«Lieber etwas langsam angehen»

Sportmediziner raten, bei Eiseskälte weniger intensiv zu trainieren - denn Training in der Kälte bedeutet grossen Stress für den Körper. Am Sonntag brach ein Jogger in Zürich zusammen. Es wird vermutet, dass das medizinische Problem von der Kälte ausgelöst wurde.

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Joggerinnen

Joggerinnen

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Bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich kann ein Körper schon mal schlapp machen. «Durch die Kälte braucht der Körper ungleich mehr Energie, um den Thermohaushalt zu regulieren, als bei normalen Temperaturen», erklärt Rudolf Bubenhofer, Sportmediziner aus Mellingen. Und: «Training in der Kälte ist ein grosser Stress für den Körper.» Auch der Flüssigkeitsverlust durch die Lunge sei enorm. Bei längeren Trainingseinheiten sollte man deshalb unbedingt viel trinken.

Man muss unterscheiden zwischen gesunden trainierten Menschen und weniger trainierten Menschen. «Ein Sportler, der trainiert ist, hat in der Kälte sicher weniger Mühe als ein untrainierter Mensch», so Bubenhofer. Ein eher unsportlicher Mensch, der sich zu Neujahr mehr Sport vorgenommen hat, kann seiner Gesundheit durchaus auch schaden.

Lungen und Herz sind sehr empfindlich

Im Zusammenhang mit dem Training bei sehr kalten Temperaturen kann beispielsweise Asthma auftreten Laut Bubenhofer leiden ungleich mehr Langläufer als Marathonläufer an Asthma. Dies zeigt, dass die Kälte der Lunge zu schaffen macht. Menschen mit Lungenproblemen sollten im Winter also besonders vorsichtig sein. Abhilfe schafft da beispielsweise eine Kopfbedeckung, die auch über Mund und Nase gezogen werden kann; die Atemluft wird nicht ganz so kalt eingeatmet.

Das Herz leidet in der Kälte ebenso. Wenn man sich beim Training übernimmt, kann es zu Herzdurchblutungsstörungen, Herzmuskelentzündungen oder gar zu einem Herzinfarkt kommen. «Ganz wichtig ist es deshalb, das Training weniger intensiv zu gestalten», rät Bubenhofer. Er empfiehlt ein Grundlagenausdauertraining und rät von Intervalltrainings, die sehr schnell und intensiv sind, ab.

Ein Problem kann auch eine unausgeheilte Virus-Erkrankung sein. «Wenn der Virus noch nicht vollständig abgeklungen ist, kann dies bei Überanstrengung eine Herzmuskelentzündung verursachen», sagt Bubenhofer.

Bei Temperaturen von -10 oder -15 Grad rät der Sportmediziner Bubenhofer ganz von Lauftrainings ab: «Ein zügiger Spaziergang ist bei diesen Temperaturen ein gutes Training und schont den Körper.» Ganz auf Bewegung verzichten sollte man laut Bubenhofer nicht. (dge)