Zürich
Leuchtend farbig

Im Zürcher Gross-münster kann man sich ganz neu an Fenstern in leuchtenden Farben erfreuen. Geschaffen sind sie nach Ideen des Künstlers Sigmar Polke.

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David

David

Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

Es war ein grosser Augenblick gestern, als die reformierte Kirchgemeinde Grossmünster zusammen mit den beteiligten Handwerkern und weiteren kunstinteressierten Personen die ganz neu eingesetzten zwölf Farbfenster den Medienvertretern zeigen konnten. Kirchenpflegepräsident Claude Lambert erwähnte, dass man erstmals vor fünfzehn Jahren mit der Idee spielte, die bloss mit weissem Glas versehenen Fenster im Erdgeschoss der Kirche durch Farbfenster zu ersetzen. Ein grosszügiges Legat ermöglichte dann die Umsetzung.

Stein statt Glas

In einem Wettbewerb unter mehreren Künstlerinnen und Künstlern kam die Jury zum Schluss, der in Köln lebende Sigmar Polke habe mit seinem Vorschlag die spannendste Idee geliefert, indem er auch figurative Elemente vorsah. Jetzt stehe man überwältigt und glücklich vor dem grossartigen Werk.

Drei Jahre dauerte die Arbeit zusammen mit den Spezialisten der Firma Glas Mäder, und in dieser Zeit entstanden sieben zum Teil sehr farbenfrohe Fenster aus Achatschnitten, also aus einem Stein, der in wenige Millimeter dicke Scheiben geschnitten ist. Die Achate sind mit Blei eingefasst, und die Zwischenräume sind wieder aus Achat. «Von Glasfenstern kann man damit nicht mehr sprechen», meinte Glasmaler Urs Rickenbach. «Glas haben wir hier keines verwendet.»

Erdgeschichte und Themen aus der Bibel

Diese Fenster sollen auf die Erdgeschichte verweisen. Man könne sagen, dass hier Zeit und Energie in Materie umgewandelt seien, meinte Pfarrerin Käthi La Roche. Geist manifestiere sich auch in den fünf figurativen Fenstern, im Sündenbock mit den kostbaren Turmalinen, im Fenster mit der Opferung von Isaak, in der Darstellung des Menschensohns mit den beiden Gesichtern und dem Kelch, dann bei Elias' Himmelfahrt und im David-Fenster. Sie alle könnten als Präfigurationen von Jesus Christus angesehen werden und wiesen auf die Menschwerdung Christi hin, die im Chor in den 1932 geschaffenen Glasfenstern von Augusto Giacometti dargestellt ist. Diese Fenster sind Glasfenster, jedes vom andern auch in der Machart verschieden.

Wahrzeichen von Zürich

Polke selber konnte aus gesundheitlichen Gründen am Anlass nicht teilnehmen, er liess aber eine Botschaft verlesen, in der er erklärt, er sei sich der Einmaligkeit des Auftrags bewusst. Das Gross-münster sei ja nicht nur der Ort der Reformation in der Schweiz unter Huldrych Zwingli, sondern auch das Wahrzeichen von Zürich und darüber hinaus ein historisch wichtiger Ort der Schweiz.