Machen die Bauarbeiter bald Siesta?
Machen Bauarbeiter mittags bald Siesta?

Mit Sonnencreme und Mineralwasser sei es bei der grossen Hitze nicht getan. Nur eine Siesta über Mittag biete Bauarbeitern in diesen Hitzetagen effektiven Schutz. Das fordern Gewerkschaften und Politiker.

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Martin Rupf

Sie sind wahrlich nicht zu beneiden. Bauarbeiter, die in diesen Hitzetagen unter der prallen Sonne schuften und dabei tüchtig ins Schwitzen kommen. Doch nicht primär die Hitze macht den Bauarbeitern zu schaffen – viele von ihnen stammen aus südlichen Ländern. Es ist vielmehr die Ozonbelastung, deren Grenzwert in diesen Tagen regelmässig überschritten wird (siehe unten).

Gewerkschaften und Politik verlangen vom Bund und privaten Bauunternehmen deshalb, die Arbeiter besser zu schützen. So fordern die Grünen den Bund auf, mit den Gemeinden und Kantonen frühere Arbeitszeiten auszuhandeln. «Zudem soll über Mittag eine längere Siesta eingerichtet werden», sagt Grünen-Präsident Ueli Leuenberger. Der Bund solle mit gutem Vorbild vorangehen, damit ihm die privaten Unternehmen folgen könnten, so Leuenberger.

Viertelstunde Rast pro Stunde

Auch die Gewerkschaft Unia fordert Verbesserungen für Bauarbeiter. «Bei Temperaturen über 30 Grad soll es den Arbeitern erlaubt sein, pro Stunde eine Viertelstunde Pause zu machen», verlangt Rolf Beyeler von der Unia. Den Siesta-Vorschlag hält er hingegen für wenig praktikabel: «Ich bezweifle, dass die Arbeiter am späteren Nachmittag dann wieder auf der Baustelle erscheinen.»

Beim Bund anerkennt man den Handlungsbedarf. Aber: «Es ist Sache der Unternehmen, Arbeiter vor übermässiger Belastung zu schützen», sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamtes für Strassen. Selbstverständlich werde darauf geachtet, dass die rechtlichen Anforderungen und die Suva-Bestimmungen eingehalten würden. Das schöne Wetter führe zu einem Zielkonflikt. «Einerseits will man bei diesem idealen Bauwetter mit dem Bau möglichst schnell vorankommen. Anderseits möchte man aber die Gesundheit der Arbeiter nicht gefährden», sagt Rohrbach.

Helm-Obligatorium gelockert

Anfragen bei grossen Bauunternehmen zeigen, dass diese auf die Hitze reagiert haben. «Unsere Poliere schauen, dass sich die Arbeiter richtig schützen», sagt Benoît Demierre, stellvertretender Direktor Ausführung bei Losinger-Marazzi. Auch würden extra Sonnencreme und Wasser verteilt und besonders heisse Flächen würden mit Wassersprinkleranlagen runtergekühlt.

Ähnlich tönt es bei der Firma Marti AG. «Neben Sonnencreme haben wir auch extra Sonnenbrillen und T-Shirts mit UV-Schutz verteilt», so Patrik Zaugg. Zusätzlich würden den Bauarbeitern gratis Mineralwasser zur Verfügung gestellt. Und: «Bei ungefährlichen Arbeiten und an unproblematischen Stellen haben wir das Helm-Obligatorium gelockert», ergänzt Zaugg.

Das Bauunternehmen Implenia sorgt dafür, dass die Vorgesetzten die Arbeiter über die Risiken informieren. «Zudem verlegen wir anstrengende Arbeiten nach Möglichkeit auf den Morgen, legen öfter Pausen ein und installieren Sonnenschutzvorrichtungen», sagt Implenia-Sprecher Philipp Bircher. Und: «Ein Teil unserer Baumaschinen ist mit Klimaanlagen ausgerüstet.»

Lieber früh in den Feierabend

Hingegen sind sich alle drei Firmen einig, dass die Siesta-Idee kaum realisierbar sei. «Wegen der Baubewilligungen können wir die Arbeitszeiten nicht einfach ändern», sagt etwa Demierre von Losinger-Marazzi. Insbesondere sei bei vielen Baustellen ein sehr früher Arbeitsbeginn wegen der Anwohner unmöglich. Bei Implenia werden immerhin die Mittagspausen ein wenig verlängert, wo es die Arbeitssituation zulässt.

Bei der Marti AG wäre eine Siesta zwar denkbar, aber entspräche nicht dem Wunsch der Arbeiter. Zaugg: «Wenn möglich fangen wir mit der Arbeit am Morgen früher an. Wenn die Arbeiter zwischen Siesta und frühem Feierabend wählen können, entscheiden sie sich für Letzteres.»

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