Affäre Gaddafi

Libyen wegen Verweigerung von Schengen-Visa unter Druck

Der Haupteingang der Schweizer Botschaft in Tripolis (Archiv)

Der Haupteingang der Schweizer Botschaft in Tripolis (Archiv)

Libyen reagiere verärgert auf die Verweigerung von Schengen-Visa durch die EU-Staaten. Das sagte Libyen-Kenner Hasni Abidi in einem Zeitungsinterview. Gemäss dem Politologen bewegt sich der nordafrikanische Staat zum ersten Mal seit 15 Monaten.

Mit der Vorladung der Schweizer vor Gericht komme Bewegung in die festgefahrene Situation, sagte Abidi gegenüber der "Basler Zeitung". "Die Libyer haben erfahren, dass es in Europa bezüglich Visapolitik eine Solidarität mit der Schweiz gibt", hielt der Genfer fest. Dass die EU-Staaten die Schweiz unterstützten, sei nur schwer begreifbar für Libyen.

Als Folge der Solidarität der Schengen-Länder hätten politisch hochgestellte Libyer, unter ihnen auch Angehörige des Gaddafi-Clans, nicht mehr nach Europa reisen können, erklärte Abidi. Diese Visa-Blockade sei das dominierende Thema in dem Land. Libyen sei unter Druck geraten.

Die Vorladung der beiden Schweizer Geiseln vor Gericht wegen Steuervergehen interpretiert der Genfer Politologe als "politisch-juristische Show". Weil Ausländer aufgrund von Verstössen gegen Einreise- und Visabestimmungen nur drei Monate festgehalten werden könnten, habe Libyen ein anderes Delikt finden müssen.

Bruna Hamdani, die Frau einer der beiden festgehaltenen Geschäftsmänner, meldete sich derweil in einem Interview mit der Tageszeitung "Le Matin" zu Wort. Die beiden Schweizer Geiseln trauten sich nicht, die Botschaft in Tripolis zu verlassen, sagte Hamdani. "Sie haben sehr grosse Angst, dass sie nochmals entführt werden". "Sie sind besorgt darüber, dass sie vor den Staatsanwalt gerufen würden." Hamdani sagte weiter, ihr Mann sei ängstlicher und verunsicherter denn je. Er wolle die Botschaft nicht verlassen.

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