Swissfel
Lichtquelle in den Wald stellen

Überraschende Neuheit beim Röntgenlaser Swissfel am PSI: Die 275 Millionen Franken teure neue Lichtquelle soll im Würenlinger Unterwald statt in Villigen gebaut werden. Begründung: Dort gibt es am wenigsten Erschütterungen.

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Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Beim Aufbruch in die Zukunft ist am Paul-Scherrer-Institut schon das nächste Grossprojekt in der Pipeline: Auf Hochtouren arbeiten die Forscher an der nächsten Lichtquelle, die eine neue Dimension erschliessen soll. Die eben voll ausgelastete Synchrotron-Lichtquelle Schweiz (SLS) kann kleinste Strukturen wie auf einem Bild zeigen. Das Grossprojekt Schweizer Freie-Elektronen-Laser (Swissfel) geht einen Schritt weiter, «unser Ziel ist es, Atome und Moleküle wie in einem Film anschauen zu können», sagt Projektleiter Hans-Heinrich Braun. Damit lassen sich etwa Prozesse in Katalysatoren genau beobachten, was Rückschlüsse auf die Entstehungsweise der Endprodukte erlaubt. Gemäss dem ehrgeizigen Ziel soll die High-T ech-Anlage von 2012 bis 2015 gebaut werden (siehe Kasten).

Swissfel ab 2016 in Betrieb

Falls die nötigen 275 Millionen Franken von Bund und Investoren bewilligt werden, wollen die Forscher 2012 mit dem Bau beginnen. In den ersten zwei Jahren werden im Wald nahe beim Parkplatz Ost der Tunnel für die Lichtbahnen und die oberirdischen Gebäude erstellt. Der nötige Tunnel, im Tagbau gebaut, muss unten 4 Meter und oben 6 Meter breit sein. «In den Jahren 2014 und 2015 folgen die technischen Einrichtungen und der Beschleuniger, 2016 wollen wir starten», sagt Projektleiter Hans-Heinrich Braun. Weltweit gibt es vergleichbare Strahlungsquellen in Kalifornien und Japan, die EU-Anlage soll 2014 in Hamburg in Betrieb gehen. Die Schweiz ist daran marginal beteiligt, bekommt aber nur wenig Messzeit. Um international mithalten zu können, will das PSI die eigene Anlage realisieren. (Lü.)

Stabiler Standort ist wichtig

Alle möglichen Standorte für den Swissfel lagen bisher auf der Villiger Seite des PSI, entweder parallel zur Aare oder ennet der Kantonsstrasse am Waldrand. «Zentrale Voraussetzung ist ein Standort mit möglichst wenig Erschütterungen», sagt Braun und meint damit auch die Distanz zur Kantonsstrasse, zum Pflügen der Bauern oder selbst zum Bachlauf. Höchste Strahlstabilität ist nötig, um die Qualität zukünftiger Experimente zu sichern. Dazu gehören minimale Schwankungen der Temperatur, also ein stabiles Mikroklima, ebenso die Kühlung durch Grundwasser. Dieses ist immer etwa 14 Grad warm, während die Aare von 4 bis zu 26 Grad schwankt. Fazit des Projektleiters: Das Gelände PSI-West wird nicht völlig ausgeschlossen, «aber der optimale Standort für Swissfel liegt im Würenlinger Wald».

Eine neue Spezialzone Swissfel

Selbstverständlich muss das PSI die üblichen Verfahren einhalten. Die neue Zone muss als Bauzone oder Spezialzone Swissfel im Richtplan eingetragen und von Kanton und Gemeinde genehmigt werden. Auch die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) von Würenlingen bedarf der Anpassung - vergleichbar mit dem laufenden Verfahren für die High-Tech-Zone in Villigen. Über die Pläne ist die Würenlinger Bevölkerung gestern Abend an der Gmeind informiert worden.

70 Meter breite Waldschneise

Der Beschleuniger kommt in einen unterirdischen Tunnel, die nötigen Gebäude auf 440 Metern Länge sind 4 bis 5 Meter hoch. Weil alles im Tagbau erstellt wird, gibt es eine 70 Meter breite Schneise. Das ist auch nötig, weil bei Schnee oder Stürmen keine Bäume auf die sensible Anlage stürzen sollten. «Wir rechnen mit 7 Hektaren Wald, rund die Hälfte kann man mit niedrigwüchsigen Bäumen wieder aufforsten», betont Peter Allenspach, Bereichsleiter Logistik im PSI. Bei dieser Grössenordnung ist eine Bewilligung des Bundes und eine Ersatzaufforstung zwingend. Gemessen an den 400 Hektaren Wald in der Gemeinde Würenlingen ist die beanspruchte Fläche allerdings nicht so riesig.

Forschungsgeld des Bundes

Gemäss den neuesten Schätzungen wird der Swissfel zirka 275 Millionen Franken kosten. Dem ETH-Rat und dem Forschungskredit des Bundes werden aber nur 180 Millionen Franken für den Zeitraum 2012 bis 2015 beantragt. Der Restbetrag soll über Eigen- und Drittmittel finanziert werden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, denn im Jahr 2010 muss die Eingabe erfolgen, damit das Bundesparlament 2011 den Elektronenlaser als Teil des Forschungskredits bewilligen kann. Für die Zukunft des PSI ist der Swissfel das wichtigste Projekt. «Die Aargauer Regierung unterstützt die Anlage über alle politischen Lager hinweg», sagt Allenspach zur nötigen Unterstützung.

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