Migrol
Lieber eine Spielwiese als eine Glacé

Anfang Juli schrieb die 9-jährige Alicia Oetterli aus Niederbipp einen Brief an die Migrol. Sie will nicht, dass ihre Spielwiese einem Tankstellenshop weichen muss. Nun hat die Migrol reagiert.

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Migrol will in Niederbipp bauen

Migrol will in Niederbipp bauen

az Langenthaler Tagblatt

Von Kim Allemann

«Liebe Migrol, ich bin sehr enteuscht. Ihr baut hir einen SHOP obwhol wir schon den DENER, Coop, Tankstelle, ein Kiosk Voj haben. (...) Aber wen ihr jetzt noch den SHOP baut können wir nich mehr spielen», schrieb Alicia Oetterli der Migrol. «Ich verstehe dich sehr gut», schrieb ihr Migrol-Geschäftsführer Daniel Hofer nun zurück, «jedoch bin ich sicher, dass die Gemeinde für die Kinder von Niederbipp sorgt und es für euch nicht nur diese Wiese zum Spielen gibt.»

Für die Eltern sei es doch gut, «wenn sie nun noch einen Shop haben, der wie eine kleine Migros ist.» Und auch die Kinder hätten ihre Lieblingsglacé ganz in der Nähe. Dass sie von der Migrol eine Antwort erhalten hat, finde sie zwar nett, sagt Alicia: «Aber ich möchte eigentlich keine Glacé, sondern weiterhin auf der Wiese spielen.»

Nicht nur Alicia Oetterli wehrt sich gegen die Erweiterung der Tankstelle. Neun Einsprachen sind bisher bei der Bauverwaltung in Niederbipp eingegangen. Auch Alicias Eltern haben Einsprache erhoben. Sie befürchten mehr Lärm, Abgase und Abfall, kurz, weniger Lebensqualität. «Vor allem aber haben wir Angst, dass die Autos bei uns im Strässchen durchfahren und die Kinder gefährden», erklärt Petra Oetterli, die Mutter von Alicia. Der Spielplatz im Dorf sei für die Kinder leider keine gute Alternative. «Der wird von den älteren Jugendlichen beschlagnahmt und ist leider oft voller Scherben und Zigarettenstummeln.»

Bauverwalter René Suter weiss um das Problem des Spielplatzes. Man habe unter anderem Sicherheitsleute, die beim Areal vorbeischauen. «Die Situation hat sich schon um einiges gebessert. Doch natürlich ändert sich das nicht von heute auf morgen.» Die Chance sei gross, dass das Gesuch der Migrol bewilligt werde, denn die Erweiterung sei zonenkonform.

Derweil hofft Familie Oetterli, dass die Migrol mit sich reden lässt, dass Lärmwände aufgestellt werden und der Verkehr das Wohnquartier nicht belastet. Für Petra Oetterli ist aber auch klar: «Schaffen wir es nicht, uns mit der Migrol zu einigen, gehen wir eine Instanz weiter.»