Sarah Jäggi

Ivan aus Dietikon tritt von einem Bein aufs andere. In der Hand den Fragebogen, den er am «Check-in» erhalten hat und der nun ausgefüllt darauf wartet, dem Berufsberater Auskunft über ihn zu geben. Was da steht, ist mustergültig für die Jugendlichen, die Schwierigkeiten haben, den Schritt in die Erwerbstätigkeit zu meistern.

Ivan hat einen Sek-C-Abschluss und auch dort «nicht so gute Noten», wie er sagt. Gemäss Bildungsstatistik haben
22 Prozent der Sek-C- oder der Kleinklassenabsolventen wie er keinen Erfolg auf dem Lehrstellenmarkt.

Erschwerend kommt hinzu, dass Ivan nicht so recht weiss, welchen Beruf er eigentlich lernen möchte, dass er mal hier geschnuppert, mal da einen Job wieder an den Nagel gehängt und immer mal wieder einen Termin verpasste, den er nicht hätte verpassen dürfen. Und ist auch sonst, wie es scheint, schon durch das eine oder andere Netz gefallen. Dass er keinen Schweizer Pass besitzt, ist laut den Erhebungen der kantonalen Bildungsdirektion ein weiteres Handicap auf dem Weg zu einer Lehrstelle.

Mit der «Last Call»-Veranstaltungen, die zeitgleich auch in Kloten, Uster und Winterthur stattfanden, will man möglichst viele Jugendlichen ohne Anschlusslösung erfassen. «Es ist von grosser Bedeutung, dass alle Jugendlichen nach der Volksschule einen Anschluss finden», sagt René Zihlmann, Direktor des Laufbahnzentrums Zürich. Dies darum, weil die geregelten Abläufe, klaren Strukturen und das erlernte Wissen aus der Schulzeit schnell verloren gingen, wenn keine Perspektiven vorhanden seien.

Bei den Veranstaltungen in Zürich und in Kloten waren auch Leute von «Case-Manager Berufsbildung» anwesend. Diese suchen bereits ab der zweiten Oberstufe den Kontakt zu Jugendlichen, bei denen sich Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche abzeichnen, und arbeiten mit Lehrkräften, Berufsberatern, Sozialdiensten und anderen Institutionen zusammen.

100 Jugendliche kamen zu den vier Veranstaltungen und 100 haben am Ende des Parcours beim «Check-out» ihre Lösungen präsentiert. Eine Lösung bedeutet im Idealfall, dass der Weg zu einer Lehrstelle geebnet wird. Der Normalfall ist die Vermittlung von Brückenangeboten: ein Praktikumsplatz, die Aufnahme in ein von der RAV finanziertes Motivationssemester, ein 10. Schuljahr oder Ähnliches. Für viele heisst Erfolg, dass sie beim «Check-out» einen Termin bei der Berufsberatung präsentieren können und sie auf diese Weise, wenn nicht den Einstieg ins Berufsleben, so doch den Wiedereinstieg in die Berufsfindung in Angriff nehmen.

Ivan hat die Runde gemacht und kann zwei Lösungen vorweisen: Da ist ein Termin bei einer Case-Managerin, die sich seine Situation näher betrachten und ihn - so es nach dem Erstgespräch zu einer weiteren Betreuung kommt - intensiv bei der Berufsfindung und der Stellensuche unterstützen wird.

Da ist zweitens die Aussicht auf einen Platz im Projekt «Job Plus Futura», in welchem er während vier Tagen in einem Betrieb ein Praktikum absolvieren und während eines Schultages sein Wissen à jour halten und sich um eine Lehrstelle bemühen müsste.
Und da ist drittens, sagt er beim Abschied, «die Hoffnung, dass ich jetzt einen Schritt vorwärtskomme».