Leichte Strafsenkung für rumänische Kriminaltouristen

Eingang zum Zürcher Obergericht

Eingang zum Zürcher Obergericht

Mit über 160 Einbrüchen sowie spektakulären Diebstählen von gefüllten Bancomaten haben rumänische Kriminaltouristen fette Beute in Millionenhöhe gemacht. Am Dienstag kassierten zwei wichtige Mitglieder der Bande vor dem Zürcher Obergericht Freiheitsstrafen von fünf und sieben Jahren.

Von Attila Szenogrady

Der Hauptprozess gegen die sechsköpfige Diebesbande fand schon im Juni 2008 vor dem Bezirksgericht Affoltern statt. Dieses musste damals aus Platzgründen die Verhandlung im Stadtcasino durchführen. Schon damals war die eindrückliche Serie der rumänischen Organisation nicht mehr bestritten.

Alleine dem mutmasslichen Rädelsführer wurden für den Zeitraum von Oktober 2001 bis November 2004 nicht weniger als 160 Einbrüche in der gesamten Deutschschweiz angelastet. Darunter mehrere spektakuläre Diebstähle von Bankomaten. Die Täter rissen dabei mit der Hilfe von Lastwagen die Geldbezugsautomaten einfach aus ihrer Verankerung. Der Deliktsbetrag betrug über 1,1 Millionen Franken, der Sachschaden über 1,25 Millionen Franken.

Beute in Millionenhöhe gehortet und abtransportiert

Die fleissigen Diebe nahmen alles mit, was sie konnten. Verpflegung, Kleider Zigaretten, Campingausrüstung, Werkzeuge und Mobiltelefone. Dabei horteten die Osteuropäer die gestohlenen Gegenstände jeweils in unbewohnten Gebieten. Ein bedeutendes Depot befand sich in einem Waldstück bei Affoltern am Albis. Dort konnten die Kriminaltouristen die Beute in aller Ruhe aufteilen und danach über die Grenzen nach Rumänien schmuggeln.

Vor fünf Jahren gelang es der Kantonspolizei Zürich, die Bande zu zerschlagen. Der angebliche Chef verschwand hinter Gitter und kassierte am Bezirksgericht Affoltern die höchste Strafe von acht Jahren Freiheitsentzug. Der heute 44-jährige Familienvater legte Berufung ein und stand am Dienstag zusammen mit einem 34-jährigen Komplizen vor dem Zürcher Obergericht. Der zweite Einbrecher hatte in Affoltern eine Strafe von fünfeinhalb Jahren erhalten.

Rabatt dank Verjährung

Die beiden Verteidiger setzten sich für Strafreduktionen auf noch sechs respektive vier Jahre Freiheitsentzug ein. Im Mittelpunkt der richterlichen Befragung stand die Bedeutung des mutmasslichen Bandenchefs, der seine angeblich führende Rolle gänzlich in Abrede stellte. In seinem Schlusswort versprach er, dass er nach seiner Haftentlassung ein neues Leben beginnen werde und künftig in Rumänien nur noch bei seiner Familie leben wolle.

Die Berufung zahlte sich für beide Männer ein wenig aus. So kamen die Oberrichter aufgrund von verjährten Delikten und des sehr langen Verfahrens zu einem gewissen Rabatt. Der Hauptangeklagte erhielt noch sieben Jahre. Der mitbeschuldigte Dieb kam mit fünf Jahren davon. Beide Männer sollen voraussichtlich schon im nächsten Frühjahr wieder frei kommen.

Meistgesehen

Artboard 1