Knecht
Lenzburg setzt Fuss in Aaraus Bus

Der Kanton Aargau hat sein Aktienpaket des Busbetriebs Aarau (BBA) dem Meistbietenden verkauft. Der Preis war hoch, der Käufer, die Knecht-Gruppe aus Lenzburg, ist offen für mehr.

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Lenzburg setzt Fuss in Aaraus Bus

Lenzburg setzt Fuss in Aaraus Bus

Thomas Röthlin

Die Eurobus-Gruppe der Knecht Holding AG in Windisch ist Konzessionärin des Regionalbusses Lenzburg (RBL). Schon vor zwei Jahren bekundete Eurobus Interesse am BBA. Zwecks Synergien, hiess es damals auf Anfrage. Jetzt bestätigt Inhaber Thomas Knecht: «Gemeinsame Themen sind der Fahrzeugeinkauf, Passagier-Informationssysteme oder die Chauffeur-Ausbildung.»

Preis schnellte in die Höhe

Auslöser von Knechts Expansionsgelüsten im öffentlichen Verkehr (öV) war die Absicht des Kantons Aargau, seinen BBAAnteil dem Meistbietenden zu veräussern. Das neue öV-Gesetz stürzte den Kanton in ein Dilemma: Die neue Rolle als Auftraggeber im Ortsverkehr liess sich mit jener als Miteigentümer eines sich um den Transportauftrag bewerbenden Unternehmens schlecht vereinbaren.

Das vitale Interesse von Knecht am BBA liess den Preis in die Höhe schnellen. Der geschätzte Substanzwert von 240Franken sei «deutlich übertroffen» worden, bestätigt Maurus Büsser, Generalsekretär des Verkehrsdepartements.

Knecht will den Preis nicht nennen, den er für die BBAMinderheitsbeteiligung bezahlte. Ausschlaggebend für das Engagement seien Eurobus’ «Erfahrung und Kompetenzen». Der RBL ist nicht die einzige öV-Aktivität der Gruppe.

Ob Eurobus eine Erhöhung des 11%-Anteils am BBA anpeilt, lässt Knecht offen: «Wir haben nicht die Absicht, weitere Aktien zu kaufen. Aber wenn eine Gemeinde auf uns zukommt, sind wir gesprächsbereit.»

«Neue Lagebeurteilung»

Die Gemeindeversammlungen von Suhr und Erlinsbach AG haben letztes Jahr beschlossen, ihre Bus-Anteile von 4,3% und 3,5% zu verkaufen. Dies, nachdem in Aarau 2008 eine Volks-
initiative deutlich gutgeheissen worden war, gemäss der die Stadt ihren 35,5%-Anteil (inklusive Rohr) behalten und ausbauen soll, wenn ihr weitere BBAAktien angeboten werden. Stadt- und Einwohnerrat waren mit der Absicht gescheitert, zusammen mit dem Kanton und zehn Aktionärsgemeinden ein Päckchen zu schnüren und den BBA zu privatisieren.

Die Stadt musste sich der Initiative wegen um den BBA-Kantonsanteil bewerben und bot auch in der zweiten und letzten Runde mit. «Wir wollten nicht nur gleichziehen, sondern das beste Angebot überbieten», sagt Stadtammann Marcel Guignard – und kommt damit allfälligen Bedenken zuvor, der Stadtrat habe angesichts des ungewollten Volksauftrags absichtlich zu tief offeriert. Mit 320Franken ist Aarau Eurobus-Knecht trotzdem unterlegen. Mitgeboten hatte auch die Postauto Schweiz AG.

Der Gesamtstadtrat wird gemäss Guignard jetzt eine «neue Lagebeurteilung» vornehmen. Das Geschäft ist bereits übermorgen Montag traktandiert.

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