Lenzburger Schlosshügel bröckelt
Lenzburger Schlosshügel bröckelt

Die Trockenmauern werden diesen Herbst in aufwändiger Handarbeit saniert

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Aargauer Zeitung

Heiner Halder

Nur ein massiver Rolladen verhinderte am 17. Februar, dass das Badezimmerfenster eines Hauses nicht von einem herabrollenden Stein durchbrochen wurde. Durch den glimpflich endenden Vorfall alarmiert, wurden die ehemaligen Rebmauern am Lenzburger Schlossberg vom Stadtbauamt kontrolliert. Der harte Winter sowie die wild wuchernde Natur hatten den Trockensteinmauern am steilen Südhang arg zugesetzt. Als Sofortmassnahme wurden an den strategischen Stellen Holzschutzwände montiert.

Gleichzeitig ordnete die Stadt ein Sanierungsprojekt an. Das Umgelände gehört der Stiftung Schloss Lenzburg, welcher Stadt und Kanton angehören. Sie haben die Kosten für die Wiederherstellung denn auch zu tragen.

Dringend sanierungsbedürftig

Als erstes wurde eine Bestandesaufnahme durch das Geometerbüro Flury vorgenommen. Gegen 500 Quadratmeter der Rebmauern sind noch in gutem, 115 in schlechtem Zustand und 170 Quadratmeter dringend sanierungsbedürftig, erläutert Christian Brenner vom Stadtbauamt die Erkenntnisse. Als projektierender Architekt und Bauleiter wurde der Trockenmauer-Spezialist Gerhard Stoll beigezogen. Von den verschiedenen Methoden zur Sanierung der zerfallenden Mauern wurde die Rekonstruktion in guter alter Handwerkskunst gewählt.

Weder die Sicherung mit Mörtel, Drahtgeflecht oder Steinkörben und schon gar nicht der Ersatz durch Betonmauern vermögen aus ökologischer und denkmalpflegerischer Sicht zu befriedigen. Für den Wiederaufbau werden die vorhandenen Steine benutzt, ergänzt durch Bruchsteine aus Hausabbrüchen, welche vom Stadtbauamt für solche Fälle sorgfältig deponiert werden; diese wurden mit dem Helikopter vor Ort geflogen.

Für die aufwändigen und delikaten Wiederaufbauarbeiten sind einige spezialisierte Firmen zur Offertstellung angeschrieben worden, für welche Anfang Woche von Gerhard Stoll und Mitarbeiter Dieter Schneider eine Muster-Mauer aufgebaut worden ist. Die beiden Fachleute haben an zusammen drei Arbeitstagen rund fünf Quadratmeter Trockenmauer abgebrochen und wieder aufgebaut. Im steilen und teils glitschigen Terrain eine anspruchsvolle Handarbeit.

400 000 Franken

Die eigentlichen Bauarbeiten sollen im Herbst beginnen und die Massnahmen erster Priorität bis Ende Jahr fertiggestellt werden. Brenner schätzt die Kosten auf rund 400 000 Franken.

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