besucher nur von Geldautomaten in den Niederlassungen der Banken Gebrauch machen. Wie soll man aber ausnahmslos alle WM-Gäste darüber informieren und erreichen, dass sie es auch beherzigen?