Kaminfeger
«Leute glauben, wir bringen Glück»

Er russt Kamine, kontrolliert Öfen, steigt auf Dächer und bringt nebenbei vielen Leuten Glück: Roland Arber aus Bad Zurzach ist seit 30 Jahren Kaminfeger. Seit 18 Jahren arbeitet er im Freiamt. Er könnte sich keinen schöneren Beruf vorstellen.

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Roland Arber und Ueli Lütolf

Roland Arber und Ueli Lütolf

Aargauer Zeitung

Andrea Weibel

«Für viele Leute bringen wir Kaminfeger wirklich Glück», freut sich Roland Arber. Mit leuchtenden Augen fügt er hinzu: «Manche kommen, um mich anzufassen. Eine Frau hat mir sogar mitten auf der Strasse einen Kuss auf die Wange gedrückt, weil sie sich so gefreut hat, einen Kaminfeger zu sehen.» Der 46-Jährige erzählt mit ansteckender Freude von seinem Beruf und kommt aus dem Schwärmen kaum mehr heraus. Bereits seit 30 Jahren gehört Roland Arber zur Kaminfegergilde.

Es gefiel ihm von Anfang an

Angefangen habe alles damit, dass sein Vater gut mit dem Kaminfegermeister in Bad Zurzach, wo Roland Arber aufgewachsen ist und noch heute wohnt, befreundet war. «Er hat mich zum Schnuppern geschickt, und der Beruf hat mir von Anfang an gefallen», erinnert sich Arber. Am 16. April 1979 habe er seine dreijährige Lehre begonnen und diesen Schritt seither nie bereut.

Nach der Lehre hat er einige Jahre in Baden gearbeitet, wo er seinen heutigen Chef, den Kaminfegermeister Ueli Lütolf kennen lernte. Ihre Wege trennten sich kurz, als Arber zurück nach Bad Zurzach ging. 1991 hat er zum dritten Mal die Stelle gewechselt und nennt seither - und das sind immerhin 18 Jahre - das Freiamt sein zweites Zuhause.

Seit damals sind Arber und Lütolf ein gutes Team. «Er ist ein Top-Arbeiter», findet Ueli Lütolf, Kaminfegermeister und Gemeindeammann in Hilfikon. «Obwohl er jeden Morgen von Bad Zurzach nach Hilfikon fährt, ist er immer pünktlich. Und die Leute haben ihn gern, denn er ist sehr kommunikativ und immer freundlich.»

Die Kunst des Russens

In seinen 30 Jahren als Kaminfeger hat Roland Arber einiges erlebt. «Jeden Tag gehen wir zu Leuten nach Hause, sehen, wie sie wohnen, und unterhalten uns mit ihnen. Das gefällt mir sehr gut», erzählt er. Das Vorurteil, dass der Kaminfeger alles schmutzig macht, kennt er. «Die Kunst des Russens ist es, nichts zu verdrecken», sagt Arber schmunzelnd, «denn einen Besen durch den Kamin stossen kann Jeder.»

Kaminfeger-Ehrenkodex

«Die Leute vertrauen uns. Gerade heute hat mir wieder eine Frau, die arbeiten musste, ihren Schlüssel hinterlegt.» Dieses Vertrauen würden sie nie ausnutzen, erklärt Ueli Lütolf. «Ohne das Vertrauen der Kunden ginge es nicht. Und Roland ist absolut vertrauenswürdig.»

Für viele Leute ist der Kaminfeger eine Vertrauensperson. «Wir haben einen Ehrenkodex, eine Art Berufsgeheimnis. Wir würden nie etwas weitersagen, was wir in den Häusern gehört haben», versichert Roland Arber. Er erinnert sich gut an verschiedene Erlebnisse in seiner 30-jährigen Laufbahn. «Einmal habe ich in einem Kindergarten gerusst. Auf einmal kamen alle Kinder zu mir und sangen das Kaminfegerlied. Das hat mich sehr gefreut», sagt er. Es sei ihm auch ein Anliegen, den Kindern die Angst vor dem «Schwarzen Mann» zu nehmen.

Russ statt Schneeflocken

Über ein anderes Erlebnis kann er heute ebenfalls lachen: «In Baden mussten wir einmal die Hochkamine der Müllerbräu russen. Die haben damals noch mit Schweröl gefeuert, und der Russ war ganz flockig. Als wir ihn aufwirbelten, flog er zum Kamin hinaus und draussen fiel er wie Schnee vom Himmel», erzählt Arber. «Die Autos konnten wir waschen, aber der Russ ist auch auf die Leute gefallen. Ich weiss noch, wie sich ein kleines Kind im Kinderwagen die Augen gerieben hat und ganz schwarz war.»
«Ich hoffe, dass er uns noch lange erhalten bleibt», erklärt Ueli Lütolf. Roland Arber fügt an: «Viele Kaminfeger suchen sich in meinem Alter einen neuen Job, weil es doch recht auf die Knochen geht.» Er selbst möchte am liebsten noch lange im Freiamt als Kaminfeger weiterarbeiten. Vor fünf Jahren hatte er einen schweren Motorradunfall und musste lange pausieren. «Die Arbeit hat mir schon gefehlt, besonders der Kontakt zu den Leuten», sagt er.