«Letschti Rundi» geht 2010 weiter

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Ihr letztes Studioalbum ist zwar seit letztem Sommer draussen – doch die Tour geht auch 2010 weiter: Die fünf Mitglieder der Berner Rap-Gruppe Wurzel 5 wollen zwar nie mehr zusammen ins Studio. Über das definitive Aus sind sie sich aber noch ebenso uneins.

Samuel Thomi

Zwölf Jahre sind genug. Das sagten sich Wurzel 5 und kündeten letzten Juni mit dem vierten Studioalbum ihre «Letschti Rundi» gleich selber an. Und sie meinen es immer noch ernst - wollen es «sicher nicht wie Göla machen»: Eben verabschiedeten sich die drei Berner Rapper Diens, Tiersch und Serej zusammen mit DJ Link und Manager Baldy Minder auf ihrer Club-Tournee im X-Tra von den zahlreichen Zürcher Fans. Mitten im Abschiedsstress wagten sie im Gespräch auch einen Ausblick aufs neue Jahr. Das letzte ihrer Bandgeschichte?

Eure «Letschi Rundi» ist voll im Gang. Wie beschliesst man als Band eigentlich die Auflösung?
DJ Link: Wir lösen Wurzel 5 nicht auf, nehmen nur kein neues Studiolbum mehr auf. Alles Falsch-Interpretationen. Wir können die Frage nicht beantworten.
Diens: Halt! Stimmt so nicht ganz. Wir haben abgemacht, zusammen die Tour fertig zu machen, und das «Projekt» Wurzel 5 danach zu beerdigen. Wir können aber nicht ausschliessen, uns unter Umständen danach wieder auf einer Bühne treffen.
DJ Link: Eben, habe ich verkürzt ja auch gesagt (lacht).

Wann ist also euer letztes Konzert geplant? Ihr seid nun schon sechs Monate auf Abschiedstournee durch die Schweiz ...
Tiersch: Das wissen wir noch nicht. Beim letzten Album etwa tourten wir fast zwei Jahre.
DJ Link: Es wird sicher ein Anlass im grösseren Rahmen sein.
Diens: Ja, darüber sind wir uns einig. Open-Air wäre zum Beispiel schön. (Die anderen nicken zustimmend.)

Trotzdem nochmals: Wie kam im Sommer 2009 also der Entscheid zum letzten Studio-
Album zustande?

Serej: Das hat sich über die Jahre so ergeben. Durch die Lieder, die wir schrieben zum Beispiel. Durch unsere Gefühle, die sich damit laufend verändert haben. Dieser Entscheid hat sich mit der Zeit herauskristalisiert.
Diens: Sicher hat unser Alter dabei auch mitgespielt. Mit 25 konnte ich mir das vielleicht noch nicht vorstellen. Doch jetzt merke sogar ich als jüngste «Wurzel», dass mir das Ganze mehr an die Substanz geht. Plötzlich verlangen auch unsere Berufe mehr Zeit; Freunde, Beziehungen, allenfalls eine Familie werden auf einmal wichtiger.

Ihr seid mit dem Image der bösen Hip-Hoper gross geworden; kokettiert auch heute noch ab und zu damit. Ganz im Gegensatz dazu ist das Rücktritts-Thema offenbar ein sensibles ...

Diens: Auf all diese Fragen heute seriöse Antworten zu geben ist schwierig, weil wir innerhalb der Band noch nicht wirklich abgemacht haben, wie wir das «Projekt» Wurzel 5 beenden wollen.
DJ Link: Wir lassen es wie bisher auf uns zukommen.
Serej: Sehr pointiert gesagt! - Das ist eben ein Prozess.

Umgekehr gefragt: Was bräuchte es also, dass ihr wieder mal zusammen auf die Bühne geht?
DJ Link: Eine gute Gage. (lacht)
DJ Link: Stopp! - Ein gutes Lokal ist ebenso wichtig.
Diens: Und es braucht eine gute Stimmung in der Band. Und die haben wir im Moment!

Dann hat also keiner von euch Träume, zum Beispiel von einer Weltreise, die mit dem Band-Engagement Probleme gäbe?
Tiersch: Ab nächstem Jahr werden wir nicht mehr wie im Moment jedes Wochenende Konzert geben, dann siehts schon ganz anders aus.

Im Rückblick: Was bleibt übrig von zwölf Jahren Wurzel 5?
Serej: Das wissen wir eben leider nicht mehr alles ...
Diens: Wir hatten zum Glück immer ein Buch dabei wo wir alles notierten ... (schmunzelt).
Serei: Hej! Es ist so viel passiert - und wir sind noch mitten drin!
Diens: Wichtig ist: Wir hatten nicht von Anfang an die Idee, jetzt werden berühmt ...
Serei: ... die Nachfrage hat nicht zuletzt unser Wirken bestimmt. Nur so dauert es bis heute an.
Diens: Am Anfang waren wir ein paar Freunde die Musik machen wollten. Dann waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Das tönt jetzt etwas einfach; in der Kleinstadt Bern wurdet ihr aber nicht von einem Musiklabel entdeckt und zu Stars geformt. Über die Jahre habt ihr vorab selber dazu beigetragen.
Serej: Sicher, hart arbeiten hat immer auch dazu gehört.
DJ Link: Dabei wurden wir aber auch von vielen uns wohl gesinnten Leuten unterstützt.
Serej: Über die Hilfe entschieden aber immer wir, ob wir sie annehmen wollen!
Diens: Uns half sicher, dass wir in einer Zeit gross wurden, als es in der Schweiz noch wenig Mundart-Rap-Bands gab. Das hatte den Vorteil, schneller eine gewisse Frische zu erlangen. Das breitere Angebot erschwert dies heute, auch wenn es technisch einfacher wurde Musik zu machen. Dafür ist es schwieriger, aus dem Haufen herauszustechen.

Wie solls denn jetzt musikalisch weitergehen wenn ihr kein Studioalbum mehr plant?
Serej: Was jeder einzelne macht, ist noch offen. Ich zum Beispiel habe mich mit dem Ende noch nicht auseinandergesetzt. Was danach ist, das weiss ich nicht.
Diens: Macht man kein neues Album mehr, wird die Musik irgendwann langweilig und man muss aufhören. Für mich aber ist klar, dass ich weiterhin Musik machen will. Irgendwie.
Tiersch: Bei mir siehts etwas anders aus; nach Wurzel 5 wird mit Musik wohl Schluss sein.

Wenn ihr schon von der grossen Abschiedsparty redet: Könnte dies zum Beispiel ein letzter Auftritt auf dem Gurten sein?
DJ Link: Das wäre eine Idee.
Diens: Wir sagten uns, dass wir sicher nicht vor der Open-Air-Saison aufhören wollen. Das sind jeweils die schönsten Konzerte, da ist immer eine super Stimmung. Das macht am meisten Spass. Wer weiss, vielleicht lässt es sich ja verbinden? - 2011 auf dem Berner Hausberg?


Das ist der erste TEil einer Porträtserie «Jahreswechsel». Am Montag: Herrmann Moser gibt «sein» Lyss nach 16 Jahren ab.

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