«Lothar»: Hilfe aus dem Bündnerland

Zwei Förster aus Erlinsbach und Reinach erzählen von «Lothar».

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Hilfe aus dem Bündnerland

Hilfe aus dem Bündnerland

Markus Christen

Die Stadtpolizei von Aarau erreichte Paul Antenen am Abend des 25. Dezembers in seiner Wohnung in Erlinsbach. Der inzwischen pensionierte Stadtförster machte sich sofort auf den Weg in die Aarauer Innenstadt. Die schlimmste Phase des gewaltigen Orkantobens mit Namen Lothar war gerade über den Kanton Aargau hinweggezogen, doch noch immer peitschte der Wind mächtig und in unberechenbaren Böen durch die Stadtgassen.

«Ich habe grosse Angst gehabt um meinen Mann», sagt Dora Antenen, die Frau des Försters, rückblickend. Antenen selbst, der sich detailgenau an jene Nacht erinnern kann, erzählt, wie er zusammen mit seinen Mitarbeitern des Forstbetriebs die Strassen von umgerissenen Baumstämmen befreite, damit der öffentliche Verkehr und eine ungehinderte Durchfahrt für die Ambulanz sichergestellt werden konnten.

«Die Waldschäden konnte ich erst am nächsten Morgen begutachten», sagt der ehemalige Förster, der für eine Waldfläche von rund 600 Hektaren zuständig war. Rund 50 Hektaren Wald wurden durch den Orkan vollständig zerstört.

Mit den mühsamen und gefährlichen Aufräumarbeiten verbindet Paul Antenen aber vor allem schöne Erinnerungen. «Förster aus der Stadt Chur sind sprichwörtlich mit Ross und Wagen zu uns gekommen, um zu helfen. Ungefähr zwei Monate lang sind sie hier geblieben, woraus sich gute Freundschaften entwickelt haben.»

Beeindruckende Natur

Keine Hilfe bei den Aufräumarbeiten hatten Ueli Wanderon, Betriebsleiter der Forstbetriebe Aargau Süd, und seine fünf Mitarbeiter. «Das war eine bewusste Entscheidung. Wir haben uns entschlossen, alles selbst zu machen.» 22 Monate dauerten die Arbeiten insgesamt an, die grösste zerstörte Waldfläche war 12 Hektaren gross. Besorgnis ob der zeit- und kräfteraubenden Arbeit habe er keine verspürt, sagt Wanderon, aber etwas traurig sei er gewesen, weil mit dem Orkan die Forstarbeit von Generationen zerstört worden sei.

Rückblickend allerdings kann der Förster aus Reinach dem Orkan auch seine positiven Seiten abgewinnen. «Der Sturm bescherte uns einen grossen Verlust, finanziell und ideell. Aber wenn man sieht, was die Natur aus einem zerstörten Boden entstehen lässt, ist das unglaublich beeindruckend.»

Inzwischen sind auch die Folgeschäden, verursacht durch den Borkenkäfer, in den Waldgebieten behoben und die beiden Förster sind froh, dass in ihren Forstbetrieben alle Waldarbeiten unfallfrei vonstattengegangen sind.