Zivilschutz
Lustig ist das Zivilschutzleben am Schützenfest

Sie sollten den Umzug des Eidgenössischen Schützenfests bewachen und Tribünen bauen. Am letzten Tag brätelten sie nur noch Würste oder blieben gleich zu Hause. Die Diensttage wurden trotzdem gut geschrieben.

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Zu viele Zivilschützer

Zu viele Zivilschützer

Benno Tuchschmid

Sie sassen unter Sonnenschirmen an Strassenkreuzungen und sorgten dafür, dass niemand den Schützenfest-Umzug stören konnte. Stundenlang. Sie bauten Zuschauertribünen auf und nach dem grossen Umzug in Aarau wieder ab. In der prallen Hitze. Keine Frage: Die Zivilschützer waren um ihre Aufgabe am Umzug des Eidgenössischen Schützenfests vom letzten Wochenende nicht zu beneiden. Doch für ihre Entbehrungen während des viertägigen Einsatzes wurden die Männer am letzten Dienstag belohnt – mit einem zünftigen Grillfest.

Ausser grillen, hatten die Zivilschützer an diesem Tag nicht mehr viel zu tun. Adrian Bühler, Kommandant der Zivilschutzorganistion (ZSO) Aare bestätigt: «Am Dienstag mussten noch Fahrzeuge zurückgegeben und Anlagen geputzt werden, aber es gab weniger zu tun als angenommen. Danach gab es als Dankeschön eine Grillade für die Truppe.» Um 14.30 Uhr konnten sie sich auf den Nachhauseweg machen. Pikant: Der Tag wurde als Dienst-Tag gewertet.

Verwirrung um Freitag

Noch besser hatten es die Zivilschutzleistenden der ZSO Entfelden AG: Sie mussten am Dienstag gar nicht mehr einrücken. Und durften sich auch dafür einen Dienst-Tag gutschreiben. «Damit wurde ihnen der Dienst-Tag am Sonntag vergütet. Rechtliche Absprachen zwischen Bund, Kanton und den ZSO haben zu diesem Vorgehen geführt», sagt der Kommandant der ZSO Entfelden, Ernst Binder.

Balz Bruder, Leiter Kommunikation des Departementes Gesundheit und Soziales beim Kanton Aargau, sagt diese Aussage sei nicht korrekt. «Vielmehr ist es so, dass eine Ruhetagsregelung ausdrücklich nicht vorgesehen wurde». Der Vorgang bei den Zivilschutzorganisationen sorgt auch beim Bund für leichte Verwunderung: «Dieses Vorgehen entspricht nicht der gesetzlichen Regel. Die Einzelheiten des vorliegenden Falles sind uns jedoch nicht bekannt, daher können wir diesen auch nicht beurteilen», sagt Kurt Münger, Mediensprecher beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz.

Ist bald ausgebrätelt?

Beim Bund ist man unzufrieden mit dem Zusammenspiel zwischen privaten Veranstaltern und dem Zivilschutz – und will das in der Revision des Bevölkerungsschutz- und Zivilschutz-Gesetzes korrigieren: «Im neuen Gesetz soll es eine Obergrenze geben, die ein Zivilschutzleistender zugunsten der Gemeinschaft leisten darf. Damit sollen Missbräuche bei derartigen Einsätzen verhindert werden», sagt Münger. Die Revision ging bereits durch die Vernehmlassung. Vielleicht ist also bald ausgebrätelt.

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