Liestal punktet mit zentraler Lage

Welche Überraschung: Liestal ist laut neuestem «Bilanz»-Ranking die attraktivste Stadt der Region. Einige stolze Unterbaselbieter Gemeinden haben dagegen an Terrain eingebüsst.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Hans-Martin Jermann

Wer hätte das gedacht: Das als Steuerhölle und nüchterne Beamtenhochburg verschrieene Liestal ist laut dem eben erschienen Städte-Ranking des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» die attraktivste Stadt unserer Region. Landesweit schafft es der Baselbieter Kantonshauptort immerhin auf Rang 26 (siehe Text unten). «Liestal punktet mit der zentralen Lage, der guten Anbindung an den Öffentlichen Verkehr und einem soliden Arbeitsmarkt», erklärt «Bilanz»-Journalist Jörg Becher.

Fluglärm drückt auf Lebensqualität

Gegenüber dem Vorjahr hat sich Liestal unter den 129 Schweizer Städten um sagenhafte 34 Ränge verbessert. Damit liegt Liestal unter den Top 5 der Aufsteiger. In lediglich zwölf Monaten hat sich die Lebensqualität in der Baselbieter Hauptstadt natürlich nicht derart stark erhöht. Die bessere Rangierung liegt auch daran, dass gegenüber dem Vorjahr Anpassungen am Kriterienkatalog vorgenommen wurden: Die Themen Verkehr und Zentralität werden stärker gewichtet - kein Wunder, schneiden gut an den ÖV angebundene Kleinstädte wie Aarau, Olten oder eben Liestal plötzlich besser ab.

In der Region Basel gibt es etliche Verlierer: Die letztes Jahr noch im oberen Viertel platzierten Oberwil, Allschwil und Binningen sowie Münchenstein (siehe Tabelle). Eine Feinjustierung bei den Kritierien vermag den Absturz dieser Basler Vorortgemeinden nicht erklären. Auffällig: Punkto Erholungswert haben sie massiv eingebüsst: «Die Fluglärmproblematik gewinnt an Bedeutung und drückt auf die Lebensqualität», analysiert Becher. Klassische Wohngemeinden der Reichen wie Riehen und Binningen werden zudem mit Problemen konfrontiert: Sie bieten selber kaum Arbeitsplätze an, die Bevölkerung wächst nicht und/oder ist überaltert, sprich: Es ist kaum Dynamik vorhanden. Oberwil ist unter den elf Städten in der Region die einzige, die nennenswert wächst. Bei den beiden «Sorgenkindern» Birsfelden und Pratteln kumulieren sich die Probleme: Viele Ausländer, geringer Anteil höherer Berufe an der Bevölkerung, viele Arbeitslose, hohe Steuerbelastung, schlechter Erholungswert.

Ranking und Realität

Zum vierten Mal hat die «Bilanz» 2009 die Attraktivität der 129 Schweizer Städte mit über 10 000 Einwohnern untersucht. Dies anhand der neun Kriterien Arbeitsmarkt, Öffentlicher Verkehr, Bevölkerungsentwicklung, Erholungswert, Reichtum, Sozialstruktur, Steuer belastung, Tourismus und Zentralität. Obwohl ein Wust «harter Facts» wie Arbeitslosenzahlen oder Kaufkraft herangezogen wurde, bildet das Ranking die komplexe Realität nur teilweise ab. Problematisch ist etwa die Beurteilung des Erholungswerts: Für Seeanstoss gibts Punkte, nicht aber, wenn eine Stadt an einem Fliessgewässer liegt. Diese Probleme kennt Autor Jörg Becher. «Wir werden deshalb an den Kriterien arbeiten und den Katalog verfeinern.» (haj)

In Basel bahnt sich Trendwende an

Kompliziert ist die Situation in Basel: Der Exodus der Stadtbevölkerung war in den letzten Jahren eines der grossen Probleme des Stadtkantons - eine Tatsache, die im Ranking im zweitschlechtesten Platz für die Dynamik ihren Niederschlag findet. Hinzu kommt, dass die Stadt überaltert ist. Seit Ende 2007 nimmt die Bevölkerung Basels nach jahrelangem Schrumpfprozess dank Bilateralen II und neuem städtischen Wohnraum aber wieder zu: «Hier bahnt sich eine bemerkenswerte Trendwende an», meint dazu Jörg Becher, der selber in Muttenz lebt und die Region bestens kennt.

Nicht überbewerten mag er die schlechte Rangierung Basels beim Erholungswert (siehe Infobox rechts), die nicht zuletzt daran liegt, dass Basel nicht an einem See, sondern «nur» an einem grossen Fliessgewässer liegt. Schon immer stark war die Stadt am Dreiländereck beim Öffentlichen Verkehr - dieses Jahr gibts dafür gar den Spitzenplatz aller Schweizer Städte. Beim Kriterium Arbeitsmarkt liegt die Wirtschaftsmetropole Basel hingegen auf dem enttäuschenden zehnten Platz - noch hinter regionalen Zentren wie Aarau und Chur. Jörg Becher erklärt dies mit den relativ hohen Arbeitslosenzahlen. Er räumt aber ein: Basel mit seiner starken Pharma-Branche präsentiere sich gerade jetzt in robuster Verfassung. Die im Vergleich zur Region Zürich generell schlechteren Rangierungen der hiesigen Städte will er denn auch nicht überbewerten: «Tatsache ist: In der Region Basel steckt viel Potenzial.»