Heiner Halder

Die Gründung der Volkshochschule Lenzburg (VHL) geht auf die Initiative des damaligen Stapferhausleiters Martin Meyer, Bezirkslehrer Robert Merki sowie Grossrat Urs Clavadetscher zurück, welche vom Zofinger Bildungspolitiker Werner Schär inspiriert wurden. Eine Arbeitsgruppe schuf die Grundlagen, sodass die VHL am 15. September 1970 offiziell gegründet werden konnte.

22 Organisationen, bemerkenswerterweise sämtliche Ortsparteien sowie Schulen, im Bildungsbereich tätige Institutionen, mehrere Vereine und Einzelmitglieder bildeten die Basis für die fünfte Volkshochschule im Aargau. Die Gründer legten von Anfang an grossen Wert darauf, die VHL als «Teil eines Ganzen» zu sehen, Kooperation statt Konkurrenz war die Devise, was bis heute im gemeinsamen Programmheft «Bildung in Lenzburg» zum Ausdruck kommt.

«Notwendige Arbeit»

Kurz vor der Gründung wurde die VHL in den Verband Aargauischer Volkshochschulen aufgenommen. An der Delegiertenversammlung in Aarau betonte der Aarauer Gastgeber Leonhard Jost, dass «die Volkshochschule im Zuge der technischen Entwicklung eine notwendige Arbeit darstellt»; die allgemeine Schulbildung und die anschliessende «einseitige Berufsausbildung» erwiesen sich als ungenügend: «Der nicht akademisch geformte Mensch steht weitgehend unvorbereitet in einer technisierten Gesellschaft voller Rätsel», sagte der Seminarlehrer.

Die Volkshochschule könne helfen, die Lücke zu füllen. Und er forderte, dass sich der Staat einschalte, «denn schliesslich hat er ja ein Interesse an wohlausgebildeten Bürgern, die stets strebend sich bemühen, ihr Wissen, ihr Können zu mehren.

Der Aargauer Verbandspräsident Werner Schär blies ins gleiche Horn: Der Staat sei jetzt in Pflicht zu nehmen. Der Antrag an den Kanton lautete auf 20000 Franken aus dem Kulturgesetz-Ertrag.

Tatsächlich wurden die Volkshochschulen bis heute regelmässig alimentiert, aktuell seit der Gesetzesänderung vom BKS (Departement Bildung, Kultur, Sport) nach strengen Kriterien. Finanzielle Sorgen plagten den Lenzburger VHL-Vorstand nie, es wurde bis vor drei Jahren immer mit schwarzen Zahlen abgerechnet.

Keine «Sesselkleber»

Als erster Präsident der VHL amtierte der Berufswahllehrer Heinz Frey, ab 1985 Max Sommerhalder, und seit 2005 Vreni Bollmann, heute zusammen mit Sekretärin Andrea Bühler im Co-Präsidium. Weit grösser ist die Fluktuation beim Vorstand. Weil dieser sich als ausgesprochenes Arbeitsgremium versteht, für welches nebst Sitzungen die Initiierung und Betreuung sowie oft auch die Leitung von Kursen und Anlässen Voraussetzung ist, gibt es in diesem Gremium keine blossen Beisitzer und kaum «Sesselkleber». Herzblut und unentgeltliches Engagement sind gefragt. Trotzdem ist es bis heute, wo diese Tugenden nicht mehr so selbstverständlich sind, gelungen, sich mit hervorragenden Persönlichkeiten aus der Region kontinuierlich zu revitalisieren.

Mitglieder und Kursteilnehmer

Ideell und finanziell tragendes Element der Volkshochschule sind die Vereinsmitglieder. Nach raschem Wachstum in den ersten Jahren etablierte sich der Bestand lange Zeit auf hohem Niveau; im Gründungsjahr 1970 waren es 55, nach zehn Jahren bereits 265 Einzel- und 49 Kollektivmitglieder.

Die magische Marke von über 200 wurde erstmals 1998 unterschritten, und aktuell zählt die VHL nur noch 153 Einzelmitglieder, doch kann das Pendel erfahrungsgemäss ohne weiteres wieder in die andere Richtung ausschlagen.

Entscheidender ist die Statistik der Kursteilnehmer, welche indes ebenfalls grossen Schwankungen unterliegt. Der Start war fulminant: Die acht Kurse wurden von 440 Interessenten besucht, im achten Semester gar von 664 an 16 Anlässen. Der grösste Einbruch erfolgte im 20. Betriebsjahr mit 139 Besuchern an 9 Veranstaltungen. Während der «Nullerjahre» pendelte sich die Beteiligung auf etwas über 400 ein, letztes Semester waren es 354 Teilnehmer an 23 Anlässen.

40-jährige Erfolgsgeschichte

Weder die Anzahl Vereinsmitglieder noch die Fülle des Angebotes ist entscheidend für Top oder Flop der Veranstaltungen. Ob ein Thema den Nerv der Zeit trifft, die Menschen beschäftigt und bewegt, zum Bestseller oder gar Longseller gerät, steht tatsächlich in den Sternen geschrieben, hängt von unzähligen Faktoren, Zufälligkeiten, dem Zeitgeist auch, Terminkollisionen, Konkurrenzangeboten, nicht aber von der Qualität und Werbeintensität ab.

Im Kaffeesatz zu stochern, bringt nichts. Sommerhalders und seiner Nachfolgerinnen realistischer und optimistischer Fatalismus («Für die Zunahme der Kursteilnahme ist eine vordergründige Erklärung nicht zu finden - die Entwicklung wird jedoch dankbar zur Kenntnis genommen») dürfte auch mit ein Grund dafür sein, dass die Volkshochschule Lenzburg trotz allen Höhen und Tiefen übers Ganze gesehen eine 40-jährige Erfolgsgeschichte geworden ist.