«Das blaue Hochhaus in Lengnau haben im Notfall immer alle gefunden», sagt Emanuel Stöcklin. Er hat seine Praxis gestern in jüngere Hände gegeben. Ob die gute Lage den Ausschlag gegeben hat oder nicht: Der scheidende Arzt freute sich riesig, als ihn Valérie Duchoud anrief und ihm mitteilte, dass sie sich mit ihrem Mann, Manuel Fricker, ernsthaft für die Praxis interessiere.

Emanuel Stöcklins Erleichterung über die gesicherte Zukunft ist im Inserat zur Praxisübergabe fast mit Händen zu greifen. Er ist überzeugt, seine Patienten, die ihm in den letzten knapp 30 Jahren Freunde geworden sind, in gute Hände zu übergeben. Und schon wieder läutet es an der Tür. Der Abschied vom vertrauten Hausarzt lässt bangen und auf die «Neuen» hoffen.

Bereicherung durch Sprachgrenze

Valérie Duchoud ist im französischsprachigen Wallis, Manuel Fricker im Aargau aufgewachsen. Beide sind Fachärzte für Innere Medizin FMG. Diabetologie ist Valérie Duchouds Spezialgebiet, Reisemedizin dasjenige von Manuel Fricker. Beide waren zwei Jahre in Afrika. «Wir suchten eine Praxis an der Sprachgrenze, inmitten unserer beiden Herkunftsgebiete», sagt Valérie Duchoud.

Freiburg wäre für die dreifachen Eltern ebenfalls in Frage gekommen. «Die Allgemeinpraxis gibt uns die Möglichkeit zur Selbstständigkeit, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Das abwechslungsreiche Patientenspektrum interessiert uns», sagen die beiden Ärzte, die in Basel studiert haben. Beide werden arbeiten, jedoch nicht je 100 Prozent.

Wenig Prestige für Hausärzte

«Eine Gruppenpraxis wäre die ideale Lösung», finden die drei Ärzte in der Praxis an der Solothurnstrasse 23, die eben renoviert wird. Die Unsicherheit über die Finanzierung der medizinischen Grundversorgung und die politischen Ideen aus dem Bundeshaus seien für junge Mediziner wenig motivierend, eine Arztpraxis zu übernehmen oder zu eröffnen.

«Die Lösung wäre eine gleiche Verdienstspanne wie ein Spezialist», sagt Stöcklin. Eine Gruppenpraxis würde die zeitliche Belastung für den einzelnen verkleinern. Er denkt an eine Praxis, in der mehrere Fachärzte ihre eigenen Patienten betreuen, weitergeben und sich gegenseitig vertreten.

Verschiedene Lösungen für Lengnau sind im Gespräch aber vorerst wenig konkret. Gemeindeschreiber Marcel Krebs sagt: «Für die Gemeinde ist es wichtig, dass die medizinische Versorgung klappt. Die Gemeinde leistet sicher Support, um mögliche Partner an einen Tisch zu bringen.» Noch gibt es in Lengnau zwei weitere und in Pieterlen zwei Arztpraxen. Der Hausärztenotfall funktioniert über die neue Notfallnummer.