Lehrermörder auf der Flucht

Ded Gecaj: Noch immer sucht Interpol nach dem Lehrermörder. (Bild: RDB/keystone)

Ded Gecaj Lehrermörder

Ded Gecaj: Noch immer sucht Interpol nach dem Lehrermörder. (Bild: RDB/keystone)

Überraschende Wende: Wie MZ-Recherchen zeigen, steht einer Auslieferung von Ded Gecaj, der 1999 einen St. Galler Lehrer ermordete, nichts mehr im Wege – ausser dass der Mörder erneut entkommen ist.

Philipp Mäder

Damit hat kaum mehr jemand gerechnet: Kosovo ist bereit, Ded Gecaj in die Schweiz auszuliefern. Der Kosovare hatte 1999 Lehrer Paul Spirig umgebracht, weil dieser wusste, dass Gecaj seine Tochter missbraucht. Nun hat das oberste Gericht Kosovos entschieden, dass einer Auslieferung Gecajs nichts im Wege steht. Das zeigt das
Urteil, welches der MZ vorliegt.

Damit nimmt das juristische Tauziehen im Fall Gecaj eine überraschende Wende. Noch im März 2008 hatte das oberste Gericht Kosovos in seiner damaligen Zusammensetzung beschlossen, dass Gecaj nicht wie von der Schweiz verlangt ausgeschafft werden könne. In der Folge kam Gecaj frei. Und die Schweizer Behörden sahen kaum mehr Chancen, des Mörders doch noch habhaft werden zu können. Die Richter in Kosovo hatten damals argumentiert, dass Gecaj zum Tatzeitpunkt Bürger von Serbien gewesen sei, dessen Verfassung eine Auslieferung seiner Bürger verbiete. Diese Argumentation ist inzwischen nicht mehr gültig. Das oberste Gericht Kosovos stellt neu aufgrund einer Beschwerde fest, dass die serbische Verfassung zum Zeitpunkt des Auslieferungsgesuchs nicht mehr gültig gewesen sei. Zudem gebe es ein gültiges Abkommen zwischen der Schweiz und Kosovo über die Auslieferung des Betreffenden.

Schweiz an EU-Delegation beteiligt

Der Meinungswechsel geht einher mit der Ablösung der UNO-Mission in Kosovo durch eine EU-Delegation, welche die lokale Verwaltung des inzwischen unabhängigen Staates unterstützt und überwacht. Und an dieser EU-Delegation beteiligt sich - Zufall oder nicht - auch die Schweiz. So stand das oberste Gericht, das sich im März 2008 einer Auslieferung widersetzte, unter dem Vorsitz eines amerikanischen Richters. Das oberste Gericht, das nun der Auslieferung zustimmt, setzt sich aus drei Richtern der EU-Delegation und zwei lokalen Richtern zusammen. «Mit dem jetzigen Urteil kann Ded Gecaj an die Schweiz ausgeliefert werden», bestätigt Kristiina Herodes, Sprecherin der EU-Delegation in Kosovo, auf Anfrage. Wäre da nicht ein gewichtiges Hindernis: Gecaj hat offenbar rechtzeitig vom Urteil Wind bekommen. Dieses fiel bereits am 6. April, wurde aber nie aktiv kommuniziert. «Gecaj befindet sich auf der Flucht», sagt Herodes. «Die Polizei sucht nach ihm.»

Nach Albanien abgesetzt?

Ob sich Gecaj überhaupt noch in Kosovo befindet, ist unklar. So trat er vor einigen Wochen angeblich in einer Sendung des albanischen Fernsehens auf. Allerdings vermuten manche, dass sich dort sein Bruder als Ded Gecaj ausgegeben habe. Tatsächlich aber liegt das Dorf Janosh, wo Gecajs Haus steht, nur unweit der albanischen Grenze. Auch dort wäre Gecaj aber nicht sicher. So gibt es noch immer einen internationalen Haftbefehl gegen ihn, der auch in Albanien gilt.

Mit dem neuen Entscheid dürfte in der Schweiz die Hoffnung wieder steigen, Gecaj doch noch zur Rechenschaft ziehen zu können. So hat St. Gallen das Verfahren gegen ihn nie eingestellt oder an ein Gericht in Kosovo abgetreten. Und Gecaj muss sich lange verstecken, wenn er einer Strafe definitiv entgehen will: Mord verjährt erst nach 30 Jahren.

Meistgesehen

Artboard 1