Bruno Utz

Knapp rechtzeitig zum Winterbeginn wird die Strasse zwischen Mitholz und Kandersteg lawinensicher. Kommt die gefürchtete «Bireloui», kann sie die Kantonsstrasse nicht mehr verschütten. «Am Freitag, 18. Dezember können wir den insgesamt 640 Meter langen Lawinenschutztunnel Mitholz dem Verkehr übergeben», sagt auf Anfrage der für das Oberland zuständige Kreisoberingenieur Markus Wyss.

Die eigentlichen Reparaturarbeiten seien bereits abgeschlossen. Das Innengewölbe des Tunnels sei auf der ganzen Länge saniert worden. Und von der Tunnelmitte bis zum Tunnelportal Süd - dort war die Tragsicherheit

des Tunnels am meisten beeinträchtigt - sei das Gewölbe mit einer rund 20 Zentimeter dicken Innenschale aus Beton verstärkt worden. Zudem hätten Lastwagen rund 100 000 Kubikmeter Schüttmaterial weggefahren.

Beleuchtung und Deckbelag

«Derzeit bauen die Handwerker die Beleuchtung ein, montieren Signalisationen und Sicherheitseinrichtungen», zählt Wyss noch zu erledigende Arbeiten auf. Auch fehlten der Deckbelag sowie die Markierungen. Im Frühling des nächsten Jahres erfolge dann der Rückbau der Notstrasse. «Und erstellen müssen wir noch den drei Meter breiten Flurweg, damit die Privaten gehörenden Grundstücke über dem Tunnelareal nutzbar sind.» Der Flurweg diene auch zur Erschliessung des Notausstiegs aus dem Tunnel. «Und er steht Velofahrern als Umfahrungsroute zur Benutzung frei», so der Kreisoberingenieur weiter.

Böse Überraschungen seien bei der Sanierung ausgeblieben. Wyss: «Aber bei der Reparatur der beschädigten Zonen wurde oft das tatsächliche Ausmass der Schäden erst richtig sichtbar.» In den Kostenberechnungen seien dafür Reserven berücksichtigt worden. Diese würden nun beansprucht. «Ja, den Kreditrahmen von 21,4 Millionen Franken können wir einhalten», beantwortet Wyss eine entsprechende Frage.

Handelsgericht am Zug

Wer die Schuld trägt an der Senkung des Tunnels um bis zu 30 Zentimeter und an den massiven Rissen im Mitholztunnel ist immer noch nicht geklärt. Ein Aussöhnungsversuch des Kantons mit neun am Bau des Tunnels beteiligten Unternehmen scheiterte im Frühling 2007. Darauf erhob der Kanton Klage. Gemäss Wyss erhielten die angeschuldigten Firmen dieses Jahr das Recht, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Seine Replik auf die Antworten habe der Kanton fristgerecht bis zum vorgesehenen Termin 31. Oktober 2009 wahrgenommen. «Jetzt liegt es am Handelsgericht des Kantons Bern, den weiteren Verlauf und Fahrplan des Verfahrens festzulegen», so Wyss.

Zur Klagesumme will sich der Kreisoberingenieur nicht konkret äussern. «Sie wird aber über den reinen Sanierungskosten liegen.» Dazu kämen nämlich noch weitere, seit der Tunnelschliessung entstanden Aufwendungen wie die Kosten für den Bau der Notumfahrung sowie die Überwachung und Untersuchung des Tunnels.