«Leidenschaft für Gastronomie ist wichtig»

Genau ein Jahr war die Birrwiler «Schifflände» geschlossen. In der Zwischenzeit haben Besitzer und Wirt gewechselt. Der neue Pächter, der Bündner Rudolf Florian, will in den vorerst belassenen Räumen mit innovativen Ideen einiges bewegen. Ab Freitag hat das beliebte Lokal wieder geöffnet.

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Schifflände

Schifflände

Aargauer Zeitung

Fritz Thut

Es mutet wie ein Witz an: Während der ganzen Sommersaison und des schönen Herbstes blieb eines der sonst meist frequentierten Ausfluglokale im Seetal geschlossen. Nachdem im letzten Spätherbst die Ära Gautschi zu Ende ging, nahm der Besitzer- und Wirtewechsel bei der Birrwiler «Schifflände» mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich vorgesehen.

Grössere Umbauphase im übernächsten Winter geplant

Kaum wieder eröffnet sieht die Birrwiler «Schifflände» bereits dem nächsten Betriebsunterbruch entgegen: Wie der neue Besitzer, der Freiämter Unternehmer Urs Christen, und der Pächter Rudolf Florian gestern Abend an der Wiedereröffnungsfeier verkündeten, ist geplant, im Winter 2010/11 das Hauptgebäude des «Schifflände»-Komplexes den aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Dazu erwägt man zurzeit noch zwei grundsätzliche Möglichkeiten: die totale Aushöhlung des aktuellen Baukörpers oder einen Abriss und Neubau. «Das Hauptziel ist jedoch, dass die ‹neue Schifflände› im April 2011 wieder eröffnet wird», so Florian. Ob dieser Um- oder Neubau 7 und 6 Monate in Anspruch nehmen wird, hängt von der nun einsetzenden Detailplanung ab. Der ohnehin ehrgeizige Zeitplan kann nur dank «guter Planung» (so Florian) eingehalten werden. Bereits haben erste Gespräche mit involvierten Stellen stattgefunden und die Signale stimmen die neuen «Schifflände»-Verantwortlichen zuversichtlich, denn die Liegenschaft liegt unmittelbar am See und damit in einer hochsensiblen Region. Ein Hauptziel der geplanten baulichen Anpassung geht Richtung Angleichung des Platzangebotes. Das Gebäude wird zurzeit nur etwa zu einem Viertel gastronomisch genutzt. Mit der Verdoppelung der Innensitzplätze und einem Bankettsaal will man die Abhängigkeit von Jahreszeit und Wetter massiv verringern. (tf)

«Im Sommer voll bereit»

Nun öffnet das beliebte Lokal ausgerechnet am Freitag, zum Start der meist eher ruhigeren Winterzeit, seine Türen wieder. Dem neuen Wirt und Pächter Rudolf Florian und seinem Team scheint dieser eher sachte Start nicht ungelegen zu kommen: «Wir wollen dann im nächsten Sommer voll bereit sein.»

Dies heisst aber nicht, dass man sich in den Wintermonaten zurücklehnen will. Dazu ist der quirlige Bündner zu umtriebig. Der diplomierte Hotelmanager und Restaurateur hat seine Sporen in der Oberengadiner Tourismusregion abverdient und packt seine neue Aufgabe mit «Lebensfreude und sprühender Energie» an, so die offizielle Pressemitteilung zur Eröffnung.

«Charakter beibehalten»

Die Attribute bestätigen sich im persönlichen Gespräch. Obwohl er einräumt, vor einem Jahr noch nicht gewusst zu haben, wo der Hallwilersee genau liegt, hat er sich in den letzten Monaten schon gut eingelebt. Er hat gemerkt, dass hiesige Gäste zwar offen für Neues sind, aber Beständigkeit ebenso schätzen. Entsprechend wird er die «Schifflände» «als innovatives Fischrestaurant führen, in welchem auch Bewährtes seinen Platz findet».

Dies gilt vorerst sicher für das Interieur der Gaststube. Die bisherigen Tische wurden abgeschliffen und neu eingeölt und werden nur am Abend im À-la-carte-Bereich weiss gedeckt. «Es war mir wichtig, den Charakter beizubehalten», umschreibt Florian das Credo des Lokals.

Hinter den Kulissen wurden in den letzten Monaten kleinere Anpassungen an der Infrastruktur vorgenommen, vor allem um die Abläufe in der Küche zu verbessern. Damit Gäste an schönen Herbst- und Wintertagen den wunderbaren Blick auf den See geniessen können, ist in den nächsten Wochen auf der grossen Gartenterrasse die Einrichtung einer Lounge vorgesehen.

Fische und Mediterranes

Neue Ideen werden auch auf der Speisekarte umgesetzt, wobei die «altbekannten und stets beliebten Fischrezepte» nicht fehlen dürfen. Man kann jedoch auch hier Entdeckungen machen und etwa eine klare Fischsuppe mit Süsswasserfischen, die meist vom benachbarten Fischer Heinz Weber bezogen werden, ordern.

Auch sonst setzen Florian und sein Küchenchef Gian-Reto Stoffel (ebenfalls ein Bündner; einer, der allerdings schon länger in der Region sesshaft ist) auf qualitativ hochwertige Produkte, die wenn immer möglich von Lieferanten aus der Region stammen.

Zweiter Hauptakzent der Karte sind mediterran angehauchte Speisen. Ab nächster Woche gibt es beispielsweise hausgemachte Pasta mit verschiedenen Füllungen und Saucen. Auch Fleischliebhaber kommen nicht zu kurz. Am Mittag stehen täglich wechselnde Tagesteller als Business-Lunch zur Auswahl.

Für Florian ist zentral, dass er und seine motivierten Mitarbeiter stets auf die Wünsche der Gäste eingehen. «Die Leidenschaft für die Gastronomie ist das Wichtigste», fasst er seine Zielsetzung zusammen.

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